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 Das Ich des Autors

Autobiografisches in Filmen der Nouvelle Vague


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"Autobiografie im Film, zumal im fiktionalen, wurde bislang kaum in der Filmwissenschaft untersucht." Mit dieser Feststellung beginnt Pascale Anja Dannenberg ihre Studie "Das Ich des Autors. Autobiografisches in Filmen der Nouvelle Vague", welche im Wintersemester 2009/10 an der Philipps-Universität in Marburg als Dissertation angenommen wurde und nun im Schüren-Verlag veröffentlicht wurde.
Wie in dem oben genannten Zitat bereits ersichtlich wird, betritt Dannenberg mit ihrer Studie ein Forschungsfeld, das bisher weitgehend unbeachtet blieb. Dies führt dazu, dass Dannenberg nach dem einleitenden Kapitel zunächst einmal die Thematik "Autobiografie im Film" überblicksartig darlegt, wobei hier nicht nur auf den fiktionalen Spielfilm, sondern auch auf den non-fiktionalen Dokumentarfilm eingegangen wird. Erst im Anschluss daran fragt sie nach autobiografischen Kennzeichen in Filmen der "Nouvelle Vague", bevor sie auf dieser Grundlage folgende Spielfilme einer tiefergehenden Einzelanalyse unterzieht: "Les 400 coups" (Drehbuch: François Truffaut), "À bout de souffle" (Drehbuch: François Truffaut, adaptiert von Jean-Luc Godard) und "Le signe de lion" bzw. "Contes moraux" (beide Drehbücher: Éric Rohmer).

Gerade die Untersuchung dieser Filme lässt das zentrale Ergebnis der Studie zu Tage treten: Mit der "Nouvelle Vague" wird der "Autor als Erzähler" in den Film eingeführt, "der sich als subjektiv reflektierendes Bewusstsein bemerkbar macht über das Offenlegen des filmischen Erzähl-Konstrukts, etwas über eine eigenwillige Kameraführung, kleine in die Erzählhandlung eingefügte autonome Geschichten oder eine fragmentarische (widersprüchliche) Erzählung." Dadurch werde über den Film der "mentale Blick eines auteurs" offenkundig, so dass die Bilder des Films zu "wahren Imaginationen ihres Autor" werden. (Seite 260)

Überzeugend an der Studie ist zunächst einmal die engere Eingrenzung des Untersuchungsgegenstandes. Denn dadurch, dass mit der "Nouvelle Vague" der Autor in den Mittelpunkt rückte, sind die Filme dieser Filmbewegung geradezu prädestiniert, um eine erste Annäherung an die autobiografischen Einflüsse in Spielfilmen erkunden.
Eine klare Gliederung der Studie, die dem klassischen Aufbau einer Dissertation folgt, erleichtert hierbei das Verständnis. Dabei erweist sich insbesondere das der Untersuchung vorgeschaltete Kapitel "Autobiografie im Film" als besonders hilfreich, da hier grundlegende Aspekte der Selbstreflexion im Film problematisiert werden, was in der zustimmenswerten These gipfelt, dass sich gerade nicht der Dokumentarfilm, sondern vielmehr der Spielfilm für das autobiografische Erzählen eigne.

Zum Nachvollzug der Einzelanalysen sind insbesondere die kurzen Inhaltszusammenfassungen, welche am Ende im Rahmen der Filmografie angefügt wurden, äußerst hilfreich, um den Leser von inhaltlichen Schwierigkeiten zu entlasten. Bei den beiden zuletzt untersuchten Spielfilmen sind diese Inhaltszusammenfassungen sogar zwingend notwendig, da diese nicht in einer deutschen Fassung, sondern lediglich in der französischen Originalfassung verfügbar sind.

In diesem Zusammenhang muss zudem darauf hingewiesen werden, dass Französisch-Kenntnisse bei der Lektüre der Studie von Vorteil sind, da viele Zitate aus dem Umfeld der "Nouvelle Vague" im Original ohne Übersetzung eingefügt wurden.

Nicht zuletzt sollte sich der interessierte Laie auch bewusst sein, dass sich der Band grundsätzlich an Fachwissenschaftler aus den Bereichen Literatur-, Kunst- oder Filmwissenschaft richtet, so dass die Argumentation der Autorin nicht an allen Stellen ohne Vorkenntnisse nachvollziehbar ist. Da dies jedoch auch nicht von einem wissenschaftlichen Werk verlangt werden kann, muss ein anderer Maßstab angelegt werden: nämlich der Maßstab der wissenschaftlichen Überzeugungskraft. Und hier kann Pascale Anja Dannenberg punkten, da ihr eine solide Studie gelungen ist, die zustimmungswürdige Thesen und Ergebnisse zum Forschungsfeld (siehe oben) zu Tage fördert.

Eine Leseprobe bietet die Verlags-Website.

Matthias Jakob Schmid



Softcover | Erschienen: 9. Mai 2011 | ISBN: 978-3894727352 | Preis: 24,90 Euro | 284 Seiten | Sprache: Deutsch

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