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Eine kleine Klassik-Kunde

Autoren: Joachim Kaiser
Verlag: Siedler

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Klassische Musik "richtig" hören: Gibt es hierzu ein verbindliches Rezept? Dem renommierten Musik- und Theaterkritiker Joachim Kaiser, der sich unter anderem einen Namen als leitender Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung machte, wurden immer wieder Fragen gestellt, die den Umgang mit der so genannten Klassik berühren, teils recht allgemein gehalten, teils ins Detail gehend: Was macht einen Heldentenor aus? Hat Richard Wagner für seine Opern grässliche Texte verfasst ("Wagalaweia")? Und sinngemäß: "Darf" man ohne Vorbereitung in die Oper gehen? Eingeschüchtert fragen Musikliebhaber, ob sie auch populäre Stücke wie Mozarts "Kleine Nachtmusik" oder das "Air" von Bach lieben dürfen, ohne sich als Kunstbanausen zu "outen".
Die in diesem kleinen, schmucken Band präsentierten Fragen stammen aus Leserzuschriften an die SZ, die Kaiser zunächst in einem Video-Blog beantwortet hat. Sie sind in folgende Kapitel eingeteilt: "Von Klängen und Werken", "Auf der Bühne, hinter der Bühne", "Geschmackssachen", "Tonkünstler, Überschätzte und Vergessene", "Hochverehrtes Publikum" (eine Art Knigge) und "Aus dem Leben eines Kritikers". Den Abschluss bildet eine Betrachtung zu der Frage, ob die klassische Musik zum Aussterben verdammt sei.

Der Untertitel "Eine kleine Klassik-Kunde" geht nach Ansicht der Rezensentin ein wenig an der Intention des Buchs vorbei, da er den Eindruck erweckt, es handle sich um eine Einführung. Dies ist definitiv nicht der Fall: Grundlegende Kenntnisse zur klassischen Musik sollten vorhanden sein, andernfalls bereitet die Lektüre keine Freude, da sie recht spezielle Themen behandelt. Kein Mensch, der über ein Schlüsselerlebnis sein Interesse an der Klassik entdeckt hat, möchte unmittelbar wissen, ob ein Pianist im Konzert auswendig spielen muss, ob Gustav Mahlers 3. Symphonie einen vollständigen Schöpfungsmythos darstellt, wie viel Weltentrücktheit in Beethovens letzter Klaviersonate steckt oder warum Wilhelm Furtwängler als größter Dirigent aller Zeiten gilt (in einem anderen Beitrag kommt dies Karajan zu, sei's drum). Für jemanden, der sich schon lange mit klassischer Musik befasst, sind diese Fragen und andere, die im Buch beantwortet werden, jedoch durchaus von großem Interesse. Insofern wäre zunächst die Zielgruppe zu definieren, und hier geht es im Wesentlichen um erfahrene Klassikfreunde, Konzert- und Opernbesucher, die eine gut sortierte CD-Sammlung besitzen und sich auch einmal eine Premiere gönnen, sofern sie nicht ohnehin ein entsprechendes Abo haben.
Für diese Zielgruppe, allerdings nicht darüber hinaus ist das Buch ein Schatzkästchen, enthält es doch überwiegend Fragen, die auf spezielle Aspekte abzielen und die man als Klassikliebhaber in der Öffentlichkeit lieber nicht stellen möchte, obwohl sie durchaus berechtigt sind; in diesem Zirkel gibt es nun einmal viele Peinlichkeiten und Fettnäpfchen. Kaiser geht gelassen auf alle Fragen ein, beantwortet sie sachkundig und manchmal einfach "aus dem Bauch heraus", intuitiv, wenn dies angemessen ist. Er schenkt auch dem menschlichen Aspekt angemessen Aufmerksamkeit, der im Musikbetrieb bekanntlich nicht unterschätzt werden sollte. Bringt man entsprechende Erfahrung mit, so macht die Lektüre enormen Spaß und vermittelt manch verblüffende Kenntnis und Einsicht.
Insofern eine unbedingte Empfehlung, jedoch nur für Angehörige der Zielgruppe. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass es sich nicht um eine Klassikkunde im Sinne einer lehrbuchartigen Einführung handelt.

Eine Leseprobe wird auf der Verlagsseite zum Buch angeboten.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 19. November 2012 | ISBN: 9783827500021 | Preis: 16,99 Euro | 175 Seiten | Sprache: Deutsch

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