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 Field Station Berlin

Geheime Abhörstation auf dem Teufelsberg


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Mit den fünf weißen Radarschutzkuppeln (Radoms) sowie einem aufragenden Turm prägt die Field Station Berlin trotz deutlicher Spuren ihres Verkommens nach wie vor das Bild am Berliner Teufelsberg, welcher nach dem Zweiten Weltkrieg als Schuttberg entstand. Die exponierte Lage oberhalb des Berliner Flachlandes ließ den Berg kurz nach dem Zweiten Weltkrieg – oder anders gesagt: mit der Forcierung des Kalten Krieges – zu einem potentiellen Standort für Überwachungszwecke werden, da hier der gesamte Berliner Luftraum zu überwachen war.

So errichtete die RAF, die Royal Air Force, bereits zu Beginn der 1950`er Jahre eine kleine Überwachungsanlage. Auch die US-Amerikaner wurden bereits zu diesem Zeitpunkt auf die besondere Lage aufmerksam, so dass 1961 eine gemeinsame Nutzung mit den britischen Streitkräften beschlossen wurde. Bereits im darauf folgenden Jahr übernahmen die US-Amerikaner die Kontrolle über das Gelände, das sie nach und nach zur Berliner Field Station ausbauten. Dabei handelte es sich um eine Abhörstation, mit welcher "der Funk- und Fernmeldeverkehr und die Abstrahlung von Feuerleit- und Waffensystemen der Staaten des Warschauer Paktes" überwacht sowie "der Funk-, Richtfunk- und Fernmeldeverkehr der DDR" abgehört werden konnte.

Das nun vorliegende Buch, welches auf der Grundlage einer Abschlussarbeit des postgradualen Masterstudiengangs "Denkmalpflege" an der Freien Universität Berlin entstanden ist, zeichnet nun erstmals die Baugeschichte der Berliner Field Station nach.

Vorausgeschaltet wird jedoch zunächst eine kleine Geschichte des Teufelsbergs sowie eine Baubeschreibung. Auf die danach folgende Darlegung der einzelnen Bauelemente folgt dann eine Erläuterung der Funktion einzelner Räume beziehungsweise Gebäudeteile. Anschließend beschreiben die vier Autoren den Zustand der Anlage im Jahr 2010, welche nach der Stilllegung im Jahre 1992 sowie dem Auslaufen des Mietvertrags mit der DFS, Deutsche Flugsicherung, deutliche Spuren des Verfalls aufweist. Abgeschlossen wird das Buch letztlich durch die Vorstellung verschiedener Nutzungsplanungen sowie durch Überlegungen zum Denkmalstatus.

Das Autorenquartett Katharina Beckmann, David Derksen, Robert Haesecke-Diesing und Florian Leitner beschreibt die Räume und Gebäudeteile der Berliner Field Station mit viel Akribie, sodass eine umfassende Bestandsaufnahme entsteht. Auch die einzelnen Bauphasen zeichnen sie detailliert nach. Hilfreich sind in diesem Zusammenhang auch die zahlreichen Gebäudepläne, in welchen durch verschiedene Farben die einzelnen Entwicklungsstufen markiert werden. Auf die 3-D-Modelle zum Bauvolumen hätte der Leser hingegen verzichten können, weil auf denen die Veränderungen nur sehr oberflächlich zu erkennen ist. Die zahlreichen Fotografien tragen dagegen maßgeblich dazu bei, eine genauere Vorstellung der Anlage sowie ihres Umfeldes zu machen.

Leider wird aus dem Kapitel "Funktionsweise" insgesamt noch zu wenig deutlich, was hinter den Mauern des Gebäudekomplexes ablief. Auch wenn dies sicherlich mit der schwierigen Quellenlage – immerhin handelte es sich um ein Gebäude des US-Geheimdienstes – zu tun hat, so muss dennoch gefragt werden, ob angesichts dieser Vagheit eine Veröffentlichung überhaupt Sinn macht. Denn so verdienstvoll eine deskriptive Aufarbeitung der Räume und Gebäude auch sein mag, der interessierte Leser wird dennoch eine Kontextualisierung dieser Befunde vermissen.

FAZIT: eine wissenschaftlich sicherlich verdienstvolle Bestandsaufnahme, die jedoch aufgrund der fehlenden Kontextualisierung nur bedingt eine breite Leserschaft ansprechen wird.

Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Webseite des Verlags

Matthias Jakob Schmid



Softcover | Erschienen: 5. Mai 2013 | ISBN: 978-3943112177 | Preis: 19,90 Euro | 144 Seiten | Sprache: Deutsch

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