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 Das Los

Autoren: Tibor Rode
Verlag: Bastei Lübbe

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Dein ganzes Vermögen als Einsatz für einen Gewinn von unermesslichem Wert - alles oder nichts: Viele Menschen würden sich bei einem solchen Angebot dankend abwenden, zu groß und zu unwägbar scheint das Risiko. Für die vier sehr unterschiedlichen Menschen, die genau dieses Angebot von einem mysteriösen Mann in Mönchskutte erhalten, ist es aber ein unwiderstehlicher Nervenkitzel, ein lebensrettendes Angebot - oder die letzte Möglichkeit, die eigene Haut zu retten.

Die professionelle Pokerspielerin Trisha steht in Las Vegas vor den Trümmern ihres jungen Lebens: Ihr Freund hat sie betrogen, sie hat ihre Eltern hintergangen und ihre Karriere läuft alles andere als gut. Als sie die Chance erhält, ihr komplettes Vermögen als Einsatz auf ein uraltes Los zu setzen, erwacht in Trisha die Zockerin ...

Der Inder Pradeep lebt in einem Slum in Mumbai und hat in seinem Leben keine Reichtümer besessen - ganz im Gegenteil, seine kleine Tochter ringt mit dem Tod, weil sie schwer an Malaria erkrankt ist; seine spärlichen Ersparnisse hat er verloren. Für Pradeep birgt das Alles-oder-Nichts-Los, das ihm offeriert wird, die Chance auf ein völlig neues Leben für sich und seine Familie ...

Der skrupellose New Yorker Finanzhai Carter Fields hat das Vermögen seiner Klienten komplett verzockt, er hat Schulden in Milliardenhöhe und keine Chance, sie zu bedienen. Schon mit einem Bein im Knast nimmt er das sagenhafte Angebot einer Lotterie mit einem Preis von unermesslichem Wert ohne zu zögern an ...

Henri sitzt wegen Betrugs im Hamburger Knast Santa Fu ein. Als ihn eines Tages ein Mönch im Gefängnis besucht und ihm die Teilnahme an einer jahrhundertealten Lotterie anbietet, schlägt Henri ein - schließlich hat er kein nennenswertes Vermögen, was er verlieren könnte. Oder vielleicht doch?



Zunächst auf verschlungenen Pfaden folgt der Leser von Tibor Rodes neuem Roman fünf verschiedenen Handlungssträngen. Vier davon spielen in der Gegenwart und handeln, verteilt über den gesamten Erdball, von den vier sehr unterschiedlichen Personen, denen die Teilnahme an einer uralten und sehr mysteriösen Lotterie angeboten wird. Der Einsatz ist nicht weniger als ihr gesamtes Vermögen - der Gewinn ist unbekannt, soll aber von "unermesslichem Wert" sein.
Der fünfte Erzählstrang versetzt den Leser 300 Jahre zurück in die Vergangenheit nach Preußen, wo der Italiener Giovanni Antonio Calzabigi mit Billigung von König Friedrich II. gerade das Lotteriespiel einführt. Dies ist historisch verbürgt und der Autor nutzt die hochinteressanten Ereignisse geschickt, um daraus eine fesselnde Erzählung zu machen. Mit Calzabigis gewagtem Geschäftsmodell nimmt das Unheil für die Romanfiguren seinen Lauf. Am Ende der Erzählung laufen dann alle fünf Stränge zusammen und endlich erfahren der Leser und die Lotterie-Teilnehmer, was der ominöse Gewinn von "unermesslichem Wert" eigentlich ist - und der fällt natürlich ganz anders als erwartet aus.

Tibor Rode lässt in "Das Los" ganz unterschiedliche Varianten von Glücksspiel, von Alles-oder-Nichts-Wagnissen, von Gewinn und Verlust einfließen und dies macht die Geschichte so reizvoll zu lesen. Während für eine Protagonistin das Spiel um hohe Einsätze vor allem Nervenkitzel bedeutet, eine Sucht, von der sie nicht loskommt, stehen für einen anderen gleich seine komplette Existenz und sein Leben auf dem Spiel. Freud und Leid liegen in "Das Los" eng beieinander und in vielen Fällen bedeutet der Gewinn kein Glück, sondern das Schicksal schlägt erst dadurch um so umbarmherziger zu. Diese verschiedenen Aspekte von Losglück und -pech, von niedrigen bis existenziellen Einsätzen sind abwechslungsreich und spannend in die Geschichte eingeflochten und lassen den Leser immer wieder innehalten und sich fragen, zu welchem Einsatz und unter welchen Voraussetzungen er selbst ein solches Wagnis eingehen würde.
Die Handlung selbst ist flüssig erzählt und unterhält durchgängig gut, gegen Ende häufen sich allerdings unglaubwürdige Ereignisse und zum Showdown hin wirkt alles ziemlich gehetzt.

Insgesamt ist "Das Los" ein spannendes Buch mit einer reizvollen Idee, die auf historischen Tatsachen beruht. Unterhaltsam und originell - der Hinweis "Thriller" auf dem Cover ist allerdings irreführend.

Eine Leseprobe gibt es hier auf der Website des Verlags.

Christina Liebeck



Hardcover | Erschienen: 13. März 2014 | ISBN: 978-3431038934 | Preis: 19,99 Euro | 640 Seiten | Sprache: Deutsch

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