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 Der ewige Krieg

Autoren: Joe Haldeman
Illustratoren: Mark Marvano
Übersetzer: Ute Eichler, Uta Schmidt-Burgk
Verlag: Carlsen

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Wie so viele vor ihm, begann der Krieg durch einen Angriff, der keiner war ...
Ende der 90er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt die Menschheit damit, sich im All auszubreiten und Planeten zu kolonisieren. Bis ein Schiff, das eine Gruppe von Bauern nach Rigel bringen soll, in der Nähe von Aldebaran im Sternbild Taurus einem scheinbaren Angriff zum Opfer fällt, der zugleich den ersten Kontakt mit außerirdischen Intelligenzen darstellt. Über eine Notmaßnahme erreicht diese Meldung die Erde am 10. September 2007. Sofort werden Maßnahmen ergriffen, sich gegen den außerirdischen Feind zu stellen. 50 jungen Männern und 50 jungen Frauen wird ihre hohe Intelligenz und Belastbarkeit zum Fluch, denn sie sind die erste Wahl - sie sollen in den Krieg gegen die feindlich gesinnten Tauren ziehen! Niemand kennt die Fähigkeiten dieser Wesen, niemand hat sie je gesehen, diese Hundert werden die ersten sein - wenn sie es denn so lange überleben. Denn schon das Trainingslager auf Charon verzeiht keinen noch so kleinen Fehler. So hat das Team schon einige Mitglieder verloren, als es nach dem Training über das Stargate nach Aleph gelangt, wo es zum ersten Zusammentreffen mit den Tauren kommt. Es artet zu einem Blutbad aus, denn die irdischen Soldaten wurden per "Knopfdruck" auf Hass konditioniert. Auch wenn einige Menschen den Kampf überlebt haben, wie sollen sie mit dem Wissen leben, 500 Individuen regelrecht dahingeschlachtet zu haben? Und dies ist erst der Beginn ...

1974 erschien Joe Haldemans dystopischer Roman "Der ewige Krieg" und gewann prompt den Hugo und den Nebula Award. Haldemans Anti-Kriegsroman hat schon längst den Status eines Klassikers der Science Fiction-Literatur erlangt, er selbst bezeichnet seine Story als "den Krieg anprangernd". Zurückgekehrt aus dem Vietnam-Krieg verarbeitet er in "Der ewige Krieg" seine grauenvollen Erfahrungen und setzt sie dabei in ein futuristisches Setting. Ende der achtziger Jahre (1988) veröffentlichte er gemeinsam mit Mark Marvano eine Comic-Adaption, die jetzt vom Carlsen-Verlag in einer Gesamtausgabe neu herausgegeben wurde.
Eines vorweg: Joe Haldemans Stoff altert nicht! Stilistisch erinnern die Illustrationen Marvanos zwar an die achtziger Jahre, jedoch passt genau dieser unaufgeregte, eher detailarme Strich zu der überaus bedrückenden Story. Fast als sachlich können die Zeichnungen betitelt werden, bunte schockierende Bilder hätten dem Comic keineswegs gut getan. So wie er ist, ist er gut, sehr gut, herausragend gut und dabei niemals effektheißerisch. Marvanos Bilder haben genau daran einen bedeutenden Anteil.

Trotzdem bleibt die Geschichte bedrückend, die zerstörerische Wirkung auf die Menschen, die in die Soldatenrolle gedrängt wurden, ist schockierend. Dieser Stoff eignet sich nicht als Entspannungsprogramm für einen fröhlichen Nachmittag. Vielmehr empfiehlt es sich, zwischen den drei Büchern, in die der Comic eingeteilt ist, Pausen einzulegen. Pausen zum Nachdenken, Sacken lassen, Trauern, Wiederauftauchen in die eigene Welt und leider auch, um Parallelen zur Realität zu ziehen. Haldemans Dystopie ist viel mehr als nur Fiktion.
Die Entfremdung zu den geliebten Personen, die ein Soldat zurücklassen muss, wird in "Der ewige Krieg" durch zeitliche Verschiebungen drastisch hervorgehoben. Vergehen bei den Reisen im All nur wenige Monate, sind es doch viele Jahre auf der Erde. So wird deutlich, welche Erlebnisse ein Mensch wohl von einer Kriegsfront mitbringt und wie groß dadurch die Kluft zu den Daheimgebliebenen und eigentlich doch so sehr geliebten Personen wird. Die Schmerzen müssen unermesslich sein. Nur ein winziger Teil kann dabei durch eine solche Geschichte auf den Leser und Betrachter übertragen werden, aber dieser ist so eindringlich, dass er erschüttert. Ein Buch wie dieses visualisiert als Comic zu sehen, macht das Erlebnis nicht leichter und setzt dem Meisterwerk ein weiteres Denkmal.

Neben der Comic-Umsetzung leiten einige Tagebuchseiten mit Originalkriegsfotografien des Autors den Band ein. Der Abdruck mehrerer Briefe, die sich Autor und Illustrator per Fax schickten, beendet das Buch. Beides gibt der Geschichte einen würdigen und ansprechenden Rahmen, wie auch die hochwertige Verarbeitung des Bandes einer solchen Story würdig ist.

"Der ewige Krieg" ist ein generationsüberspannender Klassiker voller emotionaler Kraft. Manchmal nur in kleinen Happen einzunehmen, da das Erleben immens ist.

Sandra Wiegratz



Hardcover | Erschienen: 1. Dezember 2011 | ISBN: 978-3551783745 | Originaltitel: La Guerre Eternelle | Preis: 29,90 Euro | 168 Seiten | Sprache: Deutsch

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