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 Shadows of the Damned


Cover
Gesamt +++++
Action
Aufmachung
Bedienung
Bildqualität
Brutalität
Humor
Spannung
Ton
Reboot-Wahn und HD-Neuauflagen, Weltkriegsshooter Nr. 326 und der zigste "God of War"-Verschnitt, jährlich wiedergekaute Spielereihen und geklont wirkende RPGs von der Stange: Der Konsolenzocker von heute kommt sich häufig vor, als sei er in der auf Wiederholung getrimmten Entwickler-Warteschleife vergessen worden. Es braucht schon eine auf Disc gepresste Kreativgranate wie das jüngst erschienene "Shadows of the Damned", um einem mal vor Augen zu führen, wie abgestumpft die Gaming-Welt geworden ist. Für diesen Wachrüttler kann man Publisher EA, der ja ansonsten auch ganz gerne auf der Allerweltswelle reitet, schon vorab gar nicht genug danken.

Eine höllische Liebesgeschichte
Die Entwickler-Profis Suda51 ("No More Heroes") und Shinji Mikami ("Resident Evil"-Serie) von Grasshopper Manufacture haben sich für diesen Titel einige Besonderheiten einfallen lassen zunächst aber zur Handlung, die noch eher gediegen daherkommt. Garcia Hotspur, seines Zeichens durchtrainierter, tätowierter Damonenjäger und Latino-Macho vom Dienst, ist mächtig sauer: Der Dämonenherrscher Fleming hat sich Garcias Liebste Paula gekrallt und mit in die Unterwelt genommen. Doch da hat er sich mit dem Falschen angelegt, denn Garcia folgt Fleming in die höllischen Gefilde, um Paula mit mächtig dicker Lippe und noch fetteren Wummen zu befreien

Knochige Helferlein
Dämonen und deren Jäger, böse Bösewichte und Kanonen, um sie das Fürchten zu lehren so weit, so konservativ. Der Spieler darf sich also nach dem Intro in gewohnter Third-Person-Perspektive auf die Suche nach Paula machen. Immer an seiner Seite: Johnson, der sprechende Totenschädel, der sich in verschiedene Knarren verwandeln kann, die sich im Laufe des Spiels auch noch upgraden lassen. Knochiges Material ist in der Dämonenwelt allgemein nicht sonderlich beliebt, was natürlich Auswirkungen auf die Wahl der Munition hat: Während der "Boner" (Kalauer durchaus beabsichtigt), die Standardwaffe, mit Knochensplittern bestückt wird, schleudern der "Teether" Zähne und der "Skullcussioner" gleich ganze Schädel um sich. Nicht dass das einen Unterschied machen würde: Der "Boner" entspricht dem zielgenauen Revolver, der "Teether" ist eine Art Maschinengewehr, und den "Skullcussioner" darf man sich als durchschlagkräftige Pumpgun vorstellen. In der aufgemotzten "Skullblaster"-Variante kann letzterer auch explosive Geschosse abfeuern.

Wer hat Angst vor der Dunkelheit?
Spielerisch wesentlich relevanter ist der Unterschied zwischen Helligkeit und Dunkelheit: Im Dunkeln ist mit Dämonen schlecht munkeln, macht sie die meisten von ihnen doch unverwundbar. Die Fieslinge versuchen also, das Licht zu vertreiben; Garcia dagegen benutzt seinen Lichtschuss, um es hell werden zu lassen und zwar mit Hilfe von herumhängenden Lampen oder Ziegenköpfen, die laut Johnson doch bei jedermann als Hüter des Lichts bekannt seien. Der Spieler wird sie jedenfalls häufig brauchen, um der Finsternis Einhalt zu gebieten, die zu allem Überfluss auch Garcias Gesundheit schadet. Einfache Lichtschüsse können mit allen Waffen abgegeben werden; eine schädlichere Lichtexplosion lässt sich später im Spiel mit dem verbesserten "Hot Boner" auslösen. Im immer mal wieder aufkommenden Wettlauf um Licht oder Schatten kämpft sich der Dämonenjäger also durch fünf Akte mit unterschiedlich designten Levels, die Wumme immer im Anschlag, um am Ende Obermotz Fleming gegenüberzustehen. Gespeichert wird an festgelegten Speicherpunkten automatisch.

