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 Die drei Musketiere


Gesamt ++---
Action
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Frankreich im 17. Jahrhundert: Der junge König Louis XIII. (Freddie Fox) ist schwach und eine Politmarionette in den Händen des machthungrigen Kardinals Richelieu (Christoph Waltz). Dieser will mithilfe seiner intriganten Spionin Milady de Winter (Milla Jovovich) Frankreich in einen Krieg mit England stürzen, um Louis beseitigen und selbst nach der französischen Krone greifen zu können. Von alledem ahnt der junge D'Artagnan (Logan Lerman) aus der Gascogne nichts, als er in Paris eintrifft, um ein Musketier zu werden. Kaum angekommen, gerät er schon mit den drei Musketieren Athos (Matthew Macfadyen), Porthos (Ray Stevenson) und Aramis (Luke Evans) aneinander. Doch die Gefahr, die über Frankreich schwebt, schweißt die vier ungleichen Gefährten zusammen. Nur sie können Milady, dem Kardinal und seinem gewissenlosen Handlanger Rochefort (Mads Mikkelsen) das Handwerk legen und Europa vor einem Krieg retten

Regisseur Paul W. S. Anderson verbindet man nun wirklich nicht mit erhabenen Literaturverfilmungen, vielmehr steht sein Name für effekthaltiges wie seelenloses Spektakelkino mit Sinn für schmucke Actionchoreographien ("Resident Evil", "Alien vs. Predator", "Resident Evil: Afterlife"). Es ist daher nur nachvollziehbar, wenn man stutzig wird angesichts der Tatsache, dass unter der jüngsten Verfilmung von Alexandre Dumas' "Die drei Musketiere" sein Name prangt. Und wie nicht anders zu erwarten war, fechten sich die bekanntesten Musketiere der Literatur- und Filmgeschichte durch Explosionen, laute Scharmützel und inhaltliche Leere alles hübsch modernisiert und zeitgemäß in 3D produziert.

Welches Potential die gefühlte 259. Leinwandadaption von Dumas' historischem Roman dabei verschwendet, ist nicht zu übersehen. Anderson wirft spielerisch-unbekümmert allerlei Elemente des klassischen Abenteuerfilms in einen Topf geheime Schatzkammern und heimtückische Fallen inklusive und rührt den Popcornkino-Brei mit Modernisierungen um, die dem Film überraschend gut zu Gesicht stehen. Das gilt vor allem für die Luftschiffe, mit denen die Musketiere und ihre Feinde sich am Himmel über Frankreich spektakuläre Verfolgungsjagden liefern und auch mal mitten in Paris "auf Grund laufen". Die Darsteller der drei Musketiere mit Matthew Macfadyen ("Die Säulen der Erde"), Ray Stevenson ("King Arthur") und Luke Evans ("Krieg der Götter") weitgehend unbekannte und unverbrauchte Gesichter sind nicht unsympathisch und bemühen sich sichtlich, den Film am Laufen zu halten, werden aber von Christoph Waltz ("Inglourious Basterds", "The Green Hornet") als herrlich süffisanter Kardinal in die Tasche gesteckt. Auch über Mads Mikkelsen ("Casino Royale", "Walhalla Rising") kann man kaum böse Worte verlieren, er spielt seinen Rochefort so skrupellos und schurkisch, wie es ihm das auf ein jugendliches Massenpublikum ausgerichtete Drehbuch nun mal erlaubt. Die wahren Hauptdarsteller sind aber die beeindruckenden Schauwerte, die der Film en masse auffährt: Die bezaubernden Kostüme, die prachtvollen Schlösser und Altstädte Bayerns und die teils imposanten Totalen machen fraglos den größten Anteil am Spaß beim Zuschauen aus. Und mag die Filmmusik von Paul Haslinger ("Underworld", "Shoot 'Em Up") auch nicht überragend sein, die Hochglanz-Optik des Films unterstreicht sie allemal treffend.

