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 F.A.Z. Comic-Klassiker: Fritz the Cat

F.A.Z. Comic-Klassiker, Band 19


Cover
Gesamt +++--
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis


Fritz kommt nach langer Zeit wieder nach Hause. Alles ist wie immer. Seine Mam ist in der Küche, die kleine Sis aber ist groß geworden. Richtig erwachsen, findet Fritz. Auch seine Mam ist dieser Meinung und versucht, Sis von den Männern fern zu halten. Sie schickt die beiden nach draußen und räumt weiter in der Küche auf. Sis und Fritz gehen schwimmen. Obwohl es Fritz unangenehm ist, zieht er sich ebenso wie Sis nackt aus und geht mit ihr schwimmen. Sie albern herum und vergessen darüber die Zeit. Als sie schließlich aufbrechen wollen, ist es dunkel und regnet wie verrückt. Wie zufällig berührt Fritz die Nippel von Sis und da ist es um seine Zurückhaltung geschehen. Er fällt über Sis her, die nur noch: "Oh, Fritz, nicht!" haucht und sich ihm hingibt.

Dies ist der Beginn der Abenteuer von Fritz dem Kater und zugleich Programm. Es geht um "das Eine" und fast nur darum. Meist hat Fritz nicht anderes im Kopf und er nutzt es weidlich aus, dass es genug willige Katzen, Hühnchen und Mädels auf der Welt gibt, die seinen Worten trauen und sich dafür von Fritz "flachlegen" lassen.
Die Geschichten rund um den durch einen Zeichentrickfilm berühmt gewordenen Kater sind schludrig gezeichnet. Ob es an dem Format liegt oder der unsauberen Schrift, die Comic-Strips sind sehr schlecht lesbar und wenig interessant. Die Geschichten ähneln sich und der Kultcharakter ergibt sich zunächst einzig aus der Tatsache, dass Robert Crumb Dinge zu Papier bringt, die in Amerika einfach nicht gezeichnet werden dürfen. Sie sind derb, ohne jeden Stil oder Esprit, meist sehr direkt und ohne Zweifel ins Pornografische abdriftend. Der massive Ärger, den sich Crumb damit in den USA einhandelte, brachte ihn zeitweise fast an den Bettelstab. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die Zeichentrickfilme aus den 70er Jahren Ruhm und Geld für Crumb bedeuteten und ihn zugleich von seinem Werk und den Kritikern noch weiter entfernten. Er begann, den Erfolg und die Machart der Filme zu hassen und verweigerte jegliche Anerkennung der Filme.
Die Comics sind jedenfalls nicht für den Erfolg verantwortlich. Crumb kann sich bis heute selbst nicht erklären, warum diese einfachen "Sex-Storys" derart einschlugen, dass er schließlich sogar wagte, Fritz sterben zu lassen. Vielleicht hatte er den Kater aber auch schlicht satt.
Seine weiteren Gehversuche sind grafisch interessanter und zeigen einen kritischen, hellwachen Crumb, der sich, seine Familie und neue Helden schuf. So ist "Mister Natural", eine Figur von Crumb, die den Wahn der 80er und 90er Jahre, zurück zur Natur und zur Einfachheit würde Erleuchtung oder wenigstens Erfüllung bringen, karikiert. Er spießt diese Art von Hoffnung gnadenlos auf und zeigt eine Philosophie, die nur eine Aussage hat: Lebe wie du willst, scher dich nicht um die anderen und mach was du willst.

Wenn ich auch Fritz für keineswegs bahnbrechend halte und seine Geschichten meist einfach nur blöd sind, so sind die späteren Werke von Crumb doch hinreichend interessant, um diesen Band empfahlen zu können. Für nicht mal fünf Euro bekommt man einiges geboten. Manches ist spannend, ganz gut gemacht und zeichnerisch höchst perfekt, das meiste schlicht schlecht und schludrig, aber dennoch Kult und über den lässt es sich bekanntlich trefflich streiten, aber wenig Erklärendes sagen.

Das einleitende Vorwort von Andreas Platthaus verdient allerdings das Prädikat "sehr gut". Besser kann man sich dieser sexbesessenen Katze und seinem kongenialen Autor nicht nähern. Er versucht, was unmöglich ist: Eine Hommage an einen Künstler zu schreiben, der diese Art von Beweihräucherung hasst.
Die launige und coole Art von Platthaus, eben dies zu schreiben und damit zu konterkarieren, ist genial und wirklich spannend zu lesen.

Stefan Erlemann



Softcover | Erschienen: 1. Januar 2006 | ISBN: 3899811003 | Preis: 4,90 Euro | 256 Seiten

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