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 Deutschunterricht in Theorie und Praxis (DTP), Band 6: Sprachreflexion und Grammatikunterricht


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Er ist so etwas wie der "Dino" des Deutschunterrichts. Standhaft trotz er sämtlichen wissenschaftlichen Erkenntnissen und Anpassungen. Ja, der Grammatikunterricht hat sich in den letzten 150 Jahren in der Gesamtheit kaum verändert. Ein kurzer Blick in die Schulbücher oder in die Testaufgaben von DESI, VERA und Co genügt: Grammatikunterricht ist in weiten Bereichen, was er immer schon war - Formenlehre und Begriffsbildung.

Da wirkt das in der Reihe "Deutschunterricht in Theorie und Praxis" erschienene Handbuch "Sprachreflexion und Grammatikunterricht" schon fast wie ein durchgreifender Modernisierungsschub. Denn hier beziehen die Autoren seit Jahren etablierte sprachwissenschaftliche Konzepte in ihre Überlegungen mit ein und erweitern so die Sicht auf Sprache. Sie sind dabei sowohl dem funktionalen als auch dem integrativen Ansatz verpflichtet. Ersteres bedeutet, dass die Autoren des Bandes Sprache primär in ihrer Funktion für kommunikative Zusammenhänge berücksichtigen. Bei zweiterem steht vor allem im Blickpunkt, dass Grammatikunterricht per se keinen Nutzen erfüllt. Erst durch die Verknüpfung mit anderen Lernfeldern des Deutschunterrichts entsteht das besondere Lernpotenzial des Grammatikunterrichts. So kann Grammatikunterricht beispielsweise nicht nur die Rechtschreibkenntnisse verbessern, sondern auch Textproduktion sowie Textverständnis fördern. Neben solchen grundsätzlichen Überlegungen zu Konzeption und Zielausrichtung des Grammatikunterrichts thematisiert der Band weiterhin auch methodische Umsetzungsmöglichkeiten, die im letzten Buchabschnitt auch durch konkrete Unterrichtsmodelle exemplifiziert werden. Da Messungen und Tests auch vor dem Grammatikunterricht nicht halt machen, finden sich außerdem jeweils zwei Beiträge zum Bereich "Erfolgskontrollen/Leistungsmessung" sowie zur "Empirischen Unterrichtsforschung". Abgerundet wird der Band letztlich durch ein kurzes Sachregister.

Schnell wird hier klar: Der Grammatikunterricht in seiner jetzigen Form bedarf grundlegender Veränderungen. In diesem Sinne machen sich die Autoren dieses Handbuches auf den Weg die eingefahrenen Traditionen des Grammatikunterrichts aufzulösen und den Grammatikunterricht neueren Ansätzen zu öffnen. Auf diese Weise werden Phänomene, die aufmerksamen Lehrenden vielleicht schon aufgefallen sind, über die diese jedoch dann letztlich ohne weitere Überlegungen hinweggegangen ist, zu Recht in Frage gestellt. Schließlich gehört das Prädikat nun einmal laut traditionellem Grammatikunterricht zu den Satzgliedern, ganz gleich ob zahlreiche Satzgliedmerkmale hier gar nicht zutreffen. Trotz dieser unzweifelhaften Notwendigkeit, auf derartige Diskrepanzen zu reagieren und entsprechend neuere sprachwissenschaftliche Konzepte für den Schulunterricht fruchtbar zu machen, zeigt sich in dem Buch auch, warum die Praxis so weit zurückhinkt: Viele Ansätze sind zwar in sich deutlich überzeugender als das, was bisher gelehrt wird, doch gleichzeitig auch sehr komplex, so dass sich der Leser immer wieder fragt, wie das Schülern nicht Studenten vermittelt werden kann. Auch wenn sich die Autoren immer wieder bemühen die praktische Umsetzung im Blick zu halten und im letzten Teil sogar dezidierte Unterrichtsbeispiele zu finden sind, insgesamt bleibt der Deutschlehrer skeptisch. Denn vieles ist einfach zu sperrig beziehungsweise komplex und erfordert vor allem eines: das ständige Mitdenken. Letzteres soll Schülern nicht in Abrede gestellt werden, doch einige Vorschläge dürften viele Schüler schlichtweg überfordern. Es sei denn, es lassen sich zukünftig überzeugende didaktische Arrangements entwickeln, mit denen so manche Idee schülergerecht verpackt werden kann.

Gleichwohl hat der Band zwei große Stärken: Er regt zum einen Lehrer an, ihr eigenes Handeln sowie ihre eigenen grammatischen Konzepte bewusst zu machen. Allein dies könnte schon entsprechende gewünschte Veränderungsprozesse im Rahmen des Grammatikunterrichts in Gang setzen. Zum anderen zeigt er auf überzeugende Weise, welch großes Potenzial der Grammatikunterricht in Verbindung mit anderen Lernfeldern des Deutschunterrichts bietet. So bieten zum Beispiel "Konnektoren" eine ideale "Schnittstelle zwischen Grammatik- und Schreibunterricht".

FAZIT: Ein unzweifelhaft weiterführendes und den Horizont erweiterndes Handbuch, das jedoch im Gegensatz zu anderen Handbüchern der Reihe keine schnell umsetzbaren Konzepte bereithält, da allein schon die Lehrpläne nicht auf einen derartigen Grammatikunterricht abgestimmt sind.

Weitere Informationen zum Buch sowie einen Blick ins Inhaltsverzeichnis finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Softcover | Erschienen: 1. Juli 2014 | ISBN: 9783834005052 | Preis: 36,00 Euro | 611 Seiten | Sprache: Deutsch

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