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 Christiane F.: Mein zweites Leben


Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Ton
Generationen von Schülern haben die tragische Geschichte der Christiane F. kennen gelernt, einer drogenabhängigen Kinderprostituierten aus Berlin. Und viele davon stellten sich die Frage, wie es wohl weiterging mit Christiane, nachdem sie zu ihrer Großmutter aufs Land geschickt worden war.
"Christiane F. - Mein zweites Leben" beantwortet diese Frage ein Stück weit, 35 Jahre nach Erscheinen des international erfolgreichen Buchs über die Kinder vom Bahnhof Zoo.
Auch das zweite Leben der jungen Frau ist zu einem nicht unerheblichen Teil von Drogen geprägt, nachdem eine recht glückliche Zeit in Griechenland zu Ende gegangen ist. In der Folge lebt Christiane unter anderem bei einem renommierten Verlegerehepaar, kommt aber nicht von den Drogen los. Sie hat immer wieder mit Größen aus dem Musik- und Literaturbetrieb zu tun, bekommt einen Sohn, landet im Frauenknast: eine alles andere als gewöhnliche Autobiografie, die letztlich auch Christianes Drogenbiografie enthält.

Bunt, bisweilen auch schrill geht es somit zu in diesem Buch, das durchaus überrascht. Was auch immer der Hörer erwartet hat - eine Art Läuterung oder aber den totalen Absturz? -, es tritt nicht ein, stattdessen kommt es zu einer Serie von "Versuch und Irrtum", recht viel versprechend in den Ansätzen, doch gelingt es Christiane immer, auf der Überholspur zu bleiben, ein Tempo, das ihr wiederum nicht immer guttut.
Das Buch beziehungsweise Hörbuch wirkt ziemlich verwirrend. Die Autorin springt zwischen verschiedenen Zeiten umher, doch der Verlag stellt keinen zweiten Sprecher zur Verfügung, der als akustisches Gegenstück die Brüche markieren könnte. Anna Thalbach tut ihr Bestes, und das ist viel, um die einzelnen Standorte lebendig zu dokumentieren und auch dauerhafte Porträts von den damaligen Kindern zu erstellen. Ein kontinuierliches Erzählen wäre schön gewesen, aber auch so hält es den Leser/Hörer fest, sofern er den Bezug zu Christiane F. hat. Ein Quereinstieg ist hier nicht so sehr angebracht, lieber sollte man vorher Band eins hören oder lesen. So lassen sich Zusammenhänge leichter erstellen oder auch erkennen. Ob dann freilich alle Prominentenporträts so "stimmen", wie Christiane F. sie angelegt hat, bleibt fraglich. Sie passen gut zum Kapitelthema und können bei Geduld zu echten Griesgramen mutieren.
Christiane F. selbst, ihre Gefühle und Gedanken bleiben ziemlich auf der Strecke. Da grämt sich eine Mutter schier zu Tode, die im Grunde viel zu sagen hätte, und kommt doch nicht "zu Potte", wiewohl sie sich zunächst als eine richtige "Power-Mutti" darstellt. Schade. Auch alle anderen Projekte scheitern, und das wünscht sich ein Hörer einfach nicht für die, DIE Christiane F.
Es fehlt bei diesem Buch eben Hand und Fuß.
Trotzdem handelt es sich um eine gute Ergänzung zum ersten Band, sofern man die Messlatte nicht zu hoch legt.


Eine Hörprobe wird auf der Verlagsseite zum Hörbuch angeboten.

Geliefert wird das Hörbuch als ansprechend und informativ gestaltetes Karton-"Leporello" mit einem Steckfach für die MP3-CD.

Regina Károlyi



CD | CD-Anzahl: 4 | Erschienen: 12. Mai 2015 | ISBN: 9783785750957 | Laufzeit: 266 Minuten | Preis: 14,99 Euro | Sprache: Deutsch

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