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 Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel

Autoren: David Halperin
Übersetzer: Jörn Ingwersen
Verlag: Goldmann Verlag

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der dreizehnjährige Danny Shapiro hat zuhause schwer zu kämpfen: Seit seine Mutter herzkrank ist, bewegt die Familie sich nur noch auf Zehenspitzen durch das hellhörige kleine Haus. Der Vater, der Danny ohnehin kaum Beachtung schenkt und in seinem stillen, altklugen Sohn vor allem eine Enttäuschung sieht, weiß mit seiner kranken Frau nichts mehr anzufangen. Das Zusammenleben der zunehmend entfremdeten Familie ist fast unerträglich - deshalb flüchtet Danny sich in seine größte Leidenschaft: UFOs. Als der Teenager im Jahr 1962 ein UFO landen sieht, ist nichts mehr, wie es vorher war. Akribisch führt der Junge Tagebuch über die rätselhaften Ereignisse, die nun folgen und bald sein Leben bedrohen. Doch trotz all der phantastischen, angsteinflößenden, schrecklichen und dennoch faszinierenden Dinge, die Danny auf der Spur der UFOs begegnen, muss er irgendwann einsehen, dass er sich auch dem echten, realen Leben mit all seinen Widrigkeiten und Enttäuschungen stellen muss ...

Mit "Der Tag, an dem das UFO vom Himmel fiel" hat Autor David Halperin einen reizvollen, aber auch sperrigen Erstlingsroman vorgelegt, eine oft seltsam anmutende und sehr verschlungene Mischung aus Coming of Age und Sci-Fi. Längere Zeit lässt Halperin den Leser im Unklaren darüber, was hier wirklich passiert und was nur in Dannys überbordender Phantasie vor sich geht. Die Geschichte schlägt dabei viele Haken und spielt auf mehreren Zeitebenen, was zur zeitweiligen Verwirrung beim Lesen beiträgt.
Am stärksten ist Halperins Roman, wenn er seiner beziehungsweise Dannys Imagination freien Lauf lässt und das Buch sich wie ein düsterer, origineller Science-Fiction-Roman liest. Natürlich ist dem Leser klar, dass der dreizehnjährige Protagonist sich in seine eigenen, sehr spektakulären Welten flüchtet, weil ihm die Realität kaum Positives bietet, weil er einsam und gehemmt ist. Dennoch lässt man sich immer wieder hinreißen, Dannys Abenteuer als wahr hinzunehmen, so spannend, detailliert und fremdartig sind die Sachen, die dem Jungen nach der Entführung durch ein UFO zustoßen. Gleichzeitig sind die Erlebnisse immer auch ein Spiegelbild seiner Gefühle im realen Leben, über dem drohend der nahende Tod der Mutter schwebt. Immer fühlbarer wird der enorme Druck, der auf dem Jungen lastet: Sein bester Freund wendet sich von ihm ab, das Mädchen, das er begehrt, darf er nicht treffen, weil sie nicht wie er jüdisch ist und die Verbindung zu einer Christin seine Mutter sicher ihren letzten Rest Gesundheit kosten würde.

Halperins Roman besitzt trotz seiner phantastischen Elemente nicht den für Coming-of-Age-Stories oft typischen skurrilen Humor und die Leichtigkeit, im Gegenteil ist die Handlung eher von einem eher düsteren, deprimierten Grundton geprägt; alle Charaktere wirken weit älter als sie tatsächlich sind. Bisweilen sind die Zusammenhänge nicht einfach zu erkennen, der Roman sperrt sich manchmal geradezu gegen seinen Leser, vor allem im letzten Teil wirken die Erlebnisse hin und wieder rätselhaft. Erst ganz am Ende zieht Danny Shapiro den längst notwendigen Strich und legt offen, was wirklich geschehen ist und was nicht.

"Der Tag an dem das UFO vom Himmel fiel" ist manchmal verwirrend, phantastisch und gleichzeitig bedrückend real. Ein ungewöhnlicher, psychologisch tiefgründiger Roman mit bitterem Grundton und einer Befreiung am Ende, der sich zwar nicht jedem Leser erschließen wird, der aber insgesamt überzeugt. Obwohl Halperins Hauptfigur zu Beginn des Romans dreizehn Jahre alt ist, empfiehlt sich das Buch eher für ältere Leser ab etwa sechzehn.

Christina Liebeck

Probe


Hardcover | Erschienen: 27. August 2012 | ISBN: 978-3442312788 | Originaltitel: Journal of a UFO Investigator: A Novel | Preis: 19,99 Euro | 384 Seiten | Sprache: Deutsch

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