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 Schuldig

Autoren: Jodi Picoult
Übersetzer: Klaus Timmermann, Ulrike Wasel
Verlag: Piper

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Trixie ist vierzehn Jahre alt, mitten in der Pubertät und schrecklich verliebt. Für ihren Freund Jason wurde sie alles tun – auch noch, nachdem er sie plötzlich und unerwartet fallen lässt. Eine Partynacht, die ihre beste Freundin ohne Wissen ihrer Eltern ausrichtet, soll alles ändern. Trixie will Jason erst eifersüchtig machen und dann verführen. Doch der gewagte Plan geht nach hinten los: Trixies Vater findet seine Tochter mitten in der Nacht hysterisch im Badezimmer vor. Tränenüberströmt berichtet sie ihm, dass Jason sie vergewaltigt hat …

Die Romane von Jodi Picoult sind Kult – nicht erst seit der Verfilmung von "Beim Leben meiner Schwester". Die gut recherchierten Bücher, die sich meist um sehr kontroverse Themen drehen, kommen beim Publikum an. Kein Wunder also, dass der Piper-Verlag mit "Schuldig" jetzt auch eines ihrer Werke veröffentlicht hat, das bereits ein paar Jahre auf dem Buckel hat. Im Original erschien der Roman bereits 2006. Wie auch "Beim Leben meiner Schwester", "Neunzehn Minuten" oder "Das Herz ihrer Tochter" erzählt er eine intelligente Geschichte, die nachdenklich stimmt. Die Autorin wirft Fragen auf, durchleuchtet Themen differenziert, überlässt es jedoch ihrem Publikum, Antworten zu finden. Besonders spannend wird die Handlung dadurch, dass über eine lange Strecke hinweg auch für den Leser nicht klar ist, ob Trixie wirklich vergewaltigt wurde, oder ob sie das nur behauptet, um sich an Jason zu rächen. So ist es nachvollziehbar, dass Trixies mittelbares und unmittelbares Umfeld sich spaltet, die Presse das Thema ausschlachtet und sowohl Jason als auch Trixie kräftig einstecken müssen.

Dabei ist Trixis potentielle Vergewaltigung nur ein Thema, das behandelt wird. Daneben beschäftigt sich die Autorin auch damit, inwiefern wir auch Jahre später noch von unserer eigenen Vergangenheit gejagt werden können, selbst wenn wir inzwischen ein ganz anderes Leben führen, und welche Folgen Ehebruch auf eine intakt scheinende Liebesbeziehung haben können. Zudem webt Picoult einige Informationen zum Leben des Eskimo-Volks der Yup’ik ein. Das Vermögen der Autorin, mehrere, auch gegensätzliche Sichtweisen, nachvollziehbar darzustellen, macht auch den Reiz dieses Romans aus. Anzurechnen ist Picoult auch, dass sie nicht davor zurückgescheut ist, über das heutige Sexleben von 13- und 14-Jährigen zu schreiben. Es geht schon lange nicht mehr nur ums Händchenhalten, sondern oft auch um Sex, Partyspiele und Drogen.

Das letzte Viertel des Romans, in dem die Autorin einen Bogen zur Vergangenheit von Trixies Vater schlägt, ist deutlich weniger spannend als die ersten drei. Das ist etwas bedauerlich, denn wenngleich Picoult dadurch ein abruptes Ende vermeidet, kann der langsame Ausklang nicht mit dem brisanten Beginn und Mittelteil mithalten. Ein nettes Extra sind einige Comicseiten, die in den Roman mit eingebunden sind (Trixies Vater, aus dessen Sicht der Roman hauptsächlich erzählt wird, ist Comic-Zeichner). Das Buch würde aber auch problemlos ohne sie auskommen.

Insgesamt ist "Schuldig" sicher nicht der beste Jodi Picoult-Romane. Aber es ist eben ein Jodi Picoult-Roman, und damit immer noch wirklich gut!

Eine Leseprobe findet man auf der Website des Verlages.

Christian Handel



Hardcover | Erschienen: 1. Februar 2011 | ISBN: 9783492050302 | Originaltitel: The Tenth Circle | Preis: 19,95 Euro | 416 Seiten | Sprache: Deutsch

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