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 James Bond: Trigger Mortis - Der Finger Gottes


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Eben erst hat James Bond seinen Widersacher Goldfinger erledigt, da muss er schon wieder die Welt retten. Dabei läuft sein Leben sowieso gerade nicht, wie er es sich erhofft hat. Die entzückende Pussy Galore hat ihn nach London begleitet und, wie es sich für eine Frau im Jahr 1957 gehört, mutiert sie prompt zum zahmen Weibchen, das seinem Liebhaber das Frühstück so zubereitet, wie er es am liebsten hat. Dummerweise nimmt Bond seine Mahlzeiten gerne alleine ein und er ahnt, dass er in eine Sackgasse geraten ist. Da kommt ihm ein neuer Auftrag nur allzu recht. Ein britischer Rennfahrer ist in Gefahr und ausgerechnet die Russen stecken dahinter. Prompt eilt der Mann mit der Lizenz zum Töten zum Nürburgring, um Smyert Schpionam, genannt Smersch, den Plan zu durchkreuzen, doch er ahnt schnell, dass es um viel mehr geht als nur einen neuen Rennwagen. Und dann taucht auch noch die geheimnisvolle Journalistin Jeopardy Lane auf, die James besser nicht mehr aus den Augen lässt.

Anthony Horowitz hat es wieder getan. Nachdem er schon die berühmte Detektivfigur Sherlock Holmes wieder zum Leben erweckt hat, nimmt er sich nun in seinem neuen Roman "Trigger Mortis" den Mann mit der Lizenz zum Töten, James Bond, vor. Die Voraussetzungen dazu waren günstig, da ihm Material des Bond-Autors Ian Fleming zur Verfügung stand. Für Horowitz war es genug Nährstoff, um daraus eine akribisch recherchierte und spannende Fünfziger-Jahre-Geschichte zu schreiben, und das Buch beweist, es ist ihm gelungen. Für die Leser lässt sich nicht erkennen, wo Flemings Material beginnt und wo Horowitz' Ideen aufhören. Dazu kommt eine gnadenlos gute Recherche, die dem Autor ermöglicht, damals aktuelle Ereignisse und Gewohnheiten in seinen Roman einzubauen, sei es den entsetzlichen Unfall von Le Mans 1955 oder auch den Künstler Yves Klein, der damals so en vogue war. Auch der Nürburgring wird so detailliert geschildert, dass er vor den Augen der Leser förmlich aufersteht.
"Trigger Mortis" wurde homogen geschrieben und so fein an den Stil und die Moralvorstellungen der Fünfziger Jahre angelehnt, dass es kaum zu glauben ist, dass dieses Buch nicht schon seit Jahrzehnten in der Schublade lag. Horowitz beschreibt einen Bond, der ein Kind seiner Zeit ist. Er raucht zu viel und isst zu wenig, sein Alkoholkonsum erscheint besorgniserregend und seine Einstellung Frauen gegenüber fragwürdig. Die Welt der Agenten und Rennfahrer ist wahren Männern vorbehalten, und trifft er auf Frauen, die sich in dieser Welt behaupten können, so sind sie nicht weiblich genug und bestenfalls "trotzdem" attraktiv. Modernen Lesern stellen sich so manches Mal die Nackenhaare auf, denn im Grunde seines Herzens erweist sich Bond als ein Spießer, der es nicht mag, wenn jemand sich anders verhält als gesellschaftlich vorgesehen. Abgesehen davon frönt er auch dem Rassismus, nicht nur ein bisschen.
Nein, mit dem modernen, technisch bestens ausgestatteten Agenten, wie die Welt ihn heutzutage aus den Filmen kennt, hat dieser Bond nichts zu tun, er geht vielmehr an seine Anfänge zurück. Und so ist er rau, ungeschliffen, blutig und schwitzend und trotz seines manchmal gnadenlosen Einsatzes sind ihm moralische Bedenken nicht fern. Da grübelt er schon mal darüber nach, ob er einen Familienvater ausschalten kann, oder ob ein Name wie Pussy für eine Frau nicht ein bisschen billig klingt. Solche Zweifel bremsen die Spannung der Geschichte an der einen oder anderen Stelle aus, und dass die Handlung recht einfach gerät, erhöht das Lesevergnügen nicht. "Trigger Mortis" ist aber auch nicht für Fans moderner Spionageromane gedacht. Eindeutig überwiegt hier das Nostalgiegefühl, als ein guter alter Freund sich wieder meldet. Wer die alten Romane Flemings mochte, wird auch dieses Buch lieben. Bleibt zu hoffen, dass Horowitz seinen Bond noch viele Male auf Mission schicken wird.

Eine Leseprobe findet sich auf der Verlagsseite.

Iris Jockschat



Softcover | Erschienen: 8. September 2015 | Originaltitel: Trigger Mortis | Preis: 16,99 Euro | 380 Seiten | Sprache: Deutsch

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