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 Lord Limbus


Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Reuben Tant ist tot. Der Erzmagier starb mit einem Fluch auf den Lippen, da er den Göttern zürnte, welche zuließen, dass Reubens Heimat, Frostkrone, von den Kriegern der Vaarlakern erobert wurde und alle Magie, die der Magier aufbringen konnte, vermochte die Bewohner des kleinen Bergdorfes nicht zu retten. Aus Verzweiflung darüber wandte sich Reuben von den Göttern ab. Nun muss er feststellen, dass diese sich das nicht einfach so gefallen lassen. Dreißig Jahre sind vergangen, als Reuben die Augen wieder aufschlägt. Zuerst ohne Orientierung muss er schnell feststellen, dass aus ihm ein Untoter geworden ist und sein Volk von den siegreichen Vaarlakerns versklavt wurde. Wenigstens besitzt er seine Magie noch und er macht sich auf, Rache zu üben. Dabei stellt er fest, dass er die Toten befehligen kann, was sich als Vorteil erweist, denn er fortan nutzen wird.

Auf Seite vierundvierzig dieses Romans stirbt die Hauptfigur und das ist ja nun wirklich ungewöhnlich. Noch erstaunlicher aber ist, dass der Roman dann erst richtig beginnt. Reuben Tant, ehemaliger Erzmagier, ist nun ein Lich, ein Untoter, und zwar einer, der Magie beherrscht. Schön anzuschauen ist er nicht, das wird mehrfach beschrieben, und auch was den Geruch angeht, könnte es besser für ihn laufen. Tatsächlich muss er sich sogar vor streunenden Hunden in Acht nehmen, da es sonst Angst um seine Knochen haben muss.

Sein Geist jedoch ist wach und Reuben ist richtig zornig. Das Schicksal seines Volkes macht ihn wütend und die Zerstörung seines Heimatdorfes verlangt nach Rache, auch wenn es schon dreißig Jahre her ist. So setzt er seine verbliebene Magie ein und übt grausam Vergeltung. Doch er hat seine Menschlichkeit nicht verloren, wenn er auch genau dies so manches Mal fürchtet. Zu Unschuldigen kann er hilfsbereit und freundlich sein und er macht sich tatsächlich Gedanken, über die Toten, die nun seinem Willen gehorchen.

Reuben ist jedoch nicht der einzige ungewöhnliche Held, den Autor Stephan Russbült hier erfunden hat, denn es gibt einen zweiten Handlungsstrang, der die Erlebnisse des Sklavenjungen Jacob schildert. Aufgewachsen in einem versklavten Land, kann Jacob sich nicht einmal vorstellen, wie ein freies Leben wohl aussieht und doch ergreift er mutig die Gelegenheit zu fliehen, als sie sich ihm bietet. Dabei steht er treu zu seinen Freunden und wird seinen Anteil an Reubens Krieg haben, auch wenn beide sich erst spät im Verlauf der Handlung treffen.

"Lord Limbus" bietet dem Leser einiges, denn die Geschichte weiß zu unterhalten. Sie ist spannend und verfügt über Humor, ohne je ins Komische abzugleiten. Stephan Russbült kann nicht nur schreiben, er hat auch ungewöhnliche Ideen, die frisch sind und seinem Buch zugutekommen. Schon in seinen früheren Büchern finden sich recht ungewöhnliche Hauptfiguren, wie Dämonen oder Oger und er porträtiert sie gut. Reuben Tant war vielleicht nicht immer ein netter Mensch, doch er ist ein sehr fähiger Magier und ein entschlossener Gegner. Es fällt leicht, Sympathie für ihn zu entwickeln und ihm bei seiner Aufgabe die Daumen zu drücken. Interessante Nebenfiguren runden die Handlung ab und verleihen ihr noch einmal den einen oder anderen Twist.

Ob Reuben seine Rache vollenden kann und seine Geschichte endet, soll nicht verraten werden. Immerhin ist er tot, was sollte ihn aufhalten?

Eine Leseprobe ist auf der Seite des Bastei-Lübbe Verlags zu finden.

Iris Jockschat



Softcover | Erschienen: 10. September 2015 | ISBN: 9783404207947 | Preis: 14,00 Euro | 447 Seiten | Sprache: Deutsch

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