Keine Frage, "Die drei Musketiere" hätte eine freilich wenig anspruchsvolle, aber zumindest mitreißende und damit alles andere als überflüssige Neuinterpretation von Dumas' Roman werden können und gleichzeitig einer der wenigen besseren Filme des Regisseurs, neben "Resident Evil" und "Event Horizont". Doch bei all den prächtigen Zutaten, die Anderson zur Verfügung standen, will sich kaum angenehme Kurzweil einstellen. Dies ist vor allem Andersons Wille zuzuschreiben, seinen Film völlig auf die "Popstars"-Generation als Zielgruppe abzustimmen: laut, peppig, cool und ohne viel Blut, dafür aber nach Vorbild von Jerry Bruckheimer und Michael Bay mit eintöniger Popmusik unterlegt konkret mit einer kitschigen Ballade von Take That, mit welcher der Film ausklingt (und die im Kino sogar von der Band vor Filmbeginn angekündigt worden ist in eye-popping 3D, of course). Michael Bay mag in "Transformers" noch gut damit gefahren sein, den Abspann mit Linkin Park zu "veredeln" ein Mantel-und-Degen-Actioner mit Take That als Credits-Chor ist aber nun wirklich eine Spur zu peinlich. Auch vermögen es die überraschungsarme Story und der auf Teufel komm raus gelackte Blockbuster-Look nicht wirklich, den Zuschauer bei der Stange zu halten; dem Film will einfach kein Spannungsaufbau glücken, auch hat er keine erinnerungswürdigen Momente, die einem über den Abspann hinaus im Gedächtnis bleiben. Daran können weder die barocke Ausstattung noch die durchaus ansehnlichen Fecht- und Actionchoreographien etwas ändern.

Der endgültige Genickbruch des Films ist aber gecasteter Natur: Mit "Percy Jackson" Logan Lerman als D'Artagnan wollten die Produzenten ihrem Film offensichtlich einen Bonus beim Teenie-Publikum verschaffen, doch als blasse wie vorwitzige Mantel-und-Degen-Lusche nervt Lerman letztendlich nur. Und was Milla Jovovich betrifft: Anderson sollte endlich jene Klausel in seinem Ehevertrag lösen, die ihn offenbar dazu zwingt, seine Gattin in jedem seiner Filme unterzubringen. Natürlich ist Jovovich keine Charaktermimin, ist sie auch nie gewesen. Und schließlich muss man ja auch nicht die Qualitäten einer Meryl Streep sein Eigen nennen, um Zombies gehörig ihre untoten Hintern versohlen zu können. Aber was sie in "Die drei Musketiere" abliefert, ist zweifellos die unterirdischste Darstellung ihrer Karriere und eine Fehlbesetzung wie aus dem Bilderbuch. Wenn man zu viel Zeit unter Zombies verbringt, wird man offensichtlich selbst zu einem solchen

Vermag der Film nun wirklich nicht zu Lobeshymnen zu verführen, die Blu-ray Disc tut es. Wie nicht anders zu erwarten war, bringt Constantin Film ein technisch herausragendes Produkt auf den Markt: Das AVC-kodierte Bild ist mit satten Farben, erstklassiger Bildschärfe, brillanter Detailwiedergabe und tollem Schwarzwert ein Fest fürs Auge und liefert in einigen Einstellungen eine Plastizität, die auch ohne 3D-Brillen nicht selten einen ordentlichen Tiefeneffekt hervorruft; als High-Def-Demonstrationsmaterial perfekt geeignet, um Blu-ray-Skeptiker eines Besseren zu belehren. Auch der kristallklare HD-Ton verdient die Höchstnote, hier wurde perfekt zwischen Dialogen, Musik und Umgebungsgeräusche abgemischt. Besonders eindrucksvoll gestalten sich die Kampfszenen über den Wolken, hier krachen die Kanonen der Luftschiffe in High Definition, dass es eine Freude ist. Das Bonusmaterial liegt vollständig in HD vor (bei anderen Publishern keine Selbstverständlichkeit, bei Constantin Film erfreulicherweise die Regel) und bietet neben der obligatorischen Trailershow ein Making-of (ca. 23 Min.), einen Audiokommentar, interessante historische Informationen zu den Drehorten, geschnittene und erweiterte Szenen (ca. 16 Min.), ein Musikclip zu "When We Were Young" von Take That sowie Darstellerinfos. Wer noch mehr Bonusmaterial haben will, muss zur limitierten Blu-ray-3D-Premium-Edition greifen. Der Blu-ray Disc liegt ferner ein Wendecover bei.

Fazit:
Optisch imposanter und actiongeladener Versuch, das Mantel-und-Degen-Genre ins Zeitalter von "Transformers" und "Prince of Persia" herüberzuholen leider kein rundum geglückter, denn vor lauter Anbiederung an ein jugendliches Massenpublikum vergisst es der Film doch tatsächlich, Spannung aufzubauen. Wer unterhaltsame Leinwand-Degenkämpfe jüngeren Datums sucht, ist mit Martin Campbells "Die Maske des Zorro" eindeutig besser bedient.

Michael Höfel



Blu-ray Disc | DVD-Anzahl: 1 | EAN: 4011976321484 | Erschienen: 9. Februar 2012 | FSK: 12 | Laufzeit: 111 Minuten | Originaltitel: The Three Musketeers | Preis: 16,95 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch für Hörgeschädigte | Verfügbare Sprachen: Deutsch (DTS-HD High Resolution 5.1), Englisch (DTS-HD High Resolution 5.1), Audiokommentar (Dolby Digital 2.0)

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