Zum Glück unter der Gürtellinie
Zugegeben: Gameplay und Handlung von "Shadows of the Damned" klingen abgesehen von den netten Hell-Dunkel-Spielereien und der Tatsache, dass man endlich in einem Third-Person-Shooter auch mal während des Laufens zielen kann, nicht sonderlich innovativ. Was das Game zu einer Perle macht, sind vor allem das Zusammenspiel der Charaktere und die vielen kleinen Einfälle, die Grasshopper Manufacture fast wie beiläufig einstreut. Die Dialoge zwischen Garcia und Johnson beispielsweise, die mal in Zwischensequenzen, mal während des Spiels ablaufen, triefen vor coolen Sprüchen, dummen Witzen und übertrieben sexistischem Macho-Gehabe. Auch wenn dabei nicht jeder der zotigen Oneliner zündet, so gibt es doch zwischen vielen Schmunzlern immer wieder den einen oder anderen Brüller, den man so schnell nicht vergessen wird. Vor Waffen wie dem später auftauchenden "Big Boner" macht die konsequent abgefahrene Gagparade nicht halt und auch Garcias Freundin Paula läuft passend zum überzogenen Machismo ihres Lovers in weißer Reizwäsche auf. Lobenswert: Anstatt mit Blick auf die politische Korrektheit das Dauer-Augenzwinkern aufzusetzen, zeigt "Shadows of the Damned" der gekünstelten Selbstironie den Mittelfinger, sodass man sich fast in ein derbes B-oder C-Movie zum Mitspielen versetzt fühlt. Reflexhafte Weichspülerei kommt bei Garcia "Fucking" Hotspur nicht in die Tüte ganz im Sinne eines guilty pleasure ist hier erlaubt, was Laune macht.

Die Welt, wie sie Dämonen gefällt
Die Levels, durch die Garcia auf der Suche nach Paula durchstreift, sind zwar sehr linear konzipiert, dafür aber grandios gestaltet. Zum Repertoire gehören neben düsteren, mittelalterlich anmutenden Stadtlevels und gruseligen Katakomben auch in Neonlicht getauchte Vergnügungsviertel, abgedrehte Traumsequenzen und schließlich Flemings schleim- und bluttriefender Turm. Und gerade wenn man meint, jetzt alles gesehen zu haben, verwandelt sich das Spiel plötzlich in einen 8bit-Sidescroller mit Uraltoptik, der das Spielprinzip von "Shadows of the Damned" für ein paar Abschnitte auf den Kopf stellt. Dämonische Türschlösser lassen sich mit herumliegenden Erdbeeren (!) bestechen, ein Diamanten fressendes Monster verdingt sich als Waffenhändler, Garcias Gesundheitsbalken lässt sich durch den Genuss von harten Alkoholika wieder auffüllen die Aufzählung könnte noch fortgeführt werden, doch eines ist klar: Schräge Ideen und unkonventionelle Späße bietet das Game im Überfluss, was man im Einerlei der üblichen Horrorspiele nicht hoch genug schätzen kann.

Nur nicht schwächeln!
Während das farbenfrohe Leveldesign geschickt von der etwas betagten Grafik ablenkt, ist die Animation des Hauptcharakters nicht ganz so gut gelungen seine Bewegungen wirken dezent hölzern. Auch die bisweilen etwas sperrige Steuerung kann man mokieren, weil sie dazu führt, dass man in schnell ablaufenden Sequenzen beispielsweise wenn man von der von Dämonen besessenen Paula gejagt wird manchmal nicht präzise genug navigieren kann. Letztlich tut das dem Spiel aber keinen Abbruch, Frust kommt höchst selten bis gar nicht auf. Was natürlich nicht heißt, dass das Spiel zu einfach wäre: Besonders die Endgegner sind schön fordernd und verlangen besonders auf den höheren Schwierigkeitsgraden einiges an Können und Geduld.

Fazit
Trotz der kleinen Schwächen bleibt "Shadows of the Damned" ein erfrischend respektloses Action-Horrorspiel für Freunde unangepasster Japano-Kost, bei dem man sich gruseln und, wenn man den Humor versteht und mag, auch herzhaft lachen darf. EA ist zu wünschen, dass diese mutige Veröffentlichung abseits des Mainstreams auch den entsprechenden Erfolg einfährt und sei es nur, damit Kreativität wieder zu einer ernstzunehmenden Maxime in Videospielen werden darf.

Marc Zeller



Konsolenspiel | Erschienen: 22. Juni 2011 | FSK: 18 | Originaltitel: Shadows of the Damned | PS3 | Preis: 54 Euro | für 1 - 1 Spieler | Untertitel verfügbar in: Deutsch, Englisch | Verfügbare Sprachen: Englisch

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