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 Imperial Settlers


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Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Glück
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Spielregel
Strategie
Siedler haben ein neues Land entdeckt, fruchtbar und noch vollständig leer. Doch das soll nicht lange so bleiben. Schon machen sich die Vertreter von vier Völkern auf den Weg, um dort ihre Reiche zu erschaffen. Unzählige Barbaren bauen dunkle Kapellen und planen Überfälle auf ihre Nachbarn. Die Ägypter errichten riesige Pyramiden und eine Sphinx-Allee. Aus den römischen Kasernen kommen Legionen und Spione und die Japaner schicken ihre Samurai, um neue Geisha-Häuser und Daimyo-Schlösser zu schützen. Doch schon bald wird klar, der Platz reicht nicht für alle. Wer kann sich am schnellsten Ausbreiten, pflegt die meisten Handelsbeziehungen und unterhält die effizienteren Produktionsorte. Nur einer kann letztlich den Wettlauf gewinnen bei "Imperial Settlers".

Jeder gegen jeden

Nach dem sehr erfolgreichen kooperativen Spiel "Robinson Crusoe" kehrt Ignacy Trzewiczek wieder zum Wettkampf zurück. "Imperial Settlers" ist dabei nicht nur kompetitiv, sondern auch eines der wenigen Kennerspiele der letzten Zeit, in denen tatsächliche Angriffe auf den Gegner mögliche sind.
Jeder der bis zu vier Spieler übernimmt die Rolle eine Volkes. Im Grundspiel stehen Römer, Barbaren, Ägypter und Japaner zur Verfügung. Eine Erweiterung mit dem zusätzlichen Volk der Atlanter ist jedoch auch bereits erschienen und es werden sicherlich weitere folgen. Jedes Volk verfügt über ein eigenes Set an Karten. Außerdem gibt es allgemeine Karten, die für beide Spieler gleichermaßen zur Verfügung stehen, sowie verschiedene Ressourcen: Männchen, Rohstoffe, Gold und Waffen. In den nun folgenden fünf Runden kann jeder Spieler eine variable Anzahl an Aktionen durchführen, je nachdem wie viele Handkarten und Ressourcen er besitzt. Karten können auf mehrere unterschiedliche Arten genutzt werden. Zum einen können Spieler sie als Orte in ihrem Reich auslegen, wenn sie die entsprechenden Baukosten bezahlen, also eine auf der Karte angegebene Menge Rohstoffe ablegen. Zum anderen können sie Karten aus der Hand zerstören, um ebensolche Rohstoffe, Siegpunkte oder Männchen zu erhalten. Außerdem können die Karten des Völkersets auch als sogenannte Handelsabkommen ausgelegt werden und bringen somit ab sofort einen Bonus zu Beginn jeder Runde.

Blühende Reiche

Die Orte sind in drei unterschiedliche Kategorien unterteilt: Produktions-, Fähigkeiten- und Aktionsorte. Produktionsorte funktionieren ähnlich wie Handelsabkommen und verschaffen dem Spieler zu Beginn einer jeden Runde zusätzliche Ressourcen. Fähigkeiten ermöglichen es etwa, Rohstoffe zu lagern, und so von einer Runde in die andere mitzunehmen, denn sonst muss der Spieler alle Ressourcen am Rundenende ablegen. Die meisten Fähigkeiten erzeugen jedoch Siegpunkte, zum Beispiel für bestimmte Orte, die im selben Reich ausliegen. Aktionsorte geben dem Spieler zusätzliche Handlungsoptionen. Auch hier können Siegpunkte erzeugt werden, aber auch Männchen etwa in Waffen umgewandelt oder Handelsabkommen der Gegner gestohlen werden. Die Orte der einzelnen Völkersets unterscheiden sich stark voneinander, so dass jedes Volk eine eigene Taktik benötigt.

