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 Machiavelli

Philosoph der Macht

Autoren: Ross King
Übersetzer: Stefanie Kremer
Verlag: Pantheon

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Preis - Leistungs - Verhältnis
Niccolo Machiavelli ist einer der faszinierendsten und widersprüchlichsten Akteure der Renaissance. Obwohl von der Wichtigkeit, sich verstellen zu können, überzeugt, kann er nicht anders als sich der einfältigen Signoria von Florenz gegenüber überheblich zu zeigen, wenn diese in seinen Augen politisch unerfahrenen Amateure ihm, dem erfahrenen Sekretär der zweiten Kanzlei, Arbeitsanweisungen geben. Dass so Konflikte entstehen kann er zwar voraussehen, aber er selbst weigert sich, dem entgegen zu wirken.

Im Namen der Republik von Florenz führt er Verhandlungen mit dem französischen König, dem Papst, verschiedensten lokalen Herrschern und, im Falle von Caterina Sforza, einer Herrscherin. Dabei lernt er auch Cesare Borgia, den Sohn von Papst Alexander VI. kennen, und ist fasziniert von diesem willensstarken und skrupellosen Mann. Er wird später die Vorlage für Machiavellis idealen Fürsten.

Obwohl er immer unter seiner niederen Geburt leiden muss und für die Republik arbeitet, versucht er sich mit einem Buch, dass die Errichtung und Festigung einer absolutistischen Monarchie propagiert, bei den Medici einzuschmeicheln. Kaum, dass er damit Erfolg hat und in die Dienste der kürzlich aus dem Exil zurückgekehrten Bankiersfamilie aufgenommen wird, werden diese abermals gestürzt und Machiavelli erneut seiner Funktionen enthoben.

Die von Ross King verfasste Biographie ist eine kompakte, wenig Vorwissen voraussetzende Zusammenfassung des Lebens Machiavellis. In chronologischer Reihenfolge werden die Etappen seiner beruflichen Laufbahn wiedergegeben, wobei parallel dazu auch die Eckpunkte seiner familiären Situation eingeflochten werden. Die Rahmenbedingungen, die in Norditalien während der Renaissance herrschten, die üblichen Sitten und Gebräuche werden nur teilweise erklärt, da der Autor sich sehr stark auf Machiavelli als Person fokussiert.

Dadurch wird die Lektüre leicht und fließend, wirkt aber auch etwas dünn und sehr allgemein gehalten. Für eine populärwissenschaftliche Arbeit aber fehlen die bei Machiavelli durchaus gegebenen Spannungsbögen, um den Leser zu fesseln und zu binden. Auch Rahmenhandlungen, wie die Verschwörung gegen die Medici, an denen gute Freunde Machiavellis beteiligt waren, hätten gerne weiter ausgeführt werden können.

King zitiert reichhaltig aus dem Briefwechsel Machiavellis und setzt die zahlreichen und zuweilen widersprüchlichen Werke Machiavellis in den biografischen Bezug, unter dem sie entstanden sind. Gerade die vielfältigen Briefwechsel helfen dabei, die Person Machiavelli, mitsamt seiner Leidenschaft für Geselligkeit, Frauen und gute Konversationen, zu verstehen, und geben so einen Einblick in sein Denken, das weit über die persönlichen Gedanken und Meinungen, die Machiavelli in seinen Werken selbst preisgibt, hinausgeht.

Die weniger bekannten Werke Machiavellis, seine Lustspiele und die Geschichte von Florenz werden im Text ausführlich vorgestellt, während seine Hauptwerke, der Fürst und die Discorsi, beinahe vollständig übergangen werden. Hier wäre es schon gewesen, wenn der Autor seine Leserschaft über seine Intention informiert. War ihm der Fürst zu kritisch, um ihn in der Biographie unterzubringen? Oder setzt er die Lektüre der beiden Hauptwerke als gegeben voraus? Dass jedoch die eher unbekannten Werke so ausführlich behandelt werden, lässt den Leser die Vielschichtigkeit der Person Machiavelli besser erkennen.

Das Werk liest sich so angenehm und schnell, dass es gerne umfangreicher hätte sein können. Auch wenn es schade ist, dass es weniger als dreihundert Seiten sind, so ist es doch durchaus empfehlenswert und garantiert kein Fehlkauf.

Eine Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite.

Sebastian Langer



Taschenbuch, | Erschienen: 5. Februar 2013 | ISBN: 9783570551455 | Originaltitel: Machiavelli: Philosopher of Power | Preis: 14,99 Euro | 288 Seiten | Sprache: deutsch

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