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 John Sinclair, Folge 71: Der Mann, der nicht sterben konnte


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Russland im Jahr 1908: In der sibirischen Region Tunguska gibt es eine gewaltige Explosion, die scheinbar von einem Meteoriten verursacht wird, und alles Leben im nahen Umkreis vernichtet. Nur der Pelztierjäger Fjodor Rankin kommt durch Glück mit dem Leben davon - doch das Ereignis hat ihn verändert ...
London in der Gegenwart: John Sinclair und Lady Sarah Goldwyn bekommen durch Zufall einen Bombenanschlag auf den Earl of Rankin mit. Misstrauisch verfolgt der Geisterjäger die Spur des Attentäters, der ein seltsames Amulett trägt.

Das ist es also: das erste Sinclair-Hörspiel des neuen Produktionsteams um Dennis Erhardt. Seitdem bekannt geworden war, dass sich Veteran Oliver Döring, der die Serie seit ihrem Beginn betreut hat, zurückziehen wollte, haben die Fans gespannt auf den Einstand seines Nachfolgers gewartet. Ein altes Sprichwort sagt, dass neue Besen gut kehren.
Was als erstes auffällt, ist das veränderte Intro. Wo früher der Fokus der einführenden Erzählung auf Sinclair als Sohn des Lichts lag, ist nun dessen Silberkreuz in den Mittelpunkt getreten, was angesichts der bald bevorstehenden Vertonung der Kreuztrilogie sicher kein Fehler ist. Die neue Titelmelodie dagegen kann nicht so recht überzeugen. Es ist zwar weiterhin Hardrock, allerdings wesentlich verspielter und heller als früher, was nicht so recht zu Sinclair passen mag. Weitere Veränderungen umfassen eine neue Orts- und Zeitansage, die nun mit Gongschlägen anstelle des Telegrafenpiepens auskommt, sowie einen Wechsel der Erzählerstimme. Man wird abwarten müssen, ob Alexandra Lange-Baehr Joachim Kerzel auf Dauer das Wasser reichen kann, ihren Einstand zumindest macht sie nicht schlecht.

Nun zur Geschichte selbst: Dennis Erhardt hat gut daran getan, als erstes keine Geschichte mit Dr. Tod, Asmodis oder Wikka zu vertonen, sondern sich einen Einzelroman ohne große Bedeutung für die diversen längeren Erzählstränge auszusuchen. Da stört es auch nicht, dass "Der Mann, der nicht sterben konnte" in der Heftromanreihe chronologisch vor dem Jane-Collins-Zweiteiler angesiedelt ist. Der Plot weicht insofern von einer Standard-Sinclair-Geschichte ab, als dass diesmal kein offensichtlicher Dämon oder eine andere Kreatur der Dunkelheit im Mittelpunkt steht. Fjodor Rankin ist weiterhin ein Mensch, wenn auch mit besonderen Fähigkeiten, deren genaue Herkunft jedoch nicht geklärt wird. Genau darin liegt auch die große Stärke der Geschichte. Rankin ist kein Gegner, der nach Schema F besiegt werden kann.

Bei der Adaption der Romanvorlage hat sich Erhardt - wie schon Döring vor ihm - die Freiheit genommen, einzelne Handlungsstränge abzuwandeln oder komplett wegzulassen, um die Geschichte runder und stringenter zu machen. Auch die KGB-Agenten des Originals fielen der Schere zum Opfer, um der Haupthandlung mehr Platz einräumen zu können. Lediglich beim Finale hätte sich Erhardt noch stärker von der Vorlage lösen können, da hier einige unlogische oder zumindest schwer nachzuvollziehende Elemente enthalten sind. Es ist zwar schön, dass John Sinclair mal wieder den Bumerang einsetzt, aber die Umsetzung wirkt nicht ganz schlüssig.

"Der Mann, der nicht sterben konnte" wurde als erstes Sinclair-Hörspiel des neuen Produktionsteams mit Spannung erwartet. In verschiedenen Foren und Rezensionen kam heftige Kritik an den Veränderungen, die Dennis Erhardt am Gesamtbild vorgenommen hat, auch die Wahl der Romanvorlage stieß auf Unverständnis. Der Autor dieser Rezension kann sich den Meinungen nicht anschließen. In seinen Augen ist Erhardt durchaus ein Achtungserfolg gelungen.

Einzelne Kritikpunkte wie etwa die neue Titelmelodie oder bestimmte Probleme mit der Ausführung des Finales sind zwar vorhanden, allerdings darf man nicht vergessen, dass Vorgänger Oliver Döring über elf Jahre Erfahrung aufbauen konnte. "Der Mann, der nicht sterben konnte" ist trotz allem eine Sinclair-Geschichte, die aus dem üblichen Muster ausbricht und es wert ist, vertont zu werden. Gerade bei einem Teamwechsel hätte in der Umsetzung wahnsinnig viel schief laufen können. Doch den ist hier nicht so, und auch die heftigen Kritiker sollten Erhardt auf jeden Fall ein oder zwei weitere Chancen geben, sich zu steigern. Aus dem Schatten Dörings zu treten, wird sicher noch etwas länger dauern.

Auf der Website von Lübbe Audio gibt es eine Hörprobe: "Der Mann, der nicht sterben konnte"

Markus Goedecke



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 20. Januar 2012 | ISBN: 978-3-7857-4550-2 | Laufzeit: 56 Minuten | Preis: 7,99 Euro | Sprache: Deutsch

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