Lasst Waffen sprechen

Bislang klingt alles noch ganz friedlich, die Spieler erweitern ihr Reich, indem sie Orte auslegen, schließen Handelsabkommen und erzeugen über Aktionen Siegpunkte. Waffen dienen dazu, Handkarten zu zerstören, doch nicht ausschließlich. Während eine Waffe, ein sogenannter Zerstörungsmarker, eine Handkarte in Ressourcen umwandelt, kann ein Spieler mit zwei Zerstörungsmarkern einen ausliegenden Ort in einem konkurrierenden Reich zerstören. Dies bringt dem Spieler die gleiche Prämie als hätte er die Karte aus seiner Hand vernichtet, wenn auch zum doppelten Preis. Bei seinem Mitspieler hinterlässt es jedoch eine Ruine. Der Ort wird vollständig zerstört und seine Produktion, Fähigkeit oder Aktionsmöglichkeit ist für den Besitzer verloren. Die Karte wird umgedreht und zeigt nun ein sogenanntes Fundament. Als Entschädigung erhält er den Rohstoff Holz. Manche Orte verlangen in ihren Baukosten jedoch das Ablegen einer bereits im Reich ausliegenden Karte, symbolisiert durch ein kleines Haus. Da Fundamente im Reich verbleiben, kann der Spieler entscheiden, ob er ablegen möchte, um Baukosten zu begleichen. Auch zerstörte Orte haben dadurch also noch einen minimalen Nutzen und die Reiche werden so oder so andauernd umstrukturiert. Zerstört der Gegner allerdings eine zentrale Aktionsmöglichkeit der eigenen Strategie, so ist es schwer diesen Verlust auszugleichen. Meist bestimmen jedoch die Völkerorte, also solche die Handkarten des Völkersets sind, die Strategie und diese sind bei allen Völkern - mit Ausnahme der Japaner - vor Zerstörungen geschützt.

Wer und wie viele?

Die einzelnen Völker von "Imperial Settlers" erfordern nicht nur verschiedene Strategien, sie sind auch unterschiedlich komplex. Anfängern wird dazu geraten, als Barbaren und Römer gegeneinander anzutreten. Ägypter und Japaner erfordern geübte Spieler. Vor allem die Japaner, sind schwierig zu handhaben, da hier tatsächlich jeder Ort zerstörbar ist, und der Spieler sich so nie auf eine sichere Taktik festlegen kann. Die Ägypter scheinen dagegen eher herausfordernd für die Gegner, da sie auf sonst sichere Produktionsstätten der Mitspieler zugreifen können, und diese so für den Besitzer der Orte unbrauchbar machen.

"Imperial Settlers" spielt sich am besten zu zweit. Mit mehr Spielern ist es kaum möglich, den Überblick zu behalten und Zerstörungen effektiv einzusetzen. Im direkten Schlagabtausch dagegen funktioniert das Spielprinzip hervorragend. Es wird auch eine Solovariante mitgeliefert, in der ein gesondertes Angriffsdeck gegen den Einzelspieler antritt. Es ist dann also nur eine Fraktion im Spiel, die andere Seite sammelt Karten und zerstört durch einen Karten-Zieh-Mechanismus zufällig Orte des Spielers. Die Variante ist nicht nur gut gelungen, sondern bietet auch eine schöne Möglichkeit die einzelnen Völkerdecks kennenzulernen und Strategien zu entwickeln.

Ausstattung

Jedes Volk hat ein eigenes Völkertableau das aus fester Pappe gefertigt ist. Die Rohstoffe bestehen aus hübsch gestalteten Holzteilen und die Karten fühlen sich stabil und hochwertig an. So nennt der Verlag "Imperial Settlers" zurecht ein Qualitätsprodukt und weist in den Regeln darauf hin, dass Ersatz für verlorenen Teile bestellt werden kann.
In ihrer knuffigen Art ist die Grafik sehr gut gelungen. Allein das Betrachten der Karten ist bereits unterhaltsam. Kleine Details, wie etwa die auf den Karten aufgedruckten fortlaufenden Straßen durch das Reich sind ebenfalls sehr stimmig. Die Regeln sind gut verständlich geschrieben, hätten jedoch an einigen Stellen ausführlicher sein dürfen. Besonders bei der Beschreibung von einzelnen Orten wären etwas klarere Erläuterungen wünschenswert gewesen.

Bewertung

Aus der Schmiede des polnische Spieleautors Ignacy Trzewiczek kommt mit "Imperial Settlers" ein sehr kurzweiliges und leichtgängiges Spiel. Durch die verschiedenen Kartendecks, die selten bis zum Ende durchgespielt werden, entstehen immer neue abwechslungsreiche Partien. Besonders im Spiel zu zweit entsteht eine gute Mischung aus Aufbau-Strategie und Schlagabtausch. Zusätzlich bringen die Karten einen nicht unwesentlichen Glücksfaktor mit, der das Spiel bereichert. Im Deutschen ist "Imperial Settlers" bei Pegasus erschienen. Der Friedberger Spiele-Verlag beweist damit wieder einmal eine glückliches Händchen. "Imperial Settlers" ist lohnenswert für Spieler ganz verschiedener Kategorien: Sowohl sogenannte Expertenspieler als auch Kennerspieler oder Familien mit Kindern ab 10 Jahren können hier spannende Partien austragen.

Claudia Heinzelmann



Brettspiel | Erschienen: 23. Juli 2015 | Originaltitel: Imperial Settler | Preis: 34,95 Euro | für 1 - 4 Spieler | Sprache: Deutsch

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