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 Kunst und Alchemie

Das Geheimnis der Verwandlung


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Häufig wird die Alchemie auf die Jagd nach dem Stein der Weisen, die Umwandlung von unedlen Metallen in Gold reduziert. Eine Ausstellung im Museum Kunstpalast, Düsseldorf - bis zum 10. August 2014 zu sehen -, zeigt auf, wie vielseitig und komplex diese Wissenschaft wirklich war und welche Wechselwirkungen mit der Kunst sie einging. Der hier besprochene Katalog zur Ausstellung ist im Verlag Hirmer erschienen.
Auf Grußwort, Vorwort und Einführung folgt der eigentliche Katalogteil mit den Kapiteln "Geschichte der Alchemie", "Geheime Sprache", "Alchemielaboratorien", "Chemie und die Künste", "Gotteshandwerk", "Das große Werk", "Surrealismus" und "Zeitgenössische Kunst". Zu Beginn jedes Kapitels finden sich ein oder zwei Essays, die zahlreiche Informationen und Eindrücke zum Thema anbieten. Der Anhang umfasst ein Glossar, ein Verzeichnis der Exponate, Literatur zu den Katalogeinträgen, ausgewählte Literatur sowie die weiteren üblichen Angaben.

Bereits 2012 ist im selben Verlag ein Band zur Alchemie erschienen, der sich jedoch primär mit den wissenschaftlichen Aspekten auseinandersetzte und nicht mit den Interaktionen zwischen Alchemie und Kunst. Die Düsseldorfer Ausstellung und der dazugehörige Katalog bieten einen nur auf den ersten Blick verblüffenden Brückenschlag: Selbstverständlich waren Alchemie-Labore, aber auch die philosophischen Inhalte und Symbole künstlerische Themen, und es dürfte wenig erstaunen, dass sich gerade die Surrealisten mit großem Interesse des Aspekts der Verwandlung annahmen.
Das Buch besticht durch einen logischen Aufbau, dessen roter Faden sich an die Chronologie anlehnt, dabei jedoch auch Themenschwerpunkte setzt. Es wurde Wert auf unmittelbare Bezüge zwischen den Essayinhalten und den Exponaten gelegt, sodass einige Abbildungen von Ausstellungsstücken in die Texte eingebunden sind, während sich andere, mit detaillierten Erläuterungen versehen, an die Essays anschließen.
An Vielseitigkeit sind die aufgegriffenen Aspekte kaum zu übertreffen, dennoch bleibt der enge Bezug zur Alchemie durchgehend erhalten; wo nötig, werden Sachverhalte wie das antike Verständnis von Stoffen und Elementen kurz erläutert. Grundwissen wird kaum vorausgesetzt. Alle Essays bieten eine ansprechend aufbereitete Fülle an interessantem Wissen. Auch die Exponate umfassen ein sehr breites Spektrum. So rangieren etwa die Bilder von Laboratorien zwischen sachlicher Dokumentation und schwarzhumoriger Satire. Werke, die zeigen, wie von der Gier nach Gold besessene Familienväter ihre Familien und sich selbst um Hab und Gut bringen, lassen im Betrachter Bestürzung aufkommen, über andere kann man schmunzeln, weitere wecken sachliches Interesse. Nicht zuletzt fesselt jedoch die ungebrochene Faszination, die die Alchemie über Jahrhunderte ausgeübt hat und auch Künstlern der letzten Jahrzehnte wie Sigmar Polke, Joseph Beuys und Anselm Kiefer Anregung und Motive bot und bietet.
Ideal spielen in diesem Buch Texte und Abbildungen, Informationen und Exponate zusammen. Detailreiche, großformatige Werke erhalten ausreichend Raum; alle Exponate werden in angemessener Größe präsentiert. Auch Papier- und Druckqualität überzeugen, allerdings kann es je nach Lichteinfall bisweilen zu etwas störenden Reflexionen kommen.
Ein aufwändiges Werk, das begeistert, auch völlig unabhängig von der Ausstellung, zu deren Besuch es freilich verlockt.

Ein Blick ins Buch wird auf der Verlagsseite zum Buch angeboten.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 1. April 2014 | ISBN: 9783777421988 | Preis: 39,90 Euro | 280 Seiten | Sprache: Deutsch

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