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 H.R. Giger's Vampirric: Der Horla


Cover
Gesamt +++++
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Ein anscheinend gutsituierter Mann lebt in einem schönen Haus auf dem Lande. Er genießt sein Leben und die Natur, die ihn umgibt. Doch plötzlich verliert er nach und nach immer mehr an Lebensfreude, ja gar an Lebenskraft. Morgens erwacht er wie gerädert. Erst vermutet er eine Krankheit, doch im Laufe der Zeit ist ihm, als sauge wirklich etwas die Lebensenergie selbst aus ihm heraus. Verliert er seinen Verstand? Er stellt dem anscheinend unsichtbaren Besucher Fallen, um herauszufinden, ob dieser wirklich existiert. Und wirklich, Buchseiten blättern sich von alleine um, Blumen in seiner Umgebung knicken ab und andere seltsame Dinge geschehen. Also schwindet offenbar nicht sein Verstand, sondern es scheint wirklich ein unbekanntes Wesen in seinem Haus zu leben. Ein weiteres Indiz dafür ist, dass es ihm während eines Paris-Urlaubes besser geht und er erst wieder leidet, als er nach Hause zurückkehrt.

Seine Nerven werden mehr und mehr zerrüttet. Allgemein sinkt die Stimmung im Hause, denn auch die Dienerschaft leidet unter merkwürdigen Geschehnissen. Schließlich teilt das unsichtbare Wesen dem Hausbesitzer seinen Namen mit. Es ist der Horla. Und wenig später erfährt der Mann aus der Zeitung, dass es angeblich in Südamerika in einzelnen Regionen zu Panik unter der Bevölkerung kommt, es wird von unsichtbaren Wesen berichtet. Die Geschehnisse klingen stark nach dem, was ihm selbst passiert. Und nun erinnert er sich an den Moment, in dem er vor nur wenigen Wochen voller geradezu kindlicher Unbefangenheit einem Frachter aus eben jenem fernen Südamerika zugewunken hat. Welch perfide Ironie.

Also existiert der Horla wirklich. Und er ist hier, bei ihm, in seinem Haus. Und er saugt ihm die Lebenskraft aus. Aber wie kann er den Horla fangen oder gar vernichten? Oder sind alle diese Dinge nicht doch nur Einbildungen eines kranken Hirns?

Bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine CD mit einer Laufzeit von knapp 78 Minuten. Es ist die vierte und leider wohl auch letzte Folge von H. R. Giger´s Vampirric. Das Cover hat wenig mit dem Inhalt zu tun, was aber auch am Thema liegt. Unheimlich genug ist es jedenfalls. Im Booklet gibt es leider nur Informationen zum Herausgeber H. R. Giger und nicht zum eigentlichen Autor Guy de Maupassant. Der übrigens in einer Irrenanstalt sein Leben aushauchte ... Die Originalgeschichte "Le Horla" erschien im Jahre 1887, übersetzt wurde diese Version von Walter Widmer.

Die Einleitung und das Vorwort spricht H. R. Giger persönlich. Welch ein Glück, dass er nicht auch der Sprecher der Geschichte ist, unheimlich klingt seine Stimme nun wirklich nicht. Außerdem spricht der gute Mann zu früh nach dem Ende das Outro; seine Stimme bringt einen doch arg raus aus der Spannung.
Gelesen wird die Geschichte von Torsten Michaelis, der als Synchronstimme von Wesley Snipes bekannt ist. Zuerst scheint die Stimme gar nicht so geeignet, aber je mehr der Protagonist des Romans unter dem Horla leidet (oder dem Wahnsinn verfällt), umso überzeugender und packender wirkt Michaelis' Stimme. Zeitweise erreicht er eine erschreckende Intensität.

Obwohl die Geschichte wohl Ende des neunzehnten Jahrhunderts spielt (Ort und Zeit sind aber eher nebensächlich und werden auch nicht genau benannt), ist die Sprache sehr flüssig und verständlich. Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt, was der Stimmung nur gut tut.

"Der Horla" ist sehr mitreißend und packend. Bis zuletzt weiß der Hörer eigentlich nicht, ob Wahnsinn oder der Horla hinter dem Schrecken stehen. Das macht sehr viel vom Reiz der Geschichte aus. Als es dem Mann noch gut geht, weiß die Geschichte mit sehr lebendigen Beschreibungen der schönen Umwelt zu gefallen. Doch im Laufe der Geschichte kippt die Stimmung, die Verwirrung und Angst des Mannes ist sehr gut wiedergegeben. Es gibt also einen langsamen Aufbau der Geschichte mit einem langen Schrecken zum Ende hin und einem großen, völlig überzeugenden Finale. Der Geschichte ist leicht zu folgen, da es nur einen Erzählstrang gibt und keine großen Ablenkungen.

Nicht nur wegen des guten Preis-Leistungsverhältnisses lohnt der Kauf dieser genialen Horrorgeschichte. H. P. Lovecraft soll sie übrigens geliebt haben ... Für Freunde des gepflegten Grusels und guter Horror-Hörbücher eine klare Kaufempfehlung.

Bernd Wachsmann



CD | Erschienen: 1. September 2004 | Laufzeit: 78 Minuten | Originaltitel: Le Horla | Preis: 7,50 Euro

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