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 Der Nationalsozialismus im Film

Von Triumpf des Willens bis Inglourious Basterds


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der Nationalsozialismus ist stark verknüpft mit der Filmgeschichte. Die Nazis produzierten selber Bilder und Filme mit enormen Aufwand; mit nicht minder viel Aufwand wurden gleichzeitig Filme über die Nazis gedreht. Und bis heute wurde eine riesige Menge an Werken produziert, in denen der Nationalsozialismus präsent ist. Sonja M. Schultz hat in ihrem umfangreichen Buch "Der Nationalsozialismus im Film" die Geschichte dieser Präsenz nachgezeichnet.

Das 560-seitige Werk geht chronologisch vor. Bei den 1930er und 1940er Jahren beginnend, wird jedem weiteren Jahrzehnt ein Kapitel gewidmet. Die letzten beiden Kapitel behandeln die Zeit um und nach der Jahrtausendwende. Gerahmt wird dieser lange Text von einer Einführung und einem Fazit, in dem die Autorin zunächst ihre Konzeption darlegt und schließlich die Ergebnisse zusammenfasst.
In jedem Kapitel greift Schultz zunächst kurz vor und erläutert, wie sich ihr Gegenstand in dem jeweils behandelten Zeitraum entwickelt und zum vorangehenden verändert hat. Je nach Zeitraum werden dann ganze Genres vorgestellt oder die wichtigsten Filme analysiert. Stets spielen dabei auch historische und politische Rahmenbedingungen eine Rolle. Eine Änderung beispielsweise der staatlichen Erinnerungspolitik hatte auch immer Wirkungen auf die produzierten Filme.

Der Schwerpunkt der Arbeit liegt eindeutig auf der jüngeren Filmgeschichte. Die letzten beiden Kapitel machen fast die Hälfte des Buches aus. Die Autorin hat damit den Fokus vor allem auf neue und aktuelle Entwicklungen gelegt und sie historisch eingebettet. Diese Schwerpunktsetzung hat zur Folge, dass die Filmanalysen im hinteren Teil des Buches ausführlicher werden und die Diskussionen um neuere Filme umfassender dargestellt werden.
Schultz geht in jedem Kapitel außerdem auf eine Vielzahl von Ländern ein. Neben Deutschland spielen auch immer Ost- und Westeuropa, die USA oder Israel eine große Rolle. Die Entwicklungen in diesen Ländern werden ebenfalls oft vergleichend nebeneinander gestellt.

Fast zu jedem ausführlich beschriebenen Film gibt es Schwarz-Weiß-Aufnahmen, nahezu auf jeder Seite werden die Analysen und Urteile der Autorin durch Bildmaterial belegt. Im Mittelteil des Buches sind sich auf gut 30 Seiten Farbaufnahmen aus einer Fülle an Filmen abgedruckt. Im Anhang des Buches findet der Leser eine Filmographie mit allen erwähnten Filmtiteln nach Produktionsjahren sortiert sowie eine Bibliographie und einen Index.

"Der Nationalsozialismus im Film" von Sonja M. Schultz ist allein vom Umfang her das Ergebnis einer intensiven und umfangreichen Forschungstätigkeit. Die Vielzahl der angesprochenen Filme allein beeindruckt bereits beim ersten Durchblättern. Die Autorin hat eine solche Fülle an Filmen und Filmmaterial gesichtet, analysiert und geordnet, dass dieses Buch durch den Index ein Handbuch geworden ist, an dem kaum ein Cineast oder Filmwissenschaftler vorbei kommen dürfte.
Doch das Werk überzeugt nicht nur durch die schiere Menge. Auch die Qualität des Textes ist durchgängig gelungen. Das Programm der Autorin, die weltweite Entwicklung der filmischen Darstellung des Nationalsozialismus in den vergangenen 80 Jahren zu schreiben und zeitgeschichtlich einzubetten, gelingt in jedem Kapitel verständlich und nachvollziehbar. Dabei werden auch immer die Zusammenhänge zwischen den Kapiteln durch Verweise deutlich gemacht. So entsteht nicht nur eine lose Sammlung von Filmanalysen, sondern eine dicht geschriebene und komplex miteinander verwobene filmhistorische Abhandlung, die noch dazu durchweg auf einem hohen wissenschaftlichem Niveau bleibt und einen wunderbar lesbaren Stil durchhält. Allein dafür gibt es schon fünf Sterne.

Durch die konsequente Darstellung auch des historischen Hintergrundes, ein Beispiel dafür ist die ausführliche Darstellung der Wirkung und Diskussion der Wehrmachtsausstellung Mitte der 1990er Jahre, zeigt Schultz auch sehr erfolgreich, wie sehr Filme und ihre Konzepte von der geschichtlichen Situation beeinflusst sind. Das Buch ist nicht nur Filmgeschichte, sondern auch Zeitgeschichte.

Großartig und nicht selbstverständlich ist die Auswahl des Bildmaterials. Jedes Bild im Buch wird im Text benutzt und illustriert die Analysen und Urteile der Autorin. Jedes Bild hilft das Geschriebene zu verstehen. Der Anhang mit seiner hilfreichen Filmographie und dem Index ist gerade für diejenigen hilfreich, die das Buch fortan als Handbuch benutzen wollen.

Fazit: Ein großartig geschriebenes Buch auf hohem wissenschaftlichen Niveau, schön bebildert und mit einem enormen Umfang. Es ist jedem zum Kauf empfohlen!

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagswebsite.

Andreas Schmidt



Taschenbuch, | Erschienen: 3. Mai 2012 | ISBN: 978-3865053145 | Preis: 29,00 Euro | 560 Seiten | Sprache: Deutsch

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