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 Handbuch des Fotojournalismus

Geschichte, Ausdrucksformen, Einsatzgebiete und Praxis


Cover
Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Schon sehr bald nach Aufkommen der Fotografie als Medium wurde deren Potenzial für die mediale Berichterstattung erkannt - freilich störten seinerzeit noch die enorm langen Belichtungszeiten, da auch damals Ereignisse von Bedeutung nicht minutenlang zu erstarren pflegten. Wiederholbar sind sie erst recht nicht, und gerade dies unterscheidet den Fotojournalismus frappierend von anderen fotografischen Disziplinen wie der Mode-, Porträt- oder Objektfotografie.

Die Medienlandschaft hat sich innerhalb der letzten hundert Jahre merklich verändert, der Fotojournalismus ist geblieben. In ihrem Handbuch gehen Lars Bauernschmitt und Michael Ebert auf die Historie und die alten sowie neuen Herausforderungen ein, sie setzen sich mit den einzelnen Sparten des Fotojournalisten, seinen Möglichkeiten, Fuß zu fassen, den rechtlichen Aspekten und vielem mehr auseinander. Einen Überblick mögen die Titel der Abschnitte geben:

• Geschichte in drei Kapiteln: "Die frühen Pioniere", Das erste goldene Zeitalter des Fotojournalismus", "Die Ära der großen Bilder"
• Bildjournalistische Ausdrucksformen und –mittel
• Lokaljournalismus – Die Abenteuer vor der eigenen Haustür
• Sportfotografie – höher, schneller, weiter
• Krieg und Krise – der Tod als ständiger Begleiter
• Die Paparazzi
• Politik – Im Schatten der Macht
• Fotojournalismus in PR und Öffentlichkeitsarbeit
• Natur- und Wissenschaftsfotografie
• Die Ausrüstung
• Hardware und Software im Fotojournalismus
• Der Bildermarkt – Fotos als Ware
• Die Zusammenarbeit von Fotograf und Bildagentur
• Fotojournalismus und Recht
• Gedanken zur Zukunft des Fotojournalismus

Ein umfangreicher Anhang mit einer in einzelne Bereiche gegliederten Literaturliste, Dank und Index schließt das Buch ab.

Bereits bei der Lektüre der ersten, geschichtlichen Kapitel fällt dem Leser auf, mit welcher Breite und Tiefe die Autoren ihre einzelnen Themen behandeln. Breite sei hier bitte nicht mit quantitativem Ausufern verwechselt: Es wird eine Fülle an relevanten Aspekten aufgegriffen und erläutert, was sich auch in den nachfolgenden Abschnitten fortsetzt. Gründlichkeit, Anschaulichkeit und Aktualität gehören zu den großen Pluspunkten des Buchs. Dass sich die Lektüre darüber hinaus sehr spannend gestaltet, freut den Leser natürlich ebenfalls. Dröge Faktenvermittlung ist Fehlanzeige.

Gerade im Rahmen der Historie liegt der Akzent auf der Kriegsfotografie, auch heute eine Königsdisziplin, wenngleich man ihr derzeit etwas verschämter huldigt. Sie hat ihre Märtyrer, darunter Ikonen wie Robert Capa und, aktueller, Anja Niedringhaus. Auch die aufwühlenden sozialdokumentatorischen Fotos etwa von Jacob Riis, Lewis Hine, Dorothy Lange und Walker Evans werden gewürdigt. Das heißt aber nicht, dass die anderen Disziplinen zu kurz kämen: Jede einzelne wird mit ihren Besonderheiten, insbesondere den Herausforderungen, angemessen ausgeführt und - wie überhaupt der ganze Band - mit berühmten und weniger berühmten, immer aber zur Anschaulichkeit beitragenden Fotos ergänzt. Gerade diese Fotos vermögen es, nicht zuletzt dank sensiblen Erläuterungen, im Leser einen Eindruck davon zu wecken, was solche Bilder bewegen können, wenn sie gut und natürlich im richtigen Moment gemacht sind.

Zu den Beispielfotos sei erwähnt, dass wohl keines der ganz großen Pressefotos der letzten achtzig bis hundert Jahre fehlt. Diese sind stets mit den dazugehörigen Hintergrundinformationen versehen. Mag der Leser zunächst meinen, lediglich mit niemals erreichbaren Größen des Genres konfrontiert zu werden, so relativiert sich dieser Eindruck: Recht bald finden die Autoren hin zum harten täglichen Handwerk des Fotojournalisten mit erbärmlicher Bezahlung und Sieben-Tage-Woche, bar jeglicher Romantik. Das könnte entmutigend wirken, ist jedoch realistisch, und die Autoren zeigen auf, wie sich ein "Newcomer" etablieren und auf eine gewisse Karriere hoffen kann, wie er gewissen Fallstricken entgeht und sich - und vor allem seine Fotos - mit einigem Geschick nicht unter Wert verkauft. Gleichzeitig wird auf die Konkurrenz durch engagierte Amateure gerade im Bereich des Lokaljournalismus hingewiesen, auf den die Autoren dezidiert eingehen, obwohl er für gewöhnlich meist ein wenig herablassend gesehen wird: Der Leser erhält einen erstaunlich respektvollen Blick auf dieses omnipräsente Teilgebiet, das viele Möglichkeiten bietet.

Auch die Technik kommt im Buch glücklicherweise nicht zu kurz, wenngleich es natürlich angesichts der vielen Teilbereiche des Fotojournalismus kein Patentrezept und keine Patenausrüstung geben kann. Der ein oder andere Tipp erweist sich dennoch als sehr anregend und hilfreich und vermag gerade Einsteiger vor kostspieligen Fehlern zu bewahren.

Es ließe sich noch mancherlei schreiben - doch alles liefe weiterhin auf eine uneingeschränkte Empfehlung hinaus, und zwar sowohl für Studierende im Bereich der Fotografie als auch für Amateure und nicht zuletzt für Laien, die sich einfach nur für die Macht der Bilder in den Medien interessieren. Dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte, wird in diesem Buch ausgesprochen deutlich.

Die Verlagsseite bietet diverse Leseproben an.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 15. Oktober 2015 | ISBN: 9783898648349 | Preis: 39,90 Euro | 423 Seiten | Sprache: Deutsch

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