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 Sintflut

Autoren: Nicolas Pona
Illustratoren: Jesus Hervás Millán
Übersetzer: Swantje Baumgart
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Es ist passiert. Das Klima der Erde hat sich verändert, nach Jahrhunderten Regen existiert die Zivilisation, so wie wir sie kennen, nicht mehr. Die gesamte Erdoberfläche liegt unter Wasser und die Menschheit hat sich in zwei Gruppen geteilt: In jene, die Zuflucht bei den Sternen gesucht haben und in Raumschiffen leben und diejenigen, die geblieben und nun in riesigen Unterwasserstädten zu Hause sind.
Beide Gruppen haben nicht mehr viel mit einander gemein und so ist es eine Überraschung, als eines Tages ein Raumschiff auf die Erde niederfällt. Der Nomade Jason will die Gelegenheit nutzen und das Schiff plündern, trifft im Inneren des Schiffes jedoch auf Nomaée, eine geklonte Frau, die eine Mission zu erfüllen hat.
Da sie ihn braucht, lässt sie ihm keine Wahl, er muss sie begleiten. Das tut er zuerst nur widerwillig, aber zögerlich keimt eine Freundschaft zwischen beiden auf.

Dunkel und trostlos ist sie, die neue Welt. Das liegt nicht nur an dem ewigen Regen und den vielen Unterwasserszenen, die natürlich die Gestaltung dieses Comics beherrschen, sondern auch zwischenmenschlich geht es trübe zu. Jason ist der letzte seiner Nomadenfamilie und er hat niemandem, dem er sich verbunden fühlt, außer seinem Schiff, der Charley Patton. Mit dieser ist er gedanklich verbunden, da er ein sogenannter modifizierter Mensch ist, jemand, der genetisch verändert wurde.
Als er auf Normaée trifft, ist er verständlicherweise nicht begeistert, hält sie ihm doch gleich bei der ersten Begegnung eine Waffe an den Kopf. Normaée hat eine Aufgabe, die sie unter allen Umständen erfüllen will und sei es um den Preis ihres Lebens.
Da sind sie nun, die Helden dieses Comics und es fällt schwer, sie augenblicklich zu mögen. Jason ist ein Großmaul, ein Freibeuter, der auf Plünderung geht und der keinen Kontakt zu anderen Menschen will. Normaée ist ähnlich gestrickt, nur ist sie noch viel kompromissloser, was ihren Auftrag angeht. Ihr eigenes Leben zählt nichts und das aller anderen ist ihr auch egal.
Dass diese beiden glaubhaft bleiben, während sie eine vorsichtige Freundschaft knüpfen, ist ein großer Verdienst des Autors Nicolas Pona und seines Zeichners Jesus Hervás Millán. Beide ergänzen sich hervorragend und sind sich bei der Art der Erzählung einig. Sowohl bei den Texten als auch bei den Zeichnungen gibt es keine großen Gefühlsausbrüche. Die Beziehung zwischen beiden Figuren wird sehr zurückhaltend geschildert. Tatsächlich gehen Jason und Normaée sehr ruppig miteinander um, und wenn sie Rücksicht nehmen, dann scheinbar nur widerwillig.
Es braucht eine Weile, bis der Leser hinter die scheinbar knallharte Fassade der beiden blicken darf und die Einsamkeit erkennt, die in dieser Wasserwelt allgegenwärtig ist.
Sowohl Menschen als auch ihre Umgebung verfügen über den abgewrackten Charme der Vergänglichkeit, der diesem Comic die richtige Stimmung verleiht. Dass hier der Untergang naht, ist kaum zu bezweifeln, jedoch kam er selten so kunstvoll daher.
Nicolas Pona und Jesus Hervás Millán haben eine stimmige, spannende Dystopie geschaffen, die unter die Haut geht und deren beinahe in Moll inszenierten Bilder den Leser auf eine düstere Reise mitnehmen, die ihn fasziniert und berührt zurücklässt.


Eine Leseprobe befindet sich auf der Verlagsseite.

Iris Jockschat



Hardcover | Erschienen: 1. November 2014 | ISBN: 978-3-95839-016-4 | Originaltitel: Deluge | Preis: 19,80 Euro | 96 Seiten | Sprache: Deutsch

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