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 Die Steinschneider

Eine Kulturgeschichte menschlichen Leidens und ärztlicher Kunst


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Gesamt +++--
Anspruch
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Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Als Chirurgie und Medizin noch getrennte Fachgebiete waren, war die Steinschneiderei, also das operative Entfernen eines Blasensteines, ein selbst unter den Chirurgen umstrittener - weil gefährlicher - Eingriff. Der Springer Verlag widmet diesem alten Zweig der Urologie ein eigenes Buch, in dem zunächst die einzelnen antiken Behandlungsansätze des Steinleidens erläutert werden, bevor auf die Entwicklung und Professionalisierung von Steinschnitt und Steinzerstörung eingegangen wird.

Es folgt eine Abhandlung über das operative Medizinwesen im Allgemeinen, wo die zahlreichen medizinisch tätigen Personengruppen wie beispielsweise Barbiere, Chirurgen und Bader vorgestellt werden. Anschließend werden bekannte Steinschneider und berühmte Persönlichkeiten, die an einem Blasenstein gelitten haben, vorgestellt. Den Abschluss bildet die moderne Blasensteinbehandlung mit modernen Geräten und evidenzbasiertem Wissen.

Überraschend an dieser medizinhistorischen Abhandlung ist vor allem der Autor, der kein ausgewiesener Medizinhistoriker, sondern ein bis zur Emeritierung praktiziert habender Urologe ist. Das Werk ist also in besonderem Maße eine Beschäftigung mit dem eigenen Beruf und zeigt ein Interesse an der eigenen Tätigkeit, das über reine Professionalität hinausgeht. Dementsprechend kurzweilig und informativ ist der Schreibstil, dementsprechend verständlich und gut aufbereitet sind die im Buch vermittelten Fakten.

Gerade der fünfte Abschnitt über "Bader, Barbiere, Chirurgen und Scharlatane" gibt einen guten Überblick über die Entwicklung der schneidenden Medizin und die klassischen Konflikte mit der konservativen Medizin. Vor allen Dingen dürfte dieser Abschnitt das größte Publikum ansprechen, während die doch sehr speziellen Abschnitte zur Lithotomie und Lithotripsie sowie die Biografien historisch relevanter Steinschneider eher wenige ureigene Interessenten haben dürften.

Es ist zwar interessant, sich diese Teile durchzulesen und erweitert das Verständnis der heutigen Urologie, es dürfte aber wenige praktisch tätige Ärztinnen und Ärzte geben, die von sich aus ein Interesse an Jakob Ruf und Georg Bartisch entwickeln. Daher ist es schade, dass das Buch, welches bei der Lektüre einen gewissen Charme entwickelt, mit 49,95 Euro ausgesprochen teuer ist und von Spontankäufen abhält.

Besonders bei einem Werk, das so offensichtlich die Beschäftigung mit der eigenen Leidenschaft darstellt, wäre ein niedrigerer Preis angebracht gewesen. Wer sich vom hohen Preis jedoch nicht abschrecken lässt, bekommt einen kurzweiligen Einblick in die Entwicklung der Chirurgie im Allgemeinen und der Blasensteinbehandlung im Speziellen.

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite.

Sebastian Langer



Hardcover | Erschienen: 12. Dezember 2012 | ISBN: 9783642108112 | Preis: 49,95 Euro | 245 Seiten | Sprache: deutsch

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