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 Sagenkinder

Fantastische Erzählungen


Gesamt +++--
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Kurzgeschichtensammlungen haben es hierzulande schwer. Gerade im Fantasy-Genre, in dem entsprechende Romane gern einmal 800 Seiten und mehr umfassen, greifen die Leser offenbar lieber zu vielbändigen Zyklen als zu Anthologien. Folglich erscheinen die meisten Kurzgeschichten- und Novellensammlungen vor allem in Kleinverlagen. "Sagenkinder" zählt zu dieser Kategorie. Mit dem rund 260 Seiten starken Band eröffnet der frisch gegründete österreichische Verlag Mondwolf sein Programm.

Über hundertvierzig deutschsprachige Autoren reichten Geschichten ein, als der Verlag eine Ausschreibung zum Thema "Mitteleuropäische Sagengestalten" ausrief. Sechzehn Kurzgeschichten hat Herausgeberin Veronika M. Stix für die Anthologie ausgewählt. Die meisten Beiträge umfassen rund zehn Seiten und erzählen von Hexen und Wasserspeiern, Incubi & Succubi, Werwesen, Elfen, Zwergen, Basilisken und anderen Feenwesen. Schön ist, dass der Autor der jeweiligen Geschichte kurz vorgestellt wird und der Leser erfährt, wodurch sich der Verfasser beim Schreiben inspirieren ließ.

Da die Anthologie in einem noch sehr jungen Kleinverlag erschienen ist, verwundert es nicht, dass die Aufmachung in der Relation zum Preis eher spartanisch ausfällt. Das Papier selbst ist von ausreichender Qualität, der Buchumschlag hätte allerdings etwas stabiler und hochwertiger ausfallen dürfen. Er besteht aus dünner Pappe, die sich schnell abnutzt.

Die Geschichten selbst sind von durchwachsener Qualität. Sie alle stammen von Nachwuchs- bzw. eher unbekannten Autoren. Während einige durch professionellen Stil überzeugen, sind bei anderen Mängel im Aufbau und Erzählstil leider nicht wegzuleugnen. Mal sind sie dem Genre Urban Fantasy zuzuordnen, mal klassische High Fantasy. Einige Beiträge sind augenzwinkernd, andere tragisch und die eine oder andere versprüht kindlich-naiven Charme – wobei diese Beiträge nicht zwangsläufig von den jüngsten Autoren der Anthologie stammen. Daniel Zodls (geb. 1996) Geschichte "Basiliskenjäger" beispielsweise merkt man zwar an, dass sie aus der Feder eines noch jungen Nachwuchsautors stammt, dennoch überzeugt diese durchaus durch eine gut gelungene Spannungskurve. "Der Windname" von der zwei Jahre älteren Miriam Kraft zählt sogar zu den stärksten Geschichten der Anthologie und zeichnet sich nicht nur durch eine schöne Handlung, sondern auch durch einen wunderbaren Schreibstil aus. Ebenfalls lesenswert ist "Hexentrug", in der eine Hexe und der Berggeist Rübezahl aneinander geraten. Diese stammt von Vanessa Kaiser und Thomas Lohwasser, die für eine andere Kurzgeschichte jüngst den "Deutschen Phantastik Preis 2011" gewonnen haben. Diese Geschichten seien nur stellvertretend für die gelungenen Beiträge genannt, die, wenn man sie in ihrer Gesamtheit wohlwollend betrachtet, rund die Hälfte der Anthologie ausmachen. Die andere Hälfte der Beiträge lässt leider entweder stark zu wünschen übrig oder ist bisweilen sogar enttäuschend. Immerhin ist spürbar, dass die Herausgeberin wie auch die Autorinnen und Autoren mit Liebe am Werk waren, und das rettet dem Buch noch einen Stern.

Wer eine Sammlung randvoll mit guten bis sehr guten Kurzgeschichten sucht, wird hier leider nicht fündig. Wer jedoch gerne Kleinverlage und deutschsprachige Autoren unterstützt und etwas übrig hat für Kurzgeschichten über mitteleuropäische Sagengestalten, kann durchaus einen Blick in diese Anthologie werfen.

Christian Handel



Taschenbuch | Erschienen: 31. Oktober 2010 | ISBN: 9783950300208 | Preis: 12,63 Euro | 261 Seiten | Sprache: Deutsch

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