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 Wiedersehen bei Pia Carrot, Folge 1: Möchten Sie ein mehrgängiges Menü?

Serie: Wiedersehen bei Pia Carrot, Folge 1
Autoren: Morino Yousei
Produzenten: Osamu Koshinaka, Saburo Oomiya
Regisseure: Kan Fukumoto
Verlag: Anime House

Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Um ein Haar verliert Koji Maeda seinen Ferienjob, bevor er ihn überhaupt angetreten hat: Auf dem Weg zu seiner künftigen Arbeitsstätte, dem angesagten Restaurant "Pia Carrot", stößt er mit einem Mädchen namens Asuza zusammen und landet prompt buchstäblich zwischen ihren Schenkeln. Als Sexstrolch gebrandmarkt, scheint Kojis Pechsträhne nicht abreißen zu wollen: Seine Vorgesetzte Ryoko nimmt ihn hart ran, seine Dienstwohnung teilt er mit Kakerlaken und zu allem Überfluss entpuppt sich Asuza, mit der er unfreiwillig intime Bekanntschaft geschlossen hat, auch noch als seine neue Kollegin, die ihm prompt die kalte Schulter zeigt. Der einzige Lichtblick für den jungfräulichen Highschool-Studenten ist seine Arbeitsumgebung: junge, wohlgeformte Damen, von denen er sich ein Ende seiner sexuellen Durststrecke erwartet. Und tatsächlich: Schon früher als erwartet darf Koji beweisen, dass er mehr als nur Kochlöffel und Wischmopp schwingen kann

Kritik zum Film:

Im Gegensatz zum 08/15-Realporno-Futter (ohne welches das Internet wahrscheinlich auf drei CDs Platz finden würde) besitzen Hentais gerade unter Anime-Fans einen bestimmten Reiz: ihre Nähe zum jugendfreien Manga und Anime hinsichtlich Plot, Charakterzeichnung, Action und Unterhaltung. Viele Hentais schlüpfen in diverse bewährte Genre-Korsetts vom Sport-Manga über den Fantasy-Anime bis hin zur Romantic Comedy , kopieren hinlänglich erprobte Story-Schablonen und schwupp: Schon schwingen junge Fantasy-Heroes mehr als nur ihre Schwerter, kämpfen freizügige Sailor-Moon-Look-alikes gegen die versauten Mächte des Bösen und kochen junge, gut geformte Küchenfeen ihre männlichen Kollegen gehörig ein. Bei manchen Hentais blitzen nicht selten ihre bekannten jugendfreien Pendants durch, die Modell gestanden sein mögen, wodurch neben der sexuellen Stimulierung auch die Unterhaltung und der Humor nicht zu kurz kommen.

Auch die dreiteilige Etchi-OVA "Wiedersehen mit Pia Carrot" (1999), die auf der in Japan beliebten Dating-Sims-Reihe "Pia Carrot" beruht, kann ihre Vorbilder aus der Romantic-Comedy-Ecke nicht verleugnen. Besonders der Vergleich mit "Love Hina" drängt sich regelrecht auf: der jungfräuliche Hahn im Korb der scharfen Küken, das hübsche Mädchen, das dem Protagonisten die kalte Schulter zeigt und auch mal handfeste Argumente ins Spiel bringt, die alkoholerprobte Kollegin, die ihre Vorzüge ins rechte Licht zu rücken weiß, das Mädchen mit dem berühmten Orientierungssinn. Auch in puncto Humor folgt "Wiedersehen mit Pia Carrot" altbekannten Mustern, so gerät Koji schon mal in eindeutig zweideutige Situationen, dank denen Asuza ihn zum Perversling abstempelt.

Leider enttäuscht die OVA gerade im Hinblick auf das zentrale Element, zumindest die erste Episode: Verspricht der Titel "ein mehrgängiges Menü", so wird dem Zuschauer lediglich ein einziger Gang sprich: ein Geschlechtsakt am Strand serviert, bei dem Koji "sein Bewerbungsgespräch nachholen" darf. Dieses fällt überraschend verhalten aus, zwar geht es ordentlich zur Sache, allerdings richtig handfeste Darstellungen sucht man vergebens. So sind etwa sämtliche Schwengel, egal ob im Einsatz oder im Standby-Modus, zensiert, das Jugendgefährdendste in der gesamten Episode sind ein paar unbedeckte Oberweiten. Ein einziger Koitus in 29 Minuten, dazu vergleichsweise harmlos dargestellt, das wird jedem eingefleischten Hentai-Liebhaber zu wenig sein und erklärt die FSK-16-Freigabe

Der größte Minuspunkt ist aber in der deutschen Synchronisation zu suchen. Kommen die Dialoge, besonders jene in den peinlichen, da zweideutigen Szenen, in der japanischen Sprachfassung noch witzig, weil emotional aufgeladen herüber, so entpuppt sich die deutsche Synchro als hochgradig einschläfernder Totalausfall, der sich am Trommelfell des Zuschauers vergeht. Besonders die Sprüche während der Sexszene am Strand klingen schmerzhaft monoton und wirken wie mit einer Tasse Kaffee in der Hand und mit den Gedanken bei arithmetischen Problemstellungen heruntergelesen.

So enttäuscht zumindest die erste Episode von "Wiedersehen bei Pia Carrot" doch ziemlich. Wer harte Hentais schätzt, der wird mit "Pia Carrot" nicht warm werden, wer hingegen auf schlüpfrigen Fanservice am laufenden Band steht, dem sei "Highschool of the Dead" ans Herz gelegt. Und wer überhaupt nichts mit erotischen Animes anfangen kann und harmlose Romantic Comedies bevorzugt, der hält sich ohnehin an Klassiker wie "Love Hina". Was übrig bleibt, ist ein knapp 30-minütiges Sexfilmchen, das streng genommen nicht schlecht ist, aber zu sanft daherkommt und sein Potential verschenkt.

Kritik zur DVD:

Die DVD, die im Erotik-Label "Pink Lemon" von Anime House erschienen ist, enttäuscht auf technischer Ebene: Das Bild (Format 4:3) kränkelt an Unschärfen, die Farben sind alles andere als satt und die vertikalen Bildränder fallen durch anhaltendes Flimmern unangenehm auf. Dem deutschen Stereo-Ton fehlt es an Kraft und Dynamik, die Dialoge klingen monoton. Bonusmaterial sucht man vergeblich, lediglich ein Wendecover liegt der DVD bei.

Michael Höfel



DVD | Disc-Anzahl: 1 | EAN: 4260039672197 | Erschienen: 29. Juni 2012 | FSK: 16 | Laufzeit: 29 Minuten | Originaltitel: Pia Carrot e yôkoso!! 2 DX | Preis: 9,95 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch | Verfügbare Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Japanisch (Dolby Digital 2.0)

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