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 Edgar Allan Poes Geister der Toten


Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Die "Geister der Toten" treiben auf den Seiten ihr Unwesen. Richard Corben, seines Zeichens einer der berühmtesten Zeichner von Horror-, Grusel- und Science-Fiction-Comics, hat hier die Welten von Edgar Allan Poe zu visuellem Leben erweckt.
Der Band enthält fünfzehn Werke Poes, die in chronologischer Reihenfolge des Entstehens angeordnet sind. Von Corben wurden sie zwischen 2012 und 2014 adaptiert.

Richard Corben schafft es atmosphärisch dichte Geschichten in Bilder zu fassen, die einzigartig sind. Vor rund einem Jahr erschien im Splitter Verlag ein über 350 Seiten starkes Werk unter dem Titel "Creepy" mit vielen seiner besten Comics aus dem letzten Jahrhundert. Nun erscheint beim gleichen Verleger eine Sammlung von sehr neuen Werken Corbens, in denen er sich nur einem einzigen Autor widmet. Sein typischer Zeichenstil ist erhalten geblieben, aber er hat ihn hier auf die Spitze getrieben.

Der Klappentext verrät, dass es sich bei allen Comics um deutsche Erstveröffentlichungen handelt. Das mag so manchen Fan wundern, wenn er sieht, dass Geschichten wie "Der Rabe", "Schatten" oder "Der Untergang des Hauses Usher" enthalten sind, denn all diese Storys sind bereits in anderen Veröffentlichungen erschienen. Zum Beispiel im oben beschriebenen "Creepy" oder älteren "Gespenster"-Comics. Die Erklärung ist einfach, es handelt sich um komplette Neuinterpretationen des Zeichners, die nur in wenigen Details an die alten Corben-Comics erinnern. Wer sich als Fan sehr darauf gefreut hat, seine Lieblingsgeschichten jetzt in einer hervorragenden Qualität und schön zusammengefasst präsentiert zu bekommen, muss leider enttäuscht werden. Ja, es sind natürlich die gleichen Originale von Poe, die den Comics zugrunde liegen, aber eben nicht die Corben'schen Originalwerke. Das trifft nicht auf alle Kurzgeschichten zu, es gibt auch neu geschaffene Adaptionen. Allen ist aber Corbens neuer, weiterentwickelter Stil zueigen.

Was auffällt ist, dass Corben, wie in vielen seiner älteren Werke, eine zusätzliche Figur erschaffen hat, die als Erzähler fungiert und die die einzelnen Geschichten einrahmt. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, würde er sie nicht ständig zotige Witze reißen lassen, die nun wirklich nichts mit Poes schaurigen Geschichten zu tun haben und äußerst fehlt am Platz wirken. Überhaupt taucht immer wieder eine saloppe, moderne Sprache auf, so lässt Corben den Protagonisten in "Die Maske des roten Todes" sagen: "Ich schmeiße eine Party! Da ist doch jede Gruselstimmung sofort dahin.
Auch in die Handlungen selbst bringt er moderne Aspekte und eigene Ideen ein. Und davon vielleicht ein wenig zu viel. "Der Untergang des Hauses Usher" wirkt wie eine Vermischung aus Poes Klassiker, dem Roman "Das Bildnis des Dorian Gray" und Corbens eigener eigenwilliger Interpretation.

Ich bin wirklich ein Freund von Gruselcomics und habe mich bemüht in die Geschichten einzutauchen, aber es will mir nicht recht gelingen. Sie sind zu oberflächlich, setzen den Fokus zu sehr auf einzelne Splatter-Abbildungen. Von Poes poetischer Sprache ist nur an wenigen Stellen etwas zu merken und dann in viel zu kurzen Textpassagen.

Schade, hier hat ein alter Meister zu viel gewollt. Corbens frühe Umsetzungen der Poe-Welten hatten sehr viel Kraft und es gelang ihnen mühelos, den Leser zu fesseln und zu begeistern, das ist jetzt nicht mehr der Fall. Seine Charaktere zeigt er mit zu arg verzerrten Gesichtern, die nur noch seltsam wirken und denen der besondere Charme fehlt, den seine Bilder früher versprüht haben. Übrig geblieben ist ein netter Comic mit ein paar durchschnittlichen Horror-Comics, denen es an der rechten Tiefe fehlt. Schade, ich hätte nicht erwartet, dass einer meiner liebsten Comiczeichner so viel falsch machen könnte.
Diese Kurzgeschichten-Sammlung ist nur etwas für Sammler, allen anderen möchte ich den umfangreichen "Creepy"-Band ans Herz legen, der Corbens Genie in vollem Umfang zeigt.


Auf der Webseite des Splitter Verlags gibt es eine ausführliche Leseprobe, die die erste Geschichte sogar komplett enthält.

Bine Endruteit



Hardcover | Erschienen: 1. Mai 2015 | ISBN: 9783958391451 | Originaltitel: Spirits of the Dead | Preis: 29,80 Euro | 216 Seiten | Sprache: Deutsch

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