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 Der letzte schöne Tag


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
"Der letzte schöne Tag" scheint für die Familie Langhoff eigentlich ganz normal zu beginnen, Landschaftsgärtner Lars (Wotan Wilke Möhring) ist bei der Arbeit und die beiden Kinder Maike und Piet sind in der Schule. Als Sybille alle drei kurz hintereinander anruft, bemerkt niemand etwas ungewöhnliches, aber als die drei abends nach Hause kommen, ist Sybille verschwunden.

Erst am nächsten Morgen erhält Lars eine mit Zeitverzögerung versandte Mail: Die seit Jahren depressive Sybille, der es allerdings in letzter Zeit besser zu gehen schien, hat sich umgebracht und auf einmal ist nichts mehr, wie es war ...

Manchmal ist es ein wenig bedauerlich, daß im Meer der massenkompatiblen Großproduktionen aus Hollywood andere Filme oft so vollkommen untergehen. Deutscher Film und dann noch "nur" eine TV-Produktion, das zieht oft ganz automatisch nach sich, daß einem solchen Film nur ein recht kleines Publikum beschert sein wird, umso erfreulicher, daß es auch solche Filme gelegentlich auf DVD schaffen wie Johannes Fabricks "Der letzte schöne Tag".

Der Film erzählt quälend lebensecht und auf beinahe schon dokumentarisch anmutende Art, was wohl jeder nach dem Tod eines Angehörigen schon einmal mitgemacht hat: Eigentlich hätte man in seiner Trauer genug damit zu tun, seinen Alltag halbwegs auf die Reihe zu bekommen und die nötigen Formalitäten zu erledigen, aber die Rituale rund ums Thema Sterben, die angesichts der Trauer und des Bemühens, das Leben irgendwie so normal wie möglich weiterzuleben, ebenso zermürbend wie unwirklich wirken, scheinen kein Ende zu nehmen:

Was für eine Grabstätte auswählen, wer spricht bei der Beerdigung, was wird angezogen, wo findet der oft so unsägliche "Leichenschmaus" statt - all das wird so beklemmend realistisch dargestellt, daß man sich so manches Mal fragen möchte, ob man sich einen Film, der für die meisten Zuschauer auch unschöne eigene Erinnerungen wecken dürfte, wirklich antun muss. Aber ganz allmählich zieht einen die Geschichte dennoch in ihren Bann, denn wenn bei Lars und seiner Tochter einzelne Erinnerungsfetzen hochkommen und sich dem Zuschauer daraus allmählich das ganze Maß von Sybilles schweren Depressionen erschließt, stellt man sich unwillkürlich die gleichen Fragen wie die Hinterbliebenen: Wo hätte man stutzig werden sollen, wo anders reagieren, was selber anders machen?

Witwer Lars bringt es an einer Stelle verblüffend simpel auf den Punkt: Wenn ein Angehöriger eines natürlichen Todes stirbt, ändert sich "nur" die Zukunft, bei einem Selbstmord dagegen ändert sich rückwirkend auch die Vergangenheit, weil alles auf einmal in einem anderen Licht erscheint und man sich auch fragt, ob man den Menschen an seiner Seite überhaupt kannte. Von solchen nachdenklich machenden Erkenntnissen bietet der Film einige und wenn Lars, der für sich und die Kinder durch den Wegfall von Sybilles Gehalt auch finanzielle Probleme befürchtet, da die Lebensversicherung bei Selbstmord möglicherweise nicht zahlen wird, einer Kollegin gegenüber die bitter-verzweifelte Frage aufwirft, warum Sybille sich denn nicht "wenigstens" mittels Autounfall hätte umbringen können, um ihm Selbstvorwürfe und finanzielle Probleme zu ersparen, dann ist das wirklich ebenso beklemmend wie bewegend.
Leider jedoch gibt es auch einige nicht besonders gut gelungene Elemente in dem Film, so ist zum Beispiel der große Zusammenbruch des Witwers bei der Beerdigung allzu dick aufgetragen, da wäre weniger und etwas subtiler eindeutig "mehr" gewesen.

Auch das eine oder andere Klischee wird bedient, sei es die etwas bestimmende Schwiegermutter, die ihre Schwiegertochter offenbar schon lange bekrittelt und ihr skeptisch gegenübergestanden hat oder auch die halbwüchsige Tochter, die auf der Suche nach einem Grund für den Selbstmord ihrer Mutter argwöhnt, ihr Vater könnte etwas mit der attraktiven Nachbarin haben und deshalb Front gegen diese macht.
Dennoch bleibt "Der letzte schöne Tag" ein sehr sehenswerter, berührender und solide gespielter Film, der sich eines schwierigen, noch heute weitgehend tabuisierten Themas auf sensible Art annimmt.

Natalie Lang



DVD | Disc-Anzahl: 1 | Erschienen: 19. April 2013 | FSK: 12 | Laufzeit: 90 Minuten | Preis: 9,99 Euro | Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

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