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 Chelo Lee, Band 1: Sternenwind

Autoren: Brenda Cooper
Übersetzer: Bernhard Kempen
Verlag: Blanvalet

Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Chelo war noch ein Kind, als der Krieg auf Fremont ausbrach, bei dem ihre Eltern das Leben verloren. Zusammen mit ihrem Bruder Joseph teilte sie mit vier weiteren Kindern dieses Schicksal. Die heute jugendlichen sechs Waisen aber sind anders, als die restlichen Bewohner der Sternenkolonie auf Fremont - sie verfügen über genetische Verbesserungen, die sie von ihren Eltern geerbt haben. Genau diese Veränderungen machen sie jedoch auch zu einem Streitfall in der Kolonie, denn sind sie erst erwachsen, stellen sie mit ihren Fähigkeiten für die ursprünglichen Menschen, die ohne besondere Kräfte auskommen müssen, eine lebensbedrohende Gefahr dar. Im zurückliegenden Krieg hatten deren Eltern schließlich mit bloßen Händen Menschen getötet, ohne dass diese eine Chance gehabt hätten. Aber die unveränderten Menschen siegten und von den "verbesserten" Menschen blieben nur die sechs Waisen, das im Dorf thronende, silbern glänzende Raumschiff "Neue Hoffnung" und eine einzige erwachsene genveränderte Frau, Jenna, auf Fremont. Jenna indes wird nur geduldet, da sie massive Kriegsverletzungen hinnehmen musste und zudem den Kontakt mit den Dörfern scheut und deren Grenzen vor Gefahren, wie beispielsweise wilden Tieren schützt.

Plötzlich aber erschüttern zwei Ereignisse das Leben der Kolonisten: Chelos Pflegeeltern verlieren bei einem Angriff einer Tatzenkatze ihr Leben und nur kurze Zeit später stürzt Alicias Freund, der zu den ursprünglichen Menschen gehört, beim gemeinsamen Klettern von einer Klippe. Alicia wird verdächtigt ihn getötet zu haben, was für sie, die ihn geliebt hat, natürlich völlig unmöglich gewesen wäre. In dieser unruhigen Situation entscheidet sich die Dorfgemeinschaft in Artistos, fünf der Kinder zusammen mit zwei unveränderten Menschen in die Wildnis des Planeten zu schicken, um dort mit ihren besonderen Kräften, die die Kolonie schützenden Datennetze zu reparieren, die bei einem Erdbeben beschädigt wurden. Überall dort draußen gibt es Überbleibsel der "Veränderten" ... für die Jugendlichen wird es eine Reise ins Ungewisse und zu ihren Ursprüngen.

"Sternenwind" ist der erste Band einer Reihe von Brenda Cooper, die auf den ersten Blick solide Science Fiction zu liefern scheint. Das Cover zeigt ein im Orbit eines Planeten stehendes Kolonieschiff, auch der Klappentext lässt einiges an Spannung vermuten. Und auch liest sich das Buch zunächst gut an, Spannung kommt bei den Beschreibungen der Kolonie und der sechs besonderen Bewohner auf. Auch gibt es eine interessante, ungewöhnliche und nicht immer ganz ungefährliche Fauna auf dem kolonisierten Planeten Fremont. Ein wenig erinnert das gesamte Setting mit den genverbesserten Jugendlichen an die X-Men, denn wie diese sind die jungen Leute eher gefürchtet, denn dass ihre Fähigkeiten als Segnung und Vorteil angesehen werden. Der nicht lange zurückliegende Krieg hat seine Spuren hinterlassen und sitzt den ursprünglichen Menschen weiterhin sehr stark in den Knochen.

So spannend dies bis hierhin klingt, geht es leider aber nicht weiter. Sobald die kleine Gruppe in die unbewohnten Bereiche auszieht, um dort die Datennetze zu reparieren, wird der Roman immer mehr ermüdend und farblos. Die gesamte Planetenumgebung wirkt trist und zerstört - vielleicht soll dieser Eindruck wirklich vermittelt werden - nur leider senkt dies hier den Lesespaß noch mehr. Während des Exkurses passiert praktisch nichts und wenn etwas geschieht, die Jugendlichen beispielsweise auf Spuren ihrer Vorfahren stoßen und mit Jennas Hilfe fremde Gerätschaften benutzen können, bleibt doch die gesamte Erzählweise recht träge und langatmig. Hin und wieder kommt das Gefühl auf, dass man die entsprechende Stelle schon gelesen hätte, da Beschreibungen und Situationen besonders bezogen auf die zwischenmenschlichen Themen, sich wiederholen und wiederholen. Auch Liebhaber ruhiger Storys werden hier Probleme mit dem Dranbleiben bekommen.

Eine Möglichkeit aber gibt es, den Roman doch wieder in recht gutem Licht dastehen zu lassen: Der einfache Schreibstil und die jugendlichen Protagonisten lassen auf einen Jugendroman schließen, der wunderbar die Entwicklung derselben darstellt und sich sehr kritisch mit den in der kleinen Koloniegesellschaft entstehenden Vorurteilen beschäftigt. Dystopische Elemente machen die Story daher wiederum interessant, nur ist der Stil eher einfach und daher viel besser für den Jugendsektor geeignet. Wird das Buch unter dieser Prämisse gelesen, kann es sicher begeistern, wenn die Geschichte auch ruhig ist. Und zum Ende hin gibt es sogar noch Überraschendes.

Etwas farblos und leider an der Zielgruppe vorbei - wird es aber von vornherein als Jugendbuch eingestuft, kann es durchaus Spaß machen und bietet eine interessante, gesellschaftskritische Story.

Sandra Wiegratz

Probe


Taschenbuch | Erschienen: 15. August 2011 | ISBN: 978-3442267996 | Originaltitel: The Silver Ship and the Sea | Preis: 8,99 Euro | 512 Seiten | Sprache: Deutsch

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