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 Lernen mit Medien


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Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Preis - Leistungs - Verhältnis
Auch wenn es lange gedauert hat, so hält das E-Learning, das Lernen mittels elektronischer Medien, zunehmend Einzug in den deutschen Schulalltag. Was sich vielversprechend anhört, birgt in der Praxis aber durchaus Probleme. Denn computergestütztes oder multimediales Lernen, wie E-Learning bisweilen auch genannt wird, setzt nicht nur bei den Schülern Medienkompetenz voraus. Vor allem auch die Lehrenden sind noch stärker als bei konventionellen Unterrichtskonzepten gefordert Medientheorien, Lernereigenschaften sowie die adäquaten Gestaltungsprinzipien zu berücksichtigen. Genau hier setzt der folgende Band an, der Studierenden, Referendaren und Lehrkräften in vier Abschnitten die Grundlagen medialen Lernens vermitteln will.


Ansätze zum multimedialen Lernen gehen davon aus, dass die Informationspräsentation mittels unterschiedlicher Teilmedien (...) dem Lerner einen Vorteil beim Wissenserwerb in bestimmten Situationen erbringen kann.


Nach einleitenden definitorischen Klarlegungen gehen die Autoren des Bandes zunächst auf zwei zentrale Theorien multimedialen Lernens ein: die "Cognitive Load Theorie" von John Sweller und die "Kognitive Theorie multimedialen Lernens" von Richard E. Mayer. Beiden Theorien gemein ist, dass sie einen "Less-is-more"-Ansatz verfolgen, der eine unnötige Belastung des Arbeitsgedächtnisses vermeiden soll. Die daraus resultierende direktive Gestaltung der Lernmaterialien steht im Gegensatz zu Konzepten des entdeckenden Lernens. Im dritten Abschnitt wenden sich die Autoren des Bandes dann den Voraussetzungen auf der Lernerseite zu. Im Mittelpunkt stehen dabei die vorauszusetzenden Elemente der Medienkompetenz wie beispielsweise die Unterscheidung von Realität und Fiktion, das Vorwissen sowie das räumliche Vorstellungsvermögen. Sämtliche Überlegungen münden schließlich in den vierten Abschnitt, in welchem Gestaltungsprinzipien multimedialer Lernumgebungen vorgestellt werden.

Im Zuge der Digitalisierungsoffensive an deutschen Schulen nimmt sich der Band einem Thema an, das in der Lehrerausbildung bislang eher unterrepräsentiert ist: dem "medialen Lernen". Vorweggeschickt werden muss aber, dass der Band damit nicht die "Zuträgerfunktion" von Medien im konventionellen Unterricht in den Blick nimmt, sondern sich explizit mit dem multimedialen E-Learning beschäftigt. Dies zu wissen, ist sehr wichtig, da sowohl der Umschlagtext als auch der Beginn des Bandes etwas anderes behaupten: "Wir vermeiden damit ein weiteres Buch mit Engführung auf den Themenkomplex E-Learning vorzulegen." Auch wenn sich manche Erkenntnisse auf eine anderweitige Mediennutzung im Unterricht übertragen lassen, so zielt die Darlegung des Bandes zweifellos auf das E-Learning-Konzept. Als besondere Schwierigkeit erweist sich dabei vor allem, dass der Band sehr unvermittelt ohne ein entsprechendes Vorwort beginnt, wodurch der unkundige Leser schnell auf eine falsche Fährte geführt wird.


Um dem lernhinderlichen Effekt zu begegnen, bietet sich laut Kohärenzprinzip der CTML [Cognitive Theory of Multimedia Learning] der Verzicht auf alle interessanten, aber für das Verständnis nicht unmittelbar relevanten Materialien an.


Ungeachtet dieser Schwierigkeiten bietet der Band einen informationsreichen Einblick in mediendidaktische Erwägungen beim Erstellen von E-Learning-Materialien. Besonders wertvoll ist insbesondere der vierte Abschnitt. Dort präsentieren die Autoren grundlegende Gestaltungsprinzipien elektronischer Lernmaterialien. Indem diese immer wieder auf die zuvor dargelegten theoretischen und empirischen Befunde Bezug nehmen, gehen diese Empfehlungen weit über Erfahrungswerte hinaus. So fundiert und hilfreich diese Hinweise für die Praxis sein mögen, wird hierbei aber auch die Schwäche der beiden zugrundeliegenden Theorien von Sweller und Mayer deutlich. Denn durch den "Weniger-ist-mehr-Ansatz" reduziert sich Medieneinsatz auf eine möglichst einfache Gestaltung und lässt dabei unberücksichtigt, dass Lernen eine selbstaktive Tätigkeit sein muss. Hinzu kommt, dass damit keine Medienkompetenz vermittelt werden kann, die jenseits des schulischen Kontextes Bestand haben wird. Oder anders gesagt: Die hier vermittelten Ansätze beschränken sich zu sehr auf die optimale Gestaltung multimedialer Lernmaterialien und geben keinerlei Hinweise, auf welche Art und Weise Schüler befähigt werden könnten, auch ohne zurechtgeschusterte Formate Medienprodukte des alltäglichen Gebrauchs adäquat in den Lernprozess einzubinden.

FAZIT: Aufgrund der angesprochenen Schwierigkeiten leider keine erschöpfende Einführung in die Thematik, sondern nur ein möglicher Ansatz, um E-Learning in deutschen Klassenzimmern salonfähig zu machen.

Weitere Informationen sowie ein Blick ins Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Softcover | Erschienen: 7. Oktober 2015 | ISBN: 9783825240011 | Preis: 19,99 Euro | 220 Seiten | Sprache: Deutsch

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