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 Schweres Beben


Cover
Gesamt ++---
Anspruch
Aufmachung
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung


Schweres Beben - es geht um Erdbeben, die eine Familie noch ein Stück weiter zerstören, die eigentlich schon völlig kaputt ist. Louis ist 23 und arbeitet als Radiotechniker. Als er seine Schwester besucht, lernt er telefonisch seine Stiefgroßmutter kennen, verabredet sich mit ihr - und wird versetzt. Verzeihlich, da sie bei einem Erdbeben zu Tode gekommen ist. Allerdings in einem Gebiet, in dem es normalerweise keine Erdbeben gibt ...

Louis? Mutter erbt 22 Millionen Dollar und ein riesiges Grundstück samt esoterischer Villa. Bei einem Besuch streitet sich Louis mit ihr, läuft ein bisschen durch die Gegend und verpasst das nächste Erdbeben. Am Strand lernt er Renée kennen, eine dreißigjährige Seismologin, in die er sich prompt verliebt. Allerdings gibt es in seinem Leben auch noch Lauren, die er liebt, die ihn aber wohl nicht zurückliebt. Louis kommt mit Renée zusammen und findet mit ihr heraus, dass eine Chemiefirma mit den Erdbeben in Verbindung steht. Schicksalshafterweise ist es die Firma, aus deren Aktien der größte Teil des Vermögens seiner Mutter besteht ...

Oh, wie sehr bemüht sich Jonathan Franzen in diesem, seinem zweiten Roman, ein witziges Buch zu schreiben, und vielleicht auch noch ein dramatisches. Aber außer hohlem Metapherngeklingel und einer an den Haaren herbeigezogenen Handlung bleibt nicht viel übrig von dem schweren Beben. Eigentlich alle Charaktere des Romans sind kalt, selbstsüchtig und falsch, ihre Dialoge wirken absolut künstlich und Identifikation ist gar nicht erst möglich. Künstlich wirkt auch das Einfügen von eventueller Gesellschaftskritik. Da ist die böse Chemiefirma, die Abfälle verklappt, da ist ein durchgeknallter Anführer einer Sekte, von der ständig irgendwo im Radio oder Fernsehen berichtet wird - und das bleibt Methode. Im Beisein der Hauptfigur Louis wird ständig über diese Sachen gesprochen, ständig kommen irgendwelche Nachrichten, aber es wird eben nur gesprochen, es passiert rein gar nichts. Und in diese Anhäufung von schlechten Klischees fügt sich auch die Sprache Franzens genauestens ein. Ständig bemüht er sich um möglichst seltsame Metaphern, die leider nie wirklich treffend wirken, die keine Poesie haben, sondern nur einen selten unterhaltenden Comedy-Effekt.

Ein Lob verdient sich Gerd Wameling, der die verquaste Geschichte von Jonathan Franzen für den Argon Verlag eingelesen hat. Wacker bemüht er sich, aus den Dialogen etwas zu machen, muss dabei aufgrund des schwachen Materials scheitern. Insgesamt eine tolle Stimme, ein absolut ausdrucksstarker Vorleser, der einfach nur ein schlechtes Buch lesen muss.

Schade um die gute Leseleistung, um die gute Aufmachung - zu bemüht ist die Geschichte, zu künstlich und zu seelenlos.

Holger Hennig



CD | Erschienen: 01. Oktober 2005 | ISBN: 3870249498 | Laufzeit: 703 Minuten | Preis: 39,90 Euro

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