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 Doctor Who - Die kompletten Specials


Cover
Gesamt +++--
Action
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Der zehnte Doktor hat viele große Schlachten geschlagen. Er bekämpfte Daleks, Cybermen und schließlich auch seinen Erzfeind, den Master. Vier weitere große Abenteuer stehen ihm bevor, und je weiter er seinen Weg geht, umso deutlicher wird ihm eines: Mit jedem Schritt nähert er sich dem Ende seines Lebens.

Nach vier erfolgreichen Staffeln "Doctor Who" (nach alter Zählung dreißig) legte das Produktionsteam um Russell T. Davies 2009 eine Art Brückenjahr ein, um Hauptdarsteller David Tennant die Möglichkeit zu geben, als Hamlet auf der Bühne der Royal Shakespeare Company zu stehen. Ganz wollte man den Fans die erfolgreiche Serie jedoch nicht vorenthalten, so produzierte man fünf Specials, die an Feiertagen über das Jahr verteilt liefen. Diese fünf Sonderfolgen sind nun auch auf Deutsch als Sammelbox erschienen.

Der nächste Doktor (The Next Doctor, Weihnachtsspecial 2008)
Der Doktor landet im viktorianischen London am Heiligen Abend des Jahres 1851, welches er zuerst als etwas langweilig einschätzt. Doch kurz nach seiner Ankunft begegnet er einem ihm unbekannten Mann (gespielt von David Morrissey), der sich ebenfalls "Der Doktor" nennt, und zusammen mit seiner Begleiterin Rosita Jagd auf eine neue Art von Cybermen macht. Handelt es sich bei dem Fremden etwa um die nächste Inkarnation des Doktors? Aber warum hat er dann sein Gedächtnis verloren? Welchen Plan verfolgen die Cybermen, die sich mit der Waisenhausleiterin Miss Hartigan (Dervla Kirwan) verbündet haben? Und welches Geheimnis hütet der spurlos verschwundene Jackson Lake, dessen Gepäck der nächste Doktor aufbewahrt?

Seinen großen Reiz zieht "Der nächste Doktor" aus dem Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller David Tennant und David Morrissey, die ihre Charaktere beide mit großer Leidenschaft verkörpern. Dadurch verkommen sowohl der viktorianische Hintergrund als auch der Plot um die Cybermen zur bloßen Staffage, was man gerade letzterem deutlich anmerkt. So dachte sich Drehbuchautor Russell T. Davies wohl, dass er die Handlung in der zweiten Hälfte der Geschichte durch den Auftritt eines übergroßen, mit Dampf betriebenen Cyberroboters "bereichern" muss, der, wie Godzilla durch das viktorianische London stapft. Nun ist "Doctor Who" unter seiner Federführung nicht für Subtilität bekannt, allerdings kratzt Davies hier doch stark an der Karikatur. Rein historisch wirft dieses Plotelement natürlich auch die Frage auf, warum die Überreste des Roboters keinen Einfluss auf die Entwicklung der britischen Gesellschaft gehabt haben und in den früheren Staffeln unerwähnt geblieben sind. Wer jedoch über solche Albernheiten hinwegsehen kann, wird eine kurzweilige Episode mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern erleben.

Als besonderen Bonus enthält die erste Blu-ray außerdem das dazugehörige "Doctor Who Confidential", bei dem man den Eindruck hat, dass dem Produktionsteam in der Mitte der Laufzeit die interessanten Inhalte des Specials ausgegangen sind, sowie die komplette Aufzeichnung des Konzertabends "Doctor Who at the Proms".

Planet der Toten (Planet oft he Dead, Osterspecial 2009)
Nach einem erfolgreichen Coup flüchtet die berüchtigte Juwelendiebin Lady Christina de Souza (Michelle Ryan) an Bord eines Londoner Stadtbusses. Dumm nur, dass sich zum einen ihr Sitznachbar als der Doktor entpuppt, und zum anderen der Bus kurz darauf durch ein spontanes Wurmloch in einem Londoner Tunnel auf den Wüstenplaneten San Helios geschleudert wird. Während die Militäreinheit UNIT auf der Erde das Wurmloch sichert, müssen der Doktor, Lady Christina und der Rest der Fahrgäste versuchen, den stark beschädigten Bus wieder flottzumachen. Dabei entdecken sie eine Gefahr, die nicht nur die Gestrandeten, sondern auch die ganze Erde bedroht.

