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 Die wundersame Geschichte der Faye Archer

Autoren: Christoph Marzi
Verlag: Heyne

Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Die Musikerin Faye Archer arbeitet in einem kleinen Buchladen in New York. Eines Tages vergisst ein Kunde sein Skizzenbuch im Laden und sie macht ihn über Facebook ausfindig. Obwohl sie sich bisher noch nicht persönlich getroffen haben, entwickelt sich zwischen ihr und Alex Hobdon eine intensive E-Mail-Freundschaft. Doch bald hat sie Bedenken, ob wirklich alles, was er ihr schreibt, der Wahrheit entspricht. Faye möchte Alex bei einem Treffen mit ihren Zweifeln konfrontieren, aber sie wird von ihm versetzt.

Alex versucht als Comiczeichner zum Erfolg zu kommen, sein großer Plan ist es, "Frühstück bei Tiffany" als Graphic Novel herauszubringen. Als Grund für seine Liebe zu Truman Capotes Novelle nennt er die Hauptfigur Holly Golightly, die er als Sinnbild für den Traum von Freiheit, den jeder Mensch irgendwann einmal geträumt hat, sieht. Bedauerlich, dass seine Figur selbst oberflächlich bleibt, was darauf zurückzuführen ist, dass Alex selten aktiv in Erscheinung tritt.
Faye, eine sympathische Figur mit einer Neigung zu Selbstgesprächen, ist, wie mehrmals betont wird, eine leicht chaotische Künstlerin. Sie kleidet sich gerne bunt - am liebsten rot mit weißen Punkten -, liebt alte Gegenstände, wie ihr Telefon mit Schnur, und vergisst permanent, wohin sie ihren Haustürschlüssel gelegt hat. Besonders erfolgreich ist sie nicht, dennoch komponiert sie mit Hingabe alle Stücke, die sie als Holly Go!, ebenfalls eine Anspielung auf Holly Golightly, am Klavier vorträgt selbst, und verarbeitet in ihnen ihre eigenen Erfahrungen.
Eine der prominentesten Nebenfiguren ist Fayes Chef Mica Sagong, der hauptsächlich als ihre moralische Unterstützung und Stichwortgeber für fernöstliche Lebensweisheiten fungiert, womit er perfekt dem Klischee eines Shaolin-Mönchs und Yogalehrers entspricht.

Christoph Marzis schlichter Schreibstil ist Geschmackssache. Von ihm lieb gewonnene Sätze oder Zitate werden im Laufe der Erzählung mehrfach wiederholt. In den Dialogen seiner Figuren fallen häufig für sie charakteristische Phrasen und Gemeinplätze, Offensichtliches wird gerne nochmals erwähnt. Wen das nicht stört, bekommt mit "Die wundersame Geschichte der Faye Archer" einen fantasievollen Roman, dem Marzis Liebe zu Büchern und zur Musik in fast jedem Absatz zu entnehmen ist.

Obwohl die Handlung nach einem typischen Liebesroman klingt, wird spätestens beim Blick auf den Autor klar, dass der Leser mehr erwarten kann. Denn seinen Durchbruch schaffte Christoph Marzi mit dem Fantasy-Roman "Lycidas". Auch wenn diese Erzählung nicht mit dem Erstlingswerk zu vergleichen ist, verzichtet Marzi nicht ganz auf fantastische Elemente.

Während zu Beginn die Handlung nur zögerlich in Schwung kommt, endet die Geschichte umso abrupter. Zwar ist das eigentliche Ende vorhersehbar, aber der Weg dorthin ist die Überraschung. Desto bedauerlicher ist es, dass eine Erklärung, warum Faye Archer so eine "wundersame Geschichte" erlebt, ausbleibt. Die beiden Protagonisten mögen sich damit abfinden, der Leser aber bleibt unbefriedigt zurück, zumal der Eindruck entsteht, der Autor wolle lediglich seine Erzählung zu Ende bringen.

Fazit: "Die wundersame Geschichte der Faye Archer" ist eine Liebesgeschichte im typischen Schreibstil von Christoph Marzi mit einem im wahrsten Sinne des Wortes fantastischen, aber auch abrupten Ende.


Eine Leseprobe ist auf der Verlagsseite zu finden.

Annika Schukies



Taschenbuch | Erschienen: 12. August 2013 | ISBN: 9783453529922 | Preis: 14,99 Euro | 384 Seiten | Sprache: Deutsch

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