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 Die Experimentelle Philosophie in der Diskussion


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Preis - Leistungs - Verhältnis
Philosophie findet vor allem am Schreibtisch und in Seminaren statt. Nachdenken und Diskussion sind Hauptbeschäftigungen des Philosophen. Doch seit einigen Jahren gibt es unter einigen Philosophen auch den Trend empirische Forschung zu betreiben und für die Theorien zu benutzen. Der Sammelband "Die Experimentelle Philosophie in der Diskussion" will einen Einblick in diesen Trend geben.

Der über 350-seitige Sammelband versammelt ein Dutzend Beiträge namhafter Philosophen, die für und wider empirische philosophische Studien streiten. Nach einem Vorwort führen die Herausgeber mit einem langen Aufsatz in die Problematik und Entwicklung experimenteller Philosophie ein. Danach folgen in einem ersten Abschnitt fünf Aufsätze der vergangenen Jahre, die die Diskussion um dieses Thema beflügelt haben, dem folgen sechs Beiträge, die für diesen Band entstanden sind.

Thomas Grundmanns, Joachim Horvaths und Jens Kippers Sammelband "Die Experimentelle Philosophie in der Diskussion" gibt einen durchaus interessanten Einblick in die Frage, ob Philosophie durch empirische Studien methodisch erweitert werden sollte oder nicht. Es fällt allerdings auf, dass diese Frage in dem Band nur für wenige Bereiche der Philosophie gestellt wird und mit "experimenteller Philosophie" hauptsächlich Befragungen von Probanden zu Begriffsverständnissen oder moralischen Überzeugungen gehören. Der Titel suggeriert hier vielleicht mehr für einen nicht im Thema befindlichen Leser als im Buch steckt.

Hauptsächlich geht es in diesem Band um Erkenntnistheorie, es kommen aber auch Ethik und in wenigen Beiträgen auch Sprachphilosophie und Phänomenologie vor. In den meisten dargestellten Fällen geht es vor allem darum, durch Befragung von Probanden herauszufinden, ob das Verständnis bestimmter Begriffe von Philosophen überhaupt dem allgemeinen Verständnis dieser Begriffe entspricht und wenn nicht, was das für Folgen für ihre Argumente hat. So zeigt sich beispielsweise durch Studien, dass der Begriff Wissen anscheinend in verschiedenen Kulturen verschieden aufgefasst wird. Haben die Philosophen hier ein besseres Verständnis, das sie durch die Legitimation ihrer Profession aufrecht erhalten können, oder müssen sie zur Kenntnis nehmen, dass es unterschiedliche Intuitionen zu diesem Begriff gibt?

Wer an analytischer Philosophie interessiert ist, wird die Diskussion in diesem Band anregend finden. Eine große Anzahl insbesondere epistemologischer Begriffe wird vor dem Hintergrund experimenteller Philosophie diskutiert. Die Beiträge zeigen, dass diese Diskussion erst am Anfang steht und noch keine abschließende Antwort gegeben werden kann, inwiefern philosophische Intuitionen in der analytischen Philosophie empirischen Erkenntnissen weichen oder sie zumindest ergänzen sollten. Anderweitig interessierte Philosophen finden wahrscheinlich weniger für sie Interessantes in diesem Band. Dabei ist die Frage, ob nicht auch andere Strömungen der Philosophie ebenfalls durch empirische Methoden erweitert werden müssten, nicht uninteressant.

Allerdings stellt sich auch die Frage, ob die Philosophie in der Vergangenheit tatsächlich keine Empirie für sich nutzbar gemacht hat. Viele Philosophen berücksichtigen die Ergebnisse anderer, empirisch arbeitender Wissenschaften für ihre Arbeiten. Wenn experimentelle Philosophie nur bedeutet, Probanden auf Begriffe und Situationen reagieren und Fragebögen ausfüllen zu lassen, also Methoden der Psychologie und Soziologie anzuwenden, dann fragt es sich, ob hier überhaupt von einer empirischen Philosophie die Rede ist. Letztlich scheint es auch in diesem Band nur darum zu gehen, andere Wissenschaften als Hilfswissenschaften heranzuziehen, so wie es viele Philosophen schon immer gemacht haben, nur dass dieses Mal der Philosoph selbst die Fragen stellt. Eine eigenständige empirische Methodik der Philosophie wird hier nicht skizziert.

Dennoch ist der auf hohem philosophischem Niveau gehaltene Sammelband durchaus interessant, vor allem für an analytische Philosophie interessierte Leser. Für diese bietet er einiges!

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagswebsite.

Andreas Schmidt



Taschenbuch | Erschienen: 14. Juli 2014 | ISBN: 9783518296943 | Preis: 18,00 Euro | 354 Seiten | Sprache: Deutsch

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