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 House of Night, Band 7: Verbrannt

Serie: House of Night, Band 7
Autoren: Kristin Cast, P. C. Cast
Übersetzer: Christine Blum
Verlag: Fischer

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Nach dem dramatischen Ende des sechsten Bandes der Serie "House of Night", "Versucht" war die Spannung auf den neuen Band dieser Reihe kaum auszuhalten. Um nichts von dieser Spannung zu verlieren, seien Leser, die die Reihe noch nicht bis zu diesem Band kennen, an dieser Stelle vor Spoilern gewarnt.

Die Katastrophe am Ende des letzten Bandes hätte kaum schlimmer sein können für die Jungvampyre aus Tulsa: Stevie Rae, die erste rote Vampyr-Hohepriesterin allein mit einer Horde blutdurstiger, roter Vampyrkids im House of Night; Zoey und die anderen in Italien, im verzweifelten Versuch, Kalona und Neferet aufzuhalten. Doch alles geht schief: Zoeys Seele zerbricht, als sie einen der Männer, die ihr am wichtigsten sind, nicht retten kann. Die einzelnen Teile ihrer Selbst gelangen ins Jenseits, und es gibt nur wenig Zeit, um sie zurückzuholen, bevor sie sich unrettbar verliert.

Stark, ihr Krieger, würde alles dafür tun, sie zu retten, doch er weiß nicht, wie genau er das anstellen soll. Dies versuchen er und die anderen Jugendlichen fieberhaft zu enträtseln. Dabei stoßen sie auf eine Legende, die älter ist als die Vampyre selbst. Trotzdem ist diese Legende so lebendig und aktuell wie nie - und um Zoey zu retten, muss sie wieder Wirklichkeit werden.

Stevie Rae hingegen hat zusätzlich zu ihrer zerbrochenen besten Freundin ganz andere Probleme: Da wären zum einen immer noch die bösen roten Jungvampyre, die zum Spaß gerne Pizzaboten aussaugen - Essen auf Rädern für Vampyre - und sogar vor einem Mordversuch an ihrer Hohepriesterin nicht zurückschrecken. Dazu kommt auch noch ihr "Jungsproblem", wie sie es nennt: Der süße Dallas ist furchtbar verliebt in sie, aber ihre Prägung zu Rephaim, Kalonas Sohn, ist nicht zu unterschätzen.

Ein wenig ist zu befürchten, dass diese Serie ewig weiter geht. Wenn weiterhin in jedem Band nur wenige Tage (dieses Mal etwa eine Woche) vergehen, dann dauert es noch einige Jahre, bis Zoey und ihre Freunde endich fertig mit Kalona und Neferet sind!

Die Geschichte langweilig zu nennen, würde es nicht direkt treffen, aber mit jedem Band werden mehr Schleifen in die Handlungsstränge geknüpft. Hoffentlich haben sich die beiden Autorinnen nicht in ihrem eigenen Labyrinth verlaufen und versuchen jetzt in immer neuen Bänden, doch noch den Ausgang zu finden.

Zoeys zerbrochene Seele verordnet ihr quasi eine Zwangspause. Tausende Leser werden erleichtert aufatmen: keine Heulereien wegen zu vielen attraktiven Männern, die sie verehren; keine komplizierten, unnötigen indianischen Begriffe mehr; keine hunderste Wiederholung der Frage, mit wem sie jetzt bloß rummachen soll. Das Buch präsentiert nur ein paar kleine Ausflüge zu ihr ins Jenseits, bei denen es hauptsächlich um Selbstfindung und Flucht geht. Das ist in Ordnung.

An ihrer Stelle tritt Stevie Rae jetzt stark in den Vordergrund (auch auf dem Cover des Buches). Aus ihrer Sicht werden weite Teile der Geschichte erzählt und manches, was vorher unklar oder merkwürdig erschien, macht jetzt perfekten Sinn. Es erweist sich als sehr guter Griff des Mutter-Tochter-Gespanns, Zoey (temporär?) in den Hintergrund treten zu lassen und endlich mehr auf die anderen Charaktere einzugehen. Denn auch Rephaim und Stark erhalten mehr Raum, als Männer und Beschützer ihrer persönlichen Hohepriesterin. Sogar Kalona wird fast menschlich. Seine Differenzen mit Neferet werden langsam unüberwindbar und bald wird sich entscheiden müssen, wer dieser beiden denn tatsächlich mehr Macht in sich vereint. Durch Zoeys Zustand wird noch ein weiterer Handlungsort eingeführt: Die Freunde reisen mit der leblosen Zoey nach Schottland, in der Hoffnung, hier Antworten auf ihre Fragen zu finden. Dort begegnen dem Leser weitere neue Charaktere.

Leider nimmt stilistisch die Qualität der Bücher immer mehr ab. Nach wie vor wird angestrengt versucht, Stevie Raes oder Kramishas Akzent ins Deutsche zu übertragen - ein Versuch, der nur Scheitern kann. Zudem nimmt auch die Qualität der Ausdrücke stark ab. So viele Wortwiederholungen, da möchte man den Autoren (oder der Übersetzerin) gerne ein Wörterbuch oder eine Synonymsammlung in die Hand drücken. Kaum zu glauben, dass Dallas tatsächlich in jedem zweiten Satz das Wort "Mädel" in den Mund nimmt, oder dass es Stark irgendwann nur noch um "Ehre, Ehre, Ehre" geht. Im Austausch dafür wurde aber darauf verzichtet, die Seelenverwandtschaft der Zwillinge oder das Verliebtsein von Jack und Damien hunderte Male zu betonen. Unter diesem Gesichtspunkt ist "Mädel" ein kleiner Preis.

"Verbrannt" wirkt wie ein Lückenfüller in der Serie. Wäre Zoeys Seele im letzten Band nicht zersprungen, hätte man sich alles an diesem Band sparen und im nächsten innerhalb eines Kapitels behandeln können. So liegt aber wieder ein neuer Wälzer auf dem Couchtisch, der gelesen werden muss, es aber stellenweise einfach nicht verdient! Hoffentlich kann der nächste Band wieder mit der Serie versöhnen.

Anja Thiemé

Probe


Hardcover | Erschienen: 12. August 2011 | ISBN: 9783841420077 | Originaltitel: Burned | Preis: 16,95 Euro | 416 Seiten | Sprache: Deutsch

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