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 Der Spieler

Autoren: Stephane Miquel
Illustratoren: Loic Godart
Übersetzer: Resel Rebiersch
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Alexej Iwanowitsch stammt aus einfachen Verhältnissen. Er unterrichtet als Hauslehrer die Kinder des Generals, welcher sich jedoch in einer schwierigen finanziellen Lage befindet. Daher residiert der General im Kreise seiner Familie sowie einiger Freunde in Roulettenburg, wo er auf das Ableben einer reichen Erbtante wartet. Ihr Vermögen würde ihn vor dem wirtschaftlichen Ruin retten und ihm die Zuneigung von Mademoiselle Blanche garantieren, der er hoffnungslos verfallen ist. Genauso aussichtslos verliebt sich auch Alexej in Polina Alexandrowna, der Stieftochter des Generals. Doch sie zeigt zunächst kein Interesse, stattdessen verspottet und instrumentalisiert sie ihn für ihre Zwecke. Sie verlangt von Alexej, für sie im Kasino zu spielen. Ein Spiel folgt dem anderen und so nimmt die Besessenheit ihren Lauf.

Fjodor Dostojewskis Roman "Der Spieler" aus dem Jahre 1866 trägt zum Teil autobiographische Züge. So zeichnet er ein authentisches und partikuläres Bild der Spielsucht, die ihn selbst gefangen nahm.
Durch Stephane Miquels und Loic Godarts freie Adaption wird Dostojewskis Klassiker in ein neues und modernes Gewand gehüllt: In eindringlichen Bildern wird eine beklemmend zeitlose Geschichte von finanziellen Nöten, Hingabe und Abhängigkeit neu erzählt. Hier zeigt sich, wozu eine Graphic Novel im Stande ist.
Die Publikation erscheint als Hardcover in einem handlichen Format und ist in einen Schutzumschlag gekleidet.

Erzählt wird die Geschichte aus Ich-Perspektive des Protagonisten Alexej Iwanowitsch, der immer tiefer in die Spielsucht absinkt, die allmählich sein Leben zerstört. Diese Entwicklung wird in drei Kapiteln veranschaulicht. Beginnend mit Alexejs ersten Kontakt mit dem Roulette, über erlebte Gewinne und Verluste, sowohl in Gesellschaft als auch allein, bis hin zur vollständigen Abhängigkeit, die von nun an stärker ist als alles andere; sogar stärker als seine Liebe zu Polina Alexandrowna. Dabei ist der Zeitpunkt seiner Unfreiheit nicht genau festzumachen, vielmehr ist es ein schleichender Prozess und plötzlich steckt er schon mittendrin. Aber der Leser stellt ebenso fest, dass nicht nur Alexej, sondern auch der General, Polina oder auch Mademoiselle Blanche verzweifeln oder bereits Qualen durchlebt haben; jeder auf seine Weise.

Die Adaption gibt ihr Bestes, schafft es aber nicht alle Fraglichkeiten aufzuklären. Unklar bleibt zum Beispiel, woher das Geld stammt, dass Alexej ganz zu Anfang mit nach Roulettenburg bringt, um die Familie des Generals zu unterstützen, bis deren finanzielle Kriese abgewendet ist. Immerhin stammt er nur aus einfachen Verhältnissen und wird das Geld selbst nicht besessen haben. Auch bleibt Alexejs Beziehung zu einigen Personen, wie dem Engländer Astley etwas unscharf. Einerseits scheint er diesen nicht besonders gut zu kennen, andererseits führen beide immer wieder Gespräche, die durchaus vertraulich und privater Natur sind.

Die Zeichnungen sind in einer Art Karikaturen-Stil gehalten, sodass die Charaktere nicht als anmutig oder bezaubernd bezeichnet werden können. Nebenbei enthalten die Darstellungen nur wenige Details, dafür konzentrieren sich diese auf das Wesentliche und sind alles andere als ausdruckslos. Ein Großteil der Illustrationen ist in warmen Ocker- sowie in kalten Blautönen eingefärbt. Diese verkörpern sowohl Rauschzustände, die Unwirklichkeit "alles ist möglich", wie auch die (innere) Einsamkeit, die trostlose und unbefriedigende Zeit danach sowie letztendlich das Wissen, alles verloren zu haben und doch machtlos zu sein.

Klar ist, dass auch die Adaption von Dostojewskis Klassiker nicht einfach zum schnellen Durchlesen gedacht ist. Vielmehr sollte sich der Leser Zeit nehmen, um die Illustrationen sowie die Texte in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Fazit: Präsentiert wird eine qualitativ hochwertige Edition, eines klassischen, literarischen Werkes in einem neuen Gewand. Eine plastische Schilderung über Hingabe, Obsession und der Erkenntnis, dass die Liebe nicht jedes Hindernis überwindet.
Zweifellos ist der individuelle Zeichenstil eine Geschmacksfrage, nichtsdestotrotz freundet sich der Leser allmählich mit diesem an. Wer sich bisher an noch keinen Dostojewski getraut hat, bekommt hier eine gute Gelegenheit, die Abgründe der menschlichen Psyche buchstäblich zu betrachten.

Auf der Verlagsseite gibt es eine Leseprobe.

Sarah Mehring



Hardcover | Erschienen: 1. Mai 2012 | ISBN: 9783868694437 | Originaltitel: Le Joueur | Preis: 19,80 Euro | 96 Seiten | Sprache: Deutsch

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