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 Cyrano von Bergerac


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Extras
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Ton


Cyrano von Bergerac ist eine Legende. Gegner braucht der unnachahmliche Degenfechter nicht zu fürchten, er scheint unbesiegbar, beinahe mythisch überlegen zu sein. Doch wahrhaft meisterhaft ist seine wahre Leidenschaft, die Dichtkunst. Niemand vermag seinen Versen etwas entgegen zu setzen. Und wenn er wutentbrannt eine Theatervorführung stürmt und seine Verse dem Publikum und den seiner Meinung nach nichtsnutzigen und unfähigen Schauspielern entgegenschleudert, tobt der Saal.
Doch hinter dem ruppigen Äußeren und dem herrischen Gebaren steckt ein weiches Herz. Es gehört der Poesie und seiner Nichte Roxanne. Doch er wagt es nicht, ihr seine Liebe zu gestehen, denn sein Gesicht ist entstellt durch eine riesige Nase. So stürmt er lieber des Nachts los und tötet in seiner Wut über die eigene Unzulänglichkeit Hunderte Gegner. Wie im Rausch kämpft er, um zu sterben, und ist doch unbesiegbar.
In dieser Situation wagt es ein neuer Degenfechter, ihn herauszufordern. Zur Überraschung, ja maßlosen Verwunderung seiner Mitstreiter tötet er den Widersacher nicht in wenigen Sekunden, sondern lässt sich gar verspotten. Auch Bemerkungen über seine Nase, die der junge Mann ausstößt, begegnet er nicht mit Stahl, sondern mit Gleichmut und Desinteresse.
Sein Innerstes aber ist zerrissen und vernichtet, denn seine geliebte Roxanne hat ihm gestanden, dass sie sich unsterblich in den schönen jungen Christian verliebt hat, eben jenen vorlauten Nebenbuhler, den Cyrano nun verschonen muss. Denn er liebt Roxanne so sehr, dass er selbst lieber in den Tod geht, als ihr ein Leid anzutun. Und ihren Geliebten zu töten wäre für sie wohl ein schlimmes Leid. Einziger Makel des schönen Christian ist sein tumbes Wesen. Er vermag nicht die kleinste Zeile zu erdichten und Lyrik bedeutet ihm nichts. Doch Roxanne will umworben werden. Sie will unsterbliche Verse vernehmen und ist nur bereit sich hinzugeben, wenn ihr Geliebter ihren Verstand mit geistreicher Anmut in Wort und Vers umnebelt. So erniedrigt sich Cyrano in seiner Liebe zu Roxanne noch weiter; er schreibt und dichtet für Christian, um ihm und damit Roxanne zu ihrem Glück zu verhelfen.
Innerlich zerbricht Cyrano an seiner Pein. Doch die Liebenden werden getrennt, und Krieg und Tod tritt zwischen sie.

Was für ein Epos. 138 Minuten lang wurde dieses fantastische Meisterwerk von Jean-Jacques Rappeneau. Der Regisseur scheute weder Kosten noch Mühen, um ein unvergleichliches Kinowerk zu schaffen. Die Massenszenen im zweiten Akt sind unvergesslich schön und grausam zugleich. Das tragische Drama um den berühmtesten Franzosen und Dichter Cyrano de Bergerac, der zudem durch seine lose Klinge enormen Ärger auf sich zog, wurde derart spannend inszeniert, dass einem oft genug der Atem stockt. Zudem ist die Tragik seiner unerfüllten Liebe so schön und herzzerreißend dargestellt, dass man schon einige Taschentücher braucht, um den Film zu überstehen. Wunderschön und unnahbar ist Anne Brochet die Idealbesetzung der Roxanne. Sie ist in ihrer edlen Liebe zu Cyrano und ihrer Verzweiflung über Christian so unvergleichlich perfekt, dass sie einen Oscar verdient hätte. Doch mit Hollywood hat dieser Film rein gar nichts zu tun. Er ist auf einem anderen Stern entstanden.
Niemand hätte es für möglich gehalten, aber gerade der enorme Mut, einen Film von der ersten bis zur letzten Minute in Alexandrinern, also in Versform zu inszenieren, macht ihn zu einem filmischen Genuss und zu einem unübertroffenen Meisterwerk der Filmgeschichte.
Das gilt sowohl für die deutsche Synchronisation, die Verse von wundervoller Leichtigkeit präsentiert, als auch in großem Maße für das französische Original. Die schwingende und der Poesie und Liebe so zuträgliche französische Sprache wird in dieser Versform zu einem eigenen Kunstwerk. Wer der Sprache mächtig ist, sollte sich unbedingt die Originalfassung anhören, sie ist unerreicht. Selbst wer wenig oder nichts versteht, sollte sich diese Tonspur zu Gemüte führen, sie klingt wie ein Lied aus einer anderen Welt.
Leider ist das Bild der DVD nicht sehr scharf und die Farbbrillanz könnte besser sein. Unverständlich, denn die Kinofassung glänzt gerade in diesen Bereichen, und Produktionsjahr des Films ist 1990, also kein Grund, hier zu schludern.
Auch die Untertitel sind zwingend im Bild, wenn man die Originalfassung ansieht - ein schweres Manko und nicht zu entschuldigen.
Doch die beeindruckende Leistung von Gérard Depardieu muss man gesehen haben. Er ist Cyrano! Nie wieder habe ich diesen Schauspieler so grandios, so echt, so perfekt bewundern können wie in diesem Film. Eine absolute Glanzleistung des großen Franzosen.

Stefan Erlemann



DVD | Disc-Anzahl: 1 | Erschienen: 1. Juni 2002 | FSK: 12 | Laufzeit: 138 Minuten | Originaltitel: Cyrano de Bergerac | Preis: 13,95 Euro | Untertitel verfügbar in: Deutsch | Verfügbare Sprachen: Deutsch, Französisch

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