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 Kahlschlag


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Sunset Jones hat ihren Mann Pete umgebracht. Nicht, dass er es nicht verdient hätte. Pete war ein Schläger und Vergewaltiger und nun hat Sunset dem ein Ende gesetzt. Dummerweise war er der Sheriff.
Daher überrascht es, dass sich ihre Schwiegermutter auf ihre Seite schlägt und sie als Nachfolgerin für das Amt des Sheriffs vorschlägt. Da dieser das örtliche Sägewerk gehört, folgen die Arbeiter ihren Anweisungen und flugs hat Sunset einen neuen Job. Schnell überrascht sie die Bevölkerung positiv, indem sie ernsthaft an die Arbeit geht. Als dann aber zwei Leichen gefunden werden, steckt sie knietief in Problemen.

Das Osttexas in den dreißiger Jahren ist kein guter Ort für Frauen. Das Gleiche gilt für Schwarze oder für arme Leute. Nein, das Texas, in dem die Geschichte spielt, ist ein ungerechter, gesetzloser Ort. Jeder hat Dreck am Stecken, jeder ist sich selbst der Nächste und menschliche Tugenden sind Mangelware. So sind fast alle Einwohner Camp Raptures gebrochene Figuren, die am Leben gescheitert sind und nicht mehr auf die Zukunft hoffen können. Manche von ihnen geben einfach auf, und wenn sie doch leben, dann aus purem Trotz, so scheint. Das ist ein schwarzes, zynisches Bild, das Lansdale da malt und es erstaunt, dass Sunset und die anderen Bewohner von Camp Rapture manchmal doch das kleine bisschen Mut aufbringen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Die schöne, rothaarige Sunset zum Beispiel wollte nie eine Heldin sein, aber als sie die Chance bekommt, da will sie Gerechtigkeit, für ein getötetes Kind, für die Schwachen und diejenigen, die freundlich zu ihr waren. Dabei begegnet sie jedem mit Respekt, ungeachtet seiner Hautfarbe und findet tatsächlich Menschen, die sie unterstützen wollen. Dass sie dabei glaubhaft bleibt, liegt an dem gradlinigen, schnörkellosen Stil des Autors, mit dem er es schafft, so wunderbar lakonische, trockene Figuren zu erschaffen. Gefühlsausbrüche braucht niemand in der Geschichte zu erwarten, Selbstmitleid ist nicht Lansdales Sache und er lässt sie auch bei seinen Protagonisten nicht zu. Jedoch wird der Leser förmlich dazu aufgefordert, mit Sunset und ihrer Familie mitzufühlen und sich auf sie einzulassen. Das gelingt sehr gut und schnell, denn die Sympathien sind klar verteilt, aber der Autor macht es seinen Lesern nicht leicht. Die Handlung steckt voller Wendungen und einige unverhoffte Finten sorgen dafür, dass es spannend bleibt.
Wer Joe Lansdale liest, muss sich auf Kraftausdrücke, Schimpfwörter und blanken Zynismus einlassen. Dafür wird er mit wunderbar lebendigen Romanfiguren und gekonnten Dialogen belohnt. "Kahlschlag" ist nicht nur ein Buch für Krimileser, sondern auch für Freunde gut geschriebener Geschichten und ungewöhnlicher Helden, die allerdings bei harten Worten nicht empfindlich sein dürfen.


Auf der Verlagsseite findet sich eine Leseprobe.

Iris Jockschat



Taschenbuch | Erschienen: 10. Dezember 2012 | ISBN: 978-3518463987 | Originaltitel: sunset and sawdust | Preis: 9,99 Euro | 460 Seiten | Sprache: Deutsch

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