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 Die große Macht des kleinen Schninkel

Autoren: Jean van Hamme
Illustratoren: Grzegorz Rosinski
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Der Schninkel J'on überlebt eine der vielen großen Schlachten zwischen den seit Jahrhunderten verfeindeten Unsterblichen auf dem Planeten Daar. Barr-Find, Jargoth und Zembria führen mit ihren Armeen bereits so lange Krieg gegeneinander, dass niemand mehr sich daran erinnern kann, dass auf Daar auch mal Frieden herrschte. Am meisten leidet das Volk der Schninkel unter diesem ewigen Krieg, denn sie werden von allen Seiten versklavt und in den Schlachten verheizt.

Doch als J'on diese eine Schlacht überlebt ändert sich alles. Gott erscheint ihm und gibt ihm den Auftrag, Daar Frieden zu bringen oder es würde zerstört werden. Ohne zu wissen wie, gerät J'on in die Rolle eines Auserwählten. Er trifft G'wel, in die er sich verliebt, die ihn aber nur als den Auserwählten betrachtet, und viele andere Schninkel, für die er die Hoffnung auf ein Leben in Frieden und Freiheit wird. Schließlich müssen sich die drei Unsterblichen verbünden, um J'on zu vernichten und ihre Herrschaft zu sichern ...

Jean van Hammes und Grzegorz Rosinskis "Die große Macht des kleinen Schninkel" ist eine monumentale Erzählung, die Fantasy-Elemente mit religiösen Motiven zu einer epischen Schöpfungsgeschichte verbindet.

Die Geschichte dieser Graphic Novel ist durchaus spannend und wird auch mit einer Prise Humor erzählt. Der kleine Schninkel J'on fühlt sich durchgehend von der gewaltigen Aufgabe, seine Welt zu retten und ihr den Frieden zu bringen, überfordert. Am Liebsten würde er mit G'wel in einer Ecke der Welt ein friedliches Leben führen. Er badet ständig in Selbstmitleid und versucht G'wel dazu zu bewegen mit ihm zu schlafen, weil er Trost benötige. Das ist der Humor in der Geschichte. Gleichzeitig wird er vor gewaltige Aufgaben gestellt, um die Erwartungen als Auserwählter zu erfüllen. Er muss unter anderem gegen Monster kämpfen, einen riesigen Ozean überqueren und die Vorhölle überstehen. Das ist der spannende und epische Teil der Geschichte.

Der hochtrabende Motiv-Mix aus Schicksalträchtigkeit, Sinnfragen und Religionskritik, die dieses Fantasyepos ausmachen, verliert durch J'ons recht einfach gestrickte Bedürfnisse auf geschickte Weise seine Überhöhung. Letztlich braucht es keine aufgeblähten Mythen oder sinngebenden Konstrukte wie Religionen, um ein glückliches Leben zu führen. Es wäre eigentlich ganz einfach ohne diesen ganzen Kram, zumindest aus J'ons Sicht.

So hat der Humor für die Message der Geschichte eine wichtige Funktion, der Humor der beiden Macher des Comics dürfte dabei allerdings nicht jedermanns Sache sein. Im Vorwort zu dieser Ausgabe schreibt Benoît Mochart, dass sich der Zeichner Rosinski aus Geschmacksgründen nicht in Erotismus verlieren würde. Wer diesen Band liest, dem dürfte es schwerfallen, das zu glauben. Ständig begegnen dem Leser barbusige Frauen, J'on begrapscht G'wel, die bei jeder Gelegenheit ihre Kleider verliert, gefühlt auf jeder fünften Seite. Ein Orakel, von dem J'on eine Prophezeiung benötigt, ist nichts als ein Klumpen aus Gliedmaßen, Augen und vor allem: Brüsten. Und natürlich kann es nur orakeln, wenn der Bittsteller mit ihm schläft. Der Humor in diesem Band ist nicht nur von "Erotismus" geprägt, es geht hier schlicht und einfach obszön zu, was nicht jedermanns Geschmack sein dürfte ...

Die Zeichnungen in dieser Graphic Novel korrespondieren hervorragend mit der Geschichte. Schlachten werden in vollen und detaillierten großformatigen Bildern dargestellt. Die Emotionen, insbesondere der kleinen an Hobbits erinnernden Schninkel werden in eindrücklichen Gesichtsausdrücken vermittelt. Die großen Augen und der Überbiss der Schninkel transportieren gerade traurige und verzweifelte Momente besonders gut. Auffällig ist in dem Band, dass männliche Körper häufig recht bescheiden dargestellt werden, die weiblichen wegen der "erotischen" Momente in dem Band besonders üppig und idealisierend. Insgesamt ist der Zeichenstil zwar wenig innovativ, aber die vielen auftretenden Figuren, Spezies und Orte sind dafür sehr fantasievoll gestaltet und geben dem Band eine ganz eigene originelle Atmosphäre. Im Anhang finden sich auch ein paar Seiten des Skizzenbuches, die die Entwicklung mancher Figuren aufzeigen.

Insgesamt lohnt sich der Kauf dieses Comics für Fans epischer Fantasy-Geschichten. Auch spannend sind die vielen Anspielungen aus den Buchreligionen und die Religionskritik, die diesen Band ausmachen. Der Humor ist sicher nicht jedermanns Sache, aber über diesen kann man auch hinwegsehen angesichts dieses erzählerisch und zeichnerisch stimmigen Werkes!

Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagswebsite.

Andreas Schmidt



Hardcover | Erschienen: 1. März 2015 | ISBN: 978-3-95839-012-6 | Preis: 29,80 Euro | 192 Seiten | Sprache: Deutsch

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