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 Du denkst, du weißt, wer ich bin

Autoren: Em Bailey
Übersetzer: Martina M. Oepping
Verlag: Egmont Ink

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Als eine neue Schülerin an Olives Schule kommt, schwankt sie zwischen Neugier und komplettem Desinteresse. Einerseits hält sie sich seit einigen Monaten komplett aus dem Kreis der anderen Schüler zurück und nimmt am alltäglichen Getratsche nicht teil, andererseits soll die Neue ihre eigenen Eltern umgebracht haben - wie spannend wäre es denn, wenn das stimmen würde! Als die Neue dann tatsächlich da ist, ist Olive zunächst enttäuscht: Miranda ist eine unscheinbare, graue Maus, die keine besonderen Geheimnisse zu haben scheint. Die Schüler könnten nicht überraschter sein, als ausgerechnet sie sich mit Katie, der ungekrönten Königin des Schulhofs, anfreundet. Allein Olive, die früher selbst Katies beste Freundin war, ist misstrauisch. Als Miranda Katie immer ähnlicher wird, während Katie selbst zusehends verblasst, vermuten Olive und ihre Freundin Amy ein übersinnliches Geheimnis um Miranda. Doch da Olive in der Schule als verrückt gilt, seit es vor einigen Monaten einen Zwischenfall gab, beginnt sie selbst an ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit zu zweifeln.

"Du denkst, du weißt, wer ich bin" schildert das Geschehen einiger Monate aus Olives Sicht. Sie selbst fühlt sich psychisch nicht stabil, seit der Vater die Familie verließ - wegen ihr, davon ist sie überzeugt. Auch ihre Therapeutin und ihre Medikamente können sie nicht stabilisieren, ihr einziger Halt ist ihre Freundin Amy. Als eine neue Schülerin in ihre Klasse kommt, ist sie von Anfang an misstrauisch gegenüber dieser grauen Maus. Als die sich auch noch mit Katie, Klassenkönigin und Olives ehemalige beste Freundin, anfreundet, wächst Olives Misstrauen. Doch wegen ihrer Vergangenheit ist sie sich nicht sicher, ob sie wirklich Recht hat mit ihren Ängsten oder ob ihre Wahrnehmung ihr Streiche spielt.

Aus Olives Sicht erlebt der Leser sämtliche Ängste und Zweifel Olives mit, ohne genau zu wissen, woher diese rühren. Nur versteckte Hinweise auf dieses mysteriöse Ereignis, das Olives Leben so grundlegend veränderte, werden gegeben. Erst nach der Hälfte des Buches ist vieles klarer, doch dann geht die Geschichte erst so richtig los. Die Handlung ist zweigeteilt zu sehen: In der ersten Hälfte versuchen Olive und Amy herauszufinden, was mit Miranda nicht stimmt. In der zweiten Hälfte ist zwar klar, wer oder was sie ist, doch damit ist die Gefahr für Olive noch lange nicht gebannt. Auch die Spannung der beiden Hälften ist so unterschiedlich wie die Handlung selbst. Während im ersten Teil alles ein großes Rätsel ist und der Leser sich zum einen fragt, was Mirandas Geheimnis ist, während er zum anderen herausfinden möchte, was Olive so verstört hat, sind diese Fragen zu Beginn des zweiten Teils weitgehend geklärt. Ab da geht es nur noch darum, ob Olive die Kraft findet, mit beidem fertig zu werden. So ist die erste Hälfte ein durchaus spannender Mysteryroman, während die zweite Hälfte eine etwas andere Art der Coming-of-Age-Thematik behandelt. Der Autorin gelingt es, diese doch schweren Thematiken so in die alltägliche Welt der Jugendlichen zu übersetzen, dass Dialoge und Verhalten an keiner Stelle weit hergeholt wirken. Olives doch ungewöhnliche Probleme werden mit den üblichen Teenager-Themen so gut verwoben, dass Olive selbst wie ein Mädchen mit normalen Problemen wirkt, obwohl sie so viel schwereres Gepäck mit sich herumträgt.

Ein wenig Romantik lässt die Autorin natürlich auch einfließen, was wäre ein Roman um ein Teenagermädchen ohne Verliebtheit? Zum Glück hält sich dieser Teil im Hintergrund, ist aber dennoch berührend und romantisch. Zeitweise ist der betreffende junge Mann die sympathischste - und einzig zurechnungsfähige - Person der ganzen Handlung. Die übrigen Charaktere wirken ein wenig weit hergeholt. Das nicht allein durch die Übersinnlichkeit Mirandas, sondern auch durch Olives psychische Probleme und ihre Hirngespinste, bei denen sich der Leser fragen muss, warum sie niemals auf die Idee kam - oder von ihrer Therapeutin darauf gebracht wurde - einfach zu fragen. Dazu kommen Amy, die Freundin Olives, mit der auch nicht alles stimmt, und ein drogenabhängiger aufstrebender Rockstar. Nicht die klassische Besetzung eines in einer Kleinstadt spielenden Jugendromans.

Obwohl einige Zufälle und Auflösungen zu weit hergeholt und daher enttäuschend wirken, ist "Du denkst, du weißt, wer ich bin" wirklich spannend zu lesen. Die Übersinnlichkeit wird nicht in den Vordergrund gestellt, sondern bildet nur die Erklärung für die Handlung. Daher fehlen allerdings auch Details, die man sich wünschen würde, um tiefer in die Geschichte eintauchen zu können. Auch die Erklärungen für Olives Zweifel an ihrer eigenen Zurechnungsfähigkeit wirken nicht vollends glaubwürdig. Dennoch, ein gut zu lesender und spannender Mysteryroman für junge Mädchen. Vor allem die Aufmachung ist schön gelungen, ausnahmsweise erwartet den Leser keine Enttäuschung, wenn er den Schutzumschlag vom Hardcover entfernt.


Hier kann man in die ersten Seiten blättern.

Anja Thiemé



Hardcover | Erschienen: 9. Februar 2012 | ISBN: 978-3863960230 | Originaltitel: Shift | Preis: 17,99 Euro | 346 Seiten | Sprache: Deutsch

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