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 Der Atlantik

Biographie eines Ozeans

Autoren: Simon Winchester
Übersetzer: Michael Müller
Verlag: Knaus

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Im Norden vom Polarkreis und im Süden von Kap Hoorn begrenzt, trennt der Atlantik die gewaltigen Landmassen Nord- und Südamerikas von jenen Europas und Afrikas. Er bedeckt ein Fünftel der Erdoberfläche und weist ein durchaus gesetztes Alter auf: Vor annähernd 200 Millionen Jahren zeigten sich im Superkontinent Pangäa "Sprünge", Wasser drang ein, und die heutigen Kontinente formierten sich im Verlauf der Jahrmillionen. Wesentlicher Motor dieses Vorgangs ist der Mittelatlantische Rücken die vulkanische Aktivität dort sorgt für ständigen Nachschub an Meeresboden.
Mit dieser Urgeschichte des Atlantiks beginnt Simon Winchesters Biographie des Ozeans. Oder auch nicht, denn davor oder auch damit verwoben steht die Geschichte seiner ersten Atlantiküberquerung, damals noch mit dem Schiff, heute undenkbar. Winchester ist Wissenschaftsjournalist mit Gespür für spannende Themen, und der Ozean, der einst das Ende der antiken Welt darstellte und später einen Kolumbus inspirierte Leif Eriksson oder auch Amerigo Vespucci sollte man trotzdem nicht übergehen -, bietet definitiv ausreichend Material für ein entsprechendes Buchprojekt.

Simon Winchester erlaubt sich, recht kühn die Grenzen zwischen allerlei wissenschaftlichen Disziplinen und der Kultur und Kunst zu überschreiten. Geologie und auch Geografie, Geschichte, Soziologie, Biologie, Ökonomie und Ökologie sind nur einige wesentliche der berührten Disziplinen. Denn sobald der Atlantik nach ersten Überfahrten nicht mehr dimensionslos war, wurde er zu einer wirtschaftlichen Größe.
Dem Autor liegt die Verquickung so vieler Elemente am Herzen, denn sie alle charakterisieren den großen Ozean, der von Unruhe geprägt ist, von Tornados, der Sargassosee, dem Golfstrom, Schwarzen Rauchern, Eisbären im Norden und Pinguinen im Süden, und in dessen Mittelteil sich in der frühen Neuzeit gewaltige Dramen abspielten, während der äußerste Süden einen nicht unwesentlichen Teil zur Entwicklung der Menschheit beitrug. Die Sage von Atlantis gehört zu den Mythen, die sich um den rauen Ozean ranken.

Winchester zeigt den Mut auf, den die Entdecker früherer Jahrhunderte aufbrachten, selbst jene, die nahe den Küsten segelten, sich aber eben erstmals aus dem behüteten Mittelmeer herauswagten. Die Argonautenfahrt, von Wissenschaftlern mittlerweile als Nordatlantikfahrt gehandelt, wird hier allerdings nicht gewürdigt. Sklaverei und schnelles Geld durch den Handel mit Zuckerrohr sind ein zentrales Thema, aber auch die Kartierung des Ozeans, seine kargen oder auch romantischen Inseln ebenso und die Konflikte, die sich auch in jüngerer Zeit (zum Beispiel Falkland-Krieg) auf ihm zutrugen. Aber auch die großen ökologischen Katastrophen, die sich im Atlantikraum zutrugen, sind dem Autor ein Anliegen. Den Abschluss bildet ein Ausblick auf künftige Entwicklungen der Erdoberfläche, an denen der Atlantik in einer Hauptrolle beteiligt sein wird.

In den Text eingebettete Schwarzweiß-Fotos sowie ein größerer Block mit farbigen Bildern ergänzen die Ausführungen optimal.
Eine umfassende, detaillierte und dabei spannend vorgetragene Betrachtung, die eine ganz neue Sichtweise auf den Ozean des Westens ermöglicht.

Eine Leseprobe wird auf der Verlagsseite zum Buch angeboten.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 29. Oktober 2012 | ISBN: 9783813504316 | Originaltitel: Atlantic. Great Sea Battles, Heroic Discoveries, Titanic Storms, and a Vast Ocean of a Million Stories | Preis: 29,99 Euro | 528 Seiten | Sprache: Deutsch

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