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 Das Phantom des Alexander Wolf


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Als Sechzehnjähriger hat der Ich-Erzähler aus "Das Phantom des Alexander Wolf" ein Erlebnis, das ihn sein restliches Leben hindurch verfolgen wird: Er ist Weißgardist im russischen Bürgerkrieg, und auf einer Waldlichtung bricht sein Pferd, von einer Kugel getroffen, unter ihm zusammen. In Todesangst schießt der Bursche auf den Gegner und flieht dann auf dem Pferd des vermeintlich Getöteten.
Einige Jahre später der ehemalige Weißgardist lebt mittlerweile im Pariser Exil wie so viele andere seiner Generation stößt er auf ein Buch, in dem von genau dieser Episode berichtet wird, und dies so detailliert und präzise, dass kein Zweifel bleibt: Sein damaliger Gegner hat überlebt und seine Erfahrungen in Buchform festgehalten.
Der Protagonist macht sich auf die Suche nach jenem geheimnisvollen Alexander Wolf, denn offensichtlich sind ihrer beider Schicksale auf rätselhafte Weise miteinander verknüpft. Tatsächlich findet eine weitere Begegnung statt, Wolf erzählt dem Mann, der ihn beinahe getötet hat, aus seiner Sicht von jenem dramatischen Tag. Und dann stehen sich die beiden noch einmal auf Leben und Tod gegenüber, doch nun geht es nicht mehr um Politik, und sie sind nicht mehr gehorsame Angehörige zweier Armeen, sondern zwei Männer.

Die CD und ihre Kunststoffhalterung befinden sich in einem attraktiv aufgemachten, informativen Karton-Booklet.

Gaito Gasdanow emigrierte wie sein Ich-Erzähler infolge der russischen Revolution nach Paris und gehörte zu den dortigen Exilschriftstellern; seine Werke gerieten allerdings in Vergessenheit. Die Wiederentdeckung lohnt sich jedoch, wie "Das Phantom des Alexander Wolf" zeigt, eine atmosphärisch sehr dichte Erzählung, die mehr an eine Novelle erinnert als an einen Roman. Geradezu genial wirkt der Aufbau mit den beiden höchst dramatischen Momenten, in denen sich die beiden Männer als potenziell tödliche Gegner gegenüberstehen, einmal als Fremde, anonym und zufällig, dann als bereits Bekannte und mit einer völlig anderen Motivation.
Dazwischen stehen Jahre des Verarbeitens und des Neuanfangs und die neuerliche Konfrontation mit Alexander Wolfs Buch, die dem Leben des Protagonisten ein weiteres Mal eine massive Wendung gibt.
Auch der Stil fesselt scheinbar nüchtern, doch im "Understatement" klingen die unterdrückten und schließlich hochgeheizten Emotionen umso intensiver durch. Und hier greift zudem die gelungene Hörspielbearbeitung, denn dem Regisseur ist es gelungen, die bedrückende, düstere, zeitweilig auch grelle und schwüle Atmosphäre festzuhalten, in der sich die zwei Männer begegnen. Die Sprecher repräsentieren die jeweiligen Charaktere beziehungsweise den Erzählrahmen vorzüglich, sie greifen die mühsame Beherrschtheit der Menschen auf, unter deren Oberfläche es fühlbar brodelt. Auch die geschickt der Handlung angepasste Geräuschuntermalung unterstützt und verstärkt die durch die Erzählung erzeugte eigenartige Stimmung, das Surreale; ohne Aufdringlichkeit werden dadurch im Hörer Bilder, ja, filmische Szenen hervorgerufen, die zusammen mit den Stimmen und natürlich den vorgetragenen Texten ein eindringliches Hörerlebnis bieten.

Eine außergewöhnliche Vorlage in vorzüglicher Umsetzung!

Eine Hörprobe wird auf der Verlagsseite zum Hörbuch angeboten.

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 1 | Erschienen: 10. Februar 2014 | ISBN: 9783844511703 | Laufzeit: 78 Minuten | Originaltitel: Prizrak Aleksandra Vol'fa | Preis: 14,99 Euro | Sprache: Deutsch

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