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 Zombies Nechronologien, Band 1: Die Elenden

Serie: Zombies Nechronologien, Band 1
Autoren: Olivier Peru
Illustratoren: Nicolas Petrimaux
Übersetzer: Tanja Krämling
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Zombies haben Europa erobert und überrennen nun die Städte und Dörfer. In Paris sind sie in den Élysée-Palast eingedrungen. Charles, seit Jahren Leibwächter des jeweiligen Präsidenten, tut alles, um seinen Schützling in Sicherheit zu bringen. Je mehr Einblick er aber in die Abwehrmaßnahmen bekommt, umso mehr fragt er sich, ob er das Richtige tut. Dazu kommt, dass in Genf seine Ex-Frau auf ihn wartet. Als sich die Chance ergibt, dorthin zu kommen, macht er sich auf den Weg, um die Katastrophe abzuwenden. Sein Marsch führt ihn durch ein zerstörtes Frankreich, in dem die Menschlichkeit auf viele Arten verloren ging und in dem die Werte, die ihn geprägt haben, nur noch selten zu finden sind.

Schon zwischen 2010 und 2013 schuf Olivier Peru mit "Zombies" eine bemerkenswerte Reihe. Arbeitete er damals mit Sophian Cholet als Zeichner zusammen, so übernimmt bei dem Spin-off "Zombies Nechronologien" Nicolas Petrimaux die Illustrationen, wenn auch das Cover wieder von Cholet stammt.

Der erste Teil "Die Elenden" spielt in Frankreich und der Schweiz. Ob weitere europäische Städte dazu kommen, bleibt abzuwarten.
Peru und Petrimaux ergänzen sich gelungen. Die Texte sind knapp, die Bilder manchmal nahezu spartanisch. Auf Ausschmückungen verzichten sowohl Autor als auch Zeichner weitestgehend. Die Bilder haben wenig Farbe, und wenn es bunt wird, wird es rot. Das passt gut zum Seelenzustand der Hautfigur.
Perus Held ist kein Mann vieler Worte. Charles' Lebensaufgabe ist es, Menschen zu beschützen, dessen ist er sich bewusst. Er strebt nicht nach Macht oder Geld, er braucht ein höheres Ziel, damit sein Leben einen Sinn hat. Mit diesem Ehrbegriff scheint er etwas aus der Zeit gefallen zu sein und sein ehrliches Entsetzen darüber, wie Leute, die er zu kennen glaubte, sich im Angesicht des Untergangs verhalten, vermittelt den Lesern einen intensiven Eindruck davon, wie alles um Charles herum zusammenbricht.
Dass es überhaupt noch Menschen gibt, die sich um andere kümmern und versuchen eine Gesellschaft aufrechtzuerhalten, grenzt an ein Wunder. Auch hier ist die karge Gestaltung der Zeichnungen von Vorteil. Es gibt keine strahlenden Helden, es gibt Überlebende mit harten, kantigen Gesichtern, die ihre Gefühle in sich verschlossen haben, weil sie sonst nicht weiterleben könnten.

Trotzdem findet die Geschichte noch Zeit für ruhige Zwischentöne. Es sind diese kurzen Momente, die der Handlung Wucht verleihen. Inmitten von Chaos und Verzweiflung zeigen sich Größe und Hoffnung, und wenn Hilfe kommt, erfolgt sie von unerwarteter Seite. So sind es auch die Nebenfiguren, die den Lesern unter die Haut gehen und ihnen ans Herz wachsen. Da ist Camille, die alte Dame, die aus tiefster Überzeugung an die Anarchie als Chance glaubt, Bernadi, so feige, dass er wütend macht und ihre Begleiter, die alle verzweifelt versuchen, zu überleben.
Von den Mächtigen hält Peru dagegen offensichtlich nicht viel. Bereits auf den ersten Seiten zieht er über die letzten französischen Präsidenten her, dass denen die Ohren klingen müssten. Unmoralisch, verlogen und ohne Rückgrat porträtiert er sie und scheut sich nicht, sie beim Namen zu nennen. Auch vom Militär erwartet der Autor nicht viel. Zu viele Speichellecker und Zyniker finden sich in seiner Version der zuständigen Armeen.

Nicht zuletzt sind die Zombies eine ständig wachsende Bedrohung, die nie lange im Hintergrund bleibt. Das schafft den Raum für einen herrlich düsteren Comic, in dem die Protagonisten ihren Mut und ihre Zivilcourage zeigen müssen.
Perus Figuren werden mit dem Tod und Schlimmeren konfrontiert und trotz aller menschlicher Schwächen sind sie großartig. Sie müssen über sich selbst hinauswachsen, wenn sie überleben wollen. Nicht alle werden es schaffen und die Leser werden Zeugen sowohl von Gelingen als auch Scheitern.

"Die Elenden" überzeugt mit einer guten, gradlinigen Geschichte und gelungenen Zeichnungen.
Nicht nur Fans der ersten "Zombies"-Reihe werden daran ihre Freude haben.


Wie immer bietet der Splitter Verlag einen Blick ins Buch.

Iris Jockschat



Hardcover | Erschienen: 1. Dezember 2014 | ISBN: 978395830348 | Originaltitel: Zombies Nechronologies: Les Miserables | Preis: 13,80 Euro | 48 Seiten | Sprache: Deutsch

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