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 Herr der Affen - John Arthur Livingstone: Erstes Buch


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
John Arthur Livingstone fällt es schwer, ein Lord zu sein. Zwar ist er laut seiner Abstammung genau das, aber in seinem Herzen wohnt ein wildes Tier und kein englischer Edelmann.
John ist von Affen großgezogen worden. Als kleines Kind wurde er an eine von Menschen verlassene Küste gespült, wo ihn eine Gruppe von Orang-Utans großgezogen hat, als wäre er einer der ihren. Er war noch so klein, dass die Wildnis des Dschungels für ihn völlig normal erschien. Er brauchte keine Kleidung, ihm reichte alles, was auch den Affen zum Leben genügt. Er hätte glücklich sein können, wären da nicht irgendwann, als er zu einem kräftigen Jugendlichen herangewachsen war, die fremden Männer mit ihrem Schiff aufgetaucht. Nur mit Mühe haben sie erkannt, dass John tatsächlich ein Mensch und kein Affe ist, so verwildert, wie er aussah. Gegen seinen Willen haben sie ihn "gerettet" und in die zivilisierte Welt geholt.

Nun ist Lord John Arthur Livingstone ein erwachsener Mann, der versucht sich in England zurechtzufinden. Seine Vergangenheit ist dabei ständig präsent. Nicht nur, dass seine Gefühle immer die eines Dschungelkindes sein werden, er erregt auch bei der Bevölkerung einiges Interesse. Kann es sein, dass man mit John beweisen kann, dass Darwin recht hatte? Dass der Mensch tatsächlich vom Affen abstammt? Ist er das Bindeglied? Er gibt bei zahlreichen Vorträgen Auskunft zu seinem abenteuerlichen Leben und beantwortet geduldig jede Art von Fragen.
Doch nicht nur John steht im Mittelpunkt des Interesses. Die Angst hält die Bewohner der Stadt in Atem, denn es schleicht ein Mörder durch die Gassen. Gibt es einen zweiten "Jack the Ripper", der Frauen ermordet, ohne auch nur die geringste Spur zu hinterlassen?
Für John Arthur Livingstone ist diese Frage zweitrangig, denn er hat etwas gefunden, dass ihm lieb und teuer ist. Die schöne Alice erwidert sein Interesse, doch sie ist genau die Art von Frau, an der auch der geheimnisvolle Mörder Interesse findet ...

Natürlich denkt man bei einem Setting wie diesem sofort an berühmte Geschichten wie "Tarzan" oder "Das Dschungelbuch". Die Parallelen sind offensichtlich. Allerdings geht es hier vor allen Dingen um die Zeit nach dem Leben im Dschungel und die Probleme eines Menschen, der nicht weiß, wo er hingehört und der unter seinesgleichen nie gleich sein wird. Das Schicksal hat ihm übel mitgespielt und ihn nicht das sein lassen, was er sein wollte. Zwar haben es immer alle gut mit ihm gemeint, doch ihn hat niemand gefragt. Egal, ob das Leben im Dschungel oder in der Stadt, nie hatte John die Wahl. Nun versucht er mit der sogenannten Zivilisation zurechtzukommen, sich anzupassen und auf seine Art glücklich zu werden.

"Herr der Affen - John Arthur Livingstone" ist ein Comiczweiteiler. Die Geschichte scheint auf den ersten Blick ein Krimi zu sein, bei dem es darum geht, wer der Mörder der aufgefundenen Frauenleichen ist. Allerdings ist das eher ein Nebenschauplatz, auch wenn sich die Handlung an diesem Erzählstrang entlanghangelt. Das eigentliche Thema ist ein viel philosophischeres und grundsätzlicheres. Die Geschichte wirft die Frage auf, wer wir wirklich sind. Was ist das schon, unsere Zivilisation, auf die wir so stolz sind? Wer ist der bessere Mensch? Der, der wie ein Wilder nackt unter Affen aufgewachsen ist und immer noch auf Bäume klettert? Oder der, der sich an der Frage ergötzt, ob John von einem Orang-Utan gesäugt wurde? Wer ist grausamer? Der, der im Kampf um sein eigenes Leben ein anderes auslöscht oder der, der aus Lust am Töten seinen Opfern auflauert? Der Leser sollte ein wenig zwischen die Zeilen blicken, um die Tragweite der Erzählung zu überblicken. Außerdem sind das alles nur Fragen, die bisher im Kopf entstehen, wo die Handlung uns wirklich hinführen will, ist natürlich noch ein Rätsel.

In jedem Fall aber lohnt sich der Band schon wegen der wunderbaren Bilderwelten von Zeichner Fabrice Meddour, bekannt durch die Ganarah-Serie. Bereits das Coverbild gibt einen Eindruck davon, in welcher Art er die Geschichte optisch umgesetzt hat. Der Stil passt wunderbar zu der lange vergangenen Zeit, in der sie spielt. Die Bilder sind düster und wirken gerade bei den Szenen in der Stadt passend schmuddelig und grau, aber auf eine positive Art und Weise. Grüntöne nutzt Meddour, um die Dschungelwelt darzustellen, bei emotionalen Szenen werden die Bilder deutlich heller oder rötlich. Es wird immer genau die passende Stimmung transportiert.

Von der philosophischen Warte aus betrachtet ist der Comic sehr gelungen, die vermeintliche Krimi-Haupthandlung lässt hingegen noch ein wenig an Spannung vermissen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der zweite Teil entwickelt, um ein endgültiges Urteil zu fällen.

Wer sich einen ersten Eindruck verschaffen möchte, kann auf der Webseite des Splitter-Verlags in den Comic reinlesen.

Bine Endruteit



Hardcover | Erschienen: 1. April 2014 | ISBN: 978-3868696622 | Originaltitel: John Arthur Livingstone - Le Roi des Singes | Preis: 14,80 Euro | 56 Seiten | Sprache: Deutsch

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