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 Pnin

Autoren: Vladimir Nabokov
Illustratoren: Sophia Paeslack
Produzenten: Rundfunk Berlin-Brandenburg
Regisseure: Ralf Schäfer
Sprecher: Ulrich Matthes
Übersetzer: Dieter E. Zimmer
Verlag: Der Audio-Verlag

Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Timofey Pnin, von Beruf Literaturprofessor, hat in seinem Leben einen Verlust nach dem anderen aneinandergereiht. Als Kind verliert er seine Eltern, durch die Bolschewiken Vermögen und Heimat, er verliert seine Frau an einen anderen Mann, und auch in seinem Exil, den USA, setzen sich die Verluste fort.
Pnin unterrichtet am College im provinziellen Waindell, und er polarisiert. Mit dem Englischen auf Kriegsfuß stehend, außerstande, sich bei allem guten Willen an das fremdartige Amerika anzupassen, dabei sehr stolz, als er den US-amerikanischen Pass erhält, wirkt er auf manche Menschen als liebenswerter, ewiggestriger Kauz, auf andere als schlicht und einfach unmögliche, lächerliche Figur.
Der Roman reiht Episoden aus Pnins Leben lose aneinander, sodass sich mit der Zeit die ganze Geschichte dieses klassischen "Verlierers" für den Hörer erschließt. Doch das offene Ende bietet die Möglichkeit zum Neuanfang.

Die sechs CDs befinden sich eingesteckt in einem aufklappbaren, schön aufgemachten Karton-Booklet.

"Pnin" ist aus der Sicht eines allwissenden Ich-Erzählers verfasst, der Pnin von früher her kennt und ihm dann in den USA wieder begegnet. 1940 trifft Pnin dort ein, die Handlung endet in den 50er-Jahren; Rückblenden decken eine noch weitere Zeitspanne ab. Und die vielen Episoden um Pnins zum Scheitern verurteilte Versuche, eine kleine Nische für sich zu finden, seine unmittelbare Umgebung zu "pninisieren", wie der Ich-Erzähler es nennt, lassen nach und nach, Facette um Facette, einen tragikomischen Charakter Gestalt annehmen: Pnin, prädestiniert, sich selbst im Weg zu stehen, aber in seiner Tollpatschigkeit und Hilflosigkeit, seiner bei allem guten Willen fehlenden Fähigkeit zur Adaption, auch Zielscheibe des Spottes und der Überheblichkeit anderer.

So amüsiert diese Erzählung, stimmt jedoch auch sehr melancholisch, denn vermutlich jeder Hörer kennt den einen oder anderen Pnin, und wenngleich man über Nabokovs Pnin schmunzeln darf, so erfasst den Hörer doch womöglich ein Schuldbewusstsein. Pnin, der von den Kollegen Ausgegrenzte, der eine Handvoll Studenten in Russisch unterrichtet - im Kalten Krieg eine Sprache, die Lernende verdächtig macht -, der von seiner Ex-Frau gnadenlos Ausgenutzte, der verlorene Wanderer zwischen den Welten. Liebevoll und gleichzeitig mit subtiler, bisweilen offener Grausamkeit schildert Nabokov die Überforderung dieses ständigen Verlierers mit dem "American Way of Life", aber auch seiner eigenen Vergangenheit.

Ulrich Matthes liefert eine unglaubliche Leistung als Sprecher ab: Mit eindrucksvollem russischem Akzent und der typischen Schwerfälligkeit jener, die sich gebrochen in einer fremden Sprache bewegen, lässt er den Pnin geradezu plastisch vor dem Hörer erscheinen, Pnin wird als Person erfahrbar. Auch in die anderen Rollen findet sich Matthes problemlos ein und liest die Rahmenerzählung kurzweilig und fesselnd. Ein echtes Hörbucherlebnis!

Eine Hörprobe findet man hier.

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 6 | Erschienen: 1. Februar 2014 | ISBN: 9783862313662 | Laufzeit: 423 Minuten | Originaltitel: Pnin | Preis: 19,99 Euro | Sprache: Deutsch

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