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 So wie Kupfer und Gold

Autoren: Jane Nickerson
Übersetzer: Ursula Höfker
Verlag: cbt

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Die siebzehnjährige Sophia ist selig, als sie von ihrem reichen Patenonkel Bernard de Cressac in sein Haus in den amerikanischen Südstaaten eingeladen wird. De Cressac will sich nach dem Tod von Sophias Vaters ihrer annehmen und Sophia hofft insgeheim, dass er zukünftig auch ihre Familie finanziell unterstützen wird, denn die lebt seit Jahren in Armut.
Angekommen auf dem Anwesen ihres Onkels, ist das Mädchen hingerissen von de Cressacs Eleganz und Weltgewandtheit, seinem ausgefallenen Lebensstil und vor allem seinem attraktiven Äußeren. Das Mädchen schwelgt eine Zeit lang im Luxus und genießt es, wie eine Prinzessin behandelt zu werden - doch nach und nach bekommt die großzügige, freundliche Fassade ihres Patenonkels Risse.
Sophia muss sich eingestehen, dass Bernards Absichten bei Weitem nicht so ehrenhaft sind, wie er ihr weismachen will; zudem behandelt er seine Leibeigenen schlecht, ist wankelmütig und jähzornig. Warum darf Sophia keinen Kontakt zu anderen Menschen im Dorf aufnehmen, ja nicht einmal die Messe besuchen? Wieso will niemand von den Dienern im Haus mit ihr sprechen? Und was ist mit den Frauen passiert, mit denen ihr Patenonkel einst verheiratet war - und die allesamt rothaarig waren, ebenso wie Sophia? Zu ihrem Entsetzen muss das Mädchen feststellen, dass ihr Patenonkel nicht bloß ein düsteres Geheimnis hütet ...

In "So wie Kupfer und Gold" erzählt Jane Nickerson eine etwas modernere und sehr spannende Version von "Blaubart", einem der grausigsten und unheimlichsten Märchen, das einst (unter anderem) von den Gebrüdern Grimm zu Papier gebracht wurde. Die Autorin hat das düstere Szenario aber in Zeit und Ort verlegt - die Geschichte der zu Beginn noch reichlich naiven Sophia spielt im Jahr 1855 vor der drückend schwülen Kulisse einer Plantage in Mississippi. Beides passt wunderbar zum Roman, der harmlos beginnt, aber beim Leser von Anfang an ein ungutes Gefühl weckt. Zwar verheißen Sophias erste Berichte ihres neuen Lebens noch aufregende Geheimnisse und unschuldige Romantik, doch man ahnt sofort, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Bernard de Cressac, seine Fürsorge und sein verschwenderisch schönes Anwesen sind einfach zu schön, um wahr zu sein. Zudem benimmt de Cressac sich seiner minderjährigen Patentochter gegenüber von Anfang an anzüglich, was die Siebzehnjährige zunächst verdrängt. Doch bald schon muss Sophia den Tatsachen ins Auge blicken: Sie ist im Grunde eine Gefangene der Launen ihres Patenonkels, der zunehmend die Grenzen überschreitet und immer öfter seine dunklen Seiten zeigt, die so gar nichts mit dem großzügigen, charmanten und höflichen Mann zu tun haben, den sie zu kennen glaubte. Bald muss Sophia um ihr Leben fürchten - doch kampflos aufgeben will sie nicht.

Jane Nickersons Protagonistin, die aus der Ich-Perspektive erzählt, stellt die Geduld des Lesers zu Beginn auf eine kleine Probe: Das Mädchen ist schmerzhaft naiv, unerfahren und oberflächlich; es übersieht vor lauter Kleidung, Schmuck und teuren Geschenken die Realität völlig. Doch im Verlauf des Romans wandelt Sophia sich und versucht, sich ihre Freiheit zurückzuerobern. Das Buch mündet schließlich in einem dramatischen, nervenaufreibenden Finale.

Angenehm ist, dass die Autorin keinen Hehl daraus macht, dass "Blaubart" die Vorlage für ihre Erzählung ist - es gibt massenhaft Anspielungen und Parallelen zu dem bekannten Märchen. Dennoch schafft Nickerson es, "Wie Kupfer und Gold" eine ganz eigene, versponnene Atmosphäre zu verleihen, die immer bedrohlicher wird, je weiter das Buch voranschreitet. So wandelt sich das romantisch angehauchte Jugendbuch, das auch einige Mystery-Elemente besitzt, bald zum düsteren und packenden Psychothriller mit Fantasy-Touch.

Fazit: spannend erzählte Variante des Märchens "Blaubart", die gelungen vor die schwüle Kulisse der amerikanischen Südstaaten zur Zeit der Sklaverei verlegt wurde.

Zum Roman-Special auf der Website des Verlags - mit Leseprobe und Hintergrund-Informationen

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 23. September 2013 | ISBN: 978-3570162682 | Originaltitel: Strands of Bronze and Gold | Preis: 16,99 Euro | 448 Seiten | Sprache: Deutsch

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