Da das Brückenjahr gleichzeitig ein Jahr der wechselnden Begleiter des Doktors war, nutzte man die Gelegenheit, David Tennant einige bekanntere Schauspielkollegen zur Seite zu stellen. In diesem Fall handelt es sich um Michelle Ryan als Meisterdiebin Lady de Souza, die jedoch leider auch aufgrund des schwachen Skripts extrem blass bleibt. Insgesamt hat es den Anschein, als ob man eine reguläre Episode auf Special-Länge gestreckt hat und zugleich noch unnötiges Budget loswerden musste, da die Wüstenszenen in Dubai gedreht wurden. Nun ist England nicht für seine Wüstenlandschaften bekannt, weswegen die Reise durchaus Sinn macht. Wenn man allerdings bedenkt, dass Dubai nur wegen seiner Wüste gewählt wurde, aber keine anderen lokale Sehenswürdigkeiten eine Rolle spielen, fragt man sich, ob es nicht auch der "Doctor Who"-übliche Steinbruch getan hätte. Selbst Barcelona in der Folge "Die zwei Doktoren" aus dem Jahr 1985 hatte als Stadt mehr Präsenz zu verzeichnen.
Als Extra hat es diesmal leider nur das Confidential auf die blaue Scheibe geschafft.

Der rote Garten (The Waters of Mars, Herbstspecial 2009)
Der Doktor landet auf dem Mars des Jahres 2059, wo er die erste menschliche Kolonie unter dem Kommando von Captain Adelaide Brooke (Lindsay Duncan) entdeckt. Dabei wird ihm bewusst, dass die Ansiedlung kurz vor der Zerstörung steht, wobei alle menschlichen Bewohner sterben werden. Eigentlich müsste der Doktor dies verhindern können, doch bei der kommenden Katastrophe handelt es sich um einen festen Punkt in der Zeit, der unter keinen Umständen verändert werden darf. Während das drohende Unheil immer näher rückt, steht der Doktor vor einer seiner schwersten Entscheidungen.

In der letzten regulären Geschichte vor David Tennants Abschied darf Lindsay Duncan (unter anderem bekannt aus der HBO-Serie "Rom") an der Seite des Doktors stehen, wobei sie keine schlechte Figur macht. Allerdings ist ihr Charakter auch nicht die übliche Begleiterin, sondern die Kommandantin einer zum Tode verurteilten Mars-Kolonie. Gerade der moralische Konflikt des Doktors, ob er den Kolonisten nun helfen darf oder nicht, wird hier sehr schön thematisiert, da man den Hauptcharakter nur selten in dieser extremen Art von Zwiespalt erlebt. Allerdings tut Russell T. Davies seinem Hauptdarsteller auch hier keinen Gefallen, wenn er ihm die Arroganz des "siegreichen Timelords" verpasst, die dem Doktor nicht wirklich gut zu Gesicht steht. Insgesamt handelt es sich bei „Der rote Garten“ um eine Geschichte, die eine gute Idee zur Grundlage hat, allerdings auch die im Drehbuch zu verantworteten Schwächen um den Charakter des zehnten Doktors deutlich zutage treten lässt.


Das Ende der Zeit Teil 1 und 2 (The End of Time Part 1 and 2, Weihnachtsspecial 2009 und Neujahrsspecial 2010)
Ood Sigma hatte den Doktor wiederholt gewarnt, dass sein Lied enden werde. Lange hat sich der Time Lord seinem Schicksal entzogen, doch nun begibt er sich zum Planeten der Ood, um mehr über sein Ende zu erfahren. Dabei erfährt er, dass nicht nur sein Leben auf dem Spiel steht, sondern das Ende der Zeit an sich. Herbeigeführt werden soll dies von seinem Erzfeind, dem Master (John Simm), der eigentlich in den Armen des Doktors gestorben war. Doch ein Kult auf der Erde macht sich daran, den abtrünnigen Time Lord wiederzuerwecken. Gemeinsam mit Wilf (Bernard Cribbins), Donnas Großvater, nimmt der Doktor den Kampf gegen sein Schicksal und das des gesamten Universums auf. Noch ahnt er nicht, dass hinter allem ein Plan der Time Lords steckt, die sich und ihren gesamten Planeten aus dem Zeitkrieg retten wollen – auf Kosten aller übrigen Lebewesen des Universums.

Für das Finale des zehnten Doktors hatte Drehbuchautor und ausführender Produzent Russell T. Davies etwas wahrhaft Episches geplant: Die Time Lords, für deren Vernichtung der Doktor selbst verantwortlich war, sollten zurückkehren und dabei gleich die ganze Erde bedrohen. Für die Rolle des diabolischen Time Lord-Präsidenten Rassilon konnte sogar Ex-Bond Timothy Dalton gewonnen werden, der den Charakter mit shakespearescher Rücksichtslosigkeit ausspielt. Außerdem wurde Bernard Cribbins, der sich in der vierten Staffel durch seine Darstellung als Donna Nobles Großvater in die Herzen der Fans gespielt hatte, endlich der lange verdiente Status als Begleiter des Doktors verliehen. Leider bleiben das die beiden Höhepunkte des finalen, zweiteiligen Specials, über den Rest sollte man besser den Mantel des Schweigens hüllen. Enthielten die letzten drei Specials kleinere Absurditäten wie den Cyberriesen, einen fliegenden Bus oder die flammenden Reifenspuren des Roboters auf der Marsoberfläche, über die man mit viel Wohlwollen hinwegsehen konnte, besticht "Das Ende der Zeit" durch die völlige Abwesenheit eines Plots und dessen Ersetzung durch hanebüchene Ideen aus – so scheint es – Russell T Davies' Restekiste.
Nachdem die Figur des Masters im Finale der dritten Staffel bereits zur Witzfigur degradiert wurde, durfte John Simm nun als menschenfressender Pseudo-Zombie auftreten, der alle Menschen in Kopien seiner selbst verwandelt will. Wieso? Irrelevant!
Joshua Naismith, der menschliche "Neben"-Bösewicht, ist im Besitz eines außerirdischen "Unsterblichkeitstors" und lässt den Master wiedererwecken. Welchen Zweck verfolgt er damit? Irrelevant! Welche Funktion hat dieses Tor? Keine erkennbare – also irrelevant!
Das große Problem von "Das Ende der Zeit" ist, dass die Geschichte keine logisch erkennbaren Plot besitzt, sondern lediglich ein Schaulaufen der populärsten Elemente von "Doktor Who" unter der Federführung von Russell T. Davies darstellt. In dieselbe Kerbe schlägt die Präsenz von Donna, die sich ja an die Ereignisse mit dem Doktor nicht mehr erinnern kann, sowie die Cameo-Auftritte diverser ehemaliger Begleiter des zehnten Doktors. Die Erlösung folgt schließlich erst, als dieser regeneriert und Matt Smith in der TARDIS steht. Aber das sind leider nur die letzten zwei Minuten des 135 Minuten langen Specials.

Von der technischen Seite betrachtet, kann diese Blu-ray-Box auf ganzer Linie überzeugen, da "Doktor Who" ab 2Planet der Toten" speziell für hochauflösendes Fernsehen aufgezeichnet wurde. Die deutsche Tonspur ist für Fans des Originals zwar gewöhnungsbedürftig, doch wurden fast durchgängig passende Sprecher für die einzelnen Rollen ausgewählt, wenngleich natürlich die Besonderheiten der unterschiedlichen britischen Akzente im grauen Einheitsdeutsch untergehen müssen.

Eine klare Empfehlung für dieses Set abzugeben, ist schwierig, da die Meinung der Fans der Serie hier sehr gespalten ist. David Tennant ist bewiesenermaßen kein schlechter Schauspieler und man merkt ihm die Leidenschaft für die Rolle in jeder Minute an. Doch krankt seine Inkarnation des Doktors von Anfang an daran, dass ihm die Drehbuchschreiber, allen voran Russell T. Davies, keine klare Kontur verliehen haben. Der zehnte Doktor hat den Charakter, den die entsprechende Geschichte benötigt – von quietschvergnügt und flippig über zu Tode betrübt bis hin zum arroganten, siegreichen Time Lord, eine Charakterisierung, die dem Grundgedanken des Doktors eindeutig widerspricht. Ein weiterer Makel der Geschichten liegt darin, dass Russell T. Davies scheinbar bemüht war, die Specials noch epischer als seine Vorgänger zu machen, was stellenweise zu absurden und hanebüchenen Plotideen geführt hat. Seinen Höhepunkt erreicht dieses Konzept in "Das Ende der Zeit", wo nicht einmal mehr geleugnet wird, dass der Master oder das Unsterblichkeitstor bloße MacGuffins ohne Sinn und Zweck sind.
Wer also ein Fan von Tennant und seinem zehnten Doktor ist, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Wer sich aber von "Doctor Who" mehr erwartet als coole Effekte und eine lose zusammengezimmerte Geschichte, der sollte sich nur die Regenerationsszene im Internet anschauen und gleich mit der fünften Staffel und Matt Smith als elftem Doktor weitermachen.

Markus Goedecke



Blu-ray Disc | Disc-Anzahl: 5 | EAN: 4006448361853 | Erschienen: 23. November 2013 | FSK: 12 | Laufzeit: 305 Minuten | Originaltitel: Doctor Who - The Complete Specials | Preis: 39,99 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch, Englisch | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Englisch

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