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 Die Saga der Zwerge, Band 2: Ordo von der Talion

Serie: Die Saga der Zwerge, Band 2
Autoren: Nicolas Jarry
Illustratoren: Stéphane Créty
Übersetzer: Tanja Krämling
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
Talion ist der zwergische Orden der Händler. Ihre Macht liegt in ihrem Reichtum und ihrem Wissen. Doch nicht alle Angehörigen des Ordens dienen allein der Münze. Ordo ist von Geburt an für eine andere Aufgabe ausersehen. Er soll Teil der schwarzen Loge werden, ein Assassine, der gnadenlos alle tötet, die der Talion im Weg stehen. Bereits an seinem sechsten Geburtstag muss er sein Elternhaus verlassen. Jahrelang muss er sich ohne die Hilfe von Erwachsenen zusammen mit anderen Kindern der schwarzen Loge im gefährlichen Elendsviertel der Stadt Bastarde durchschlagen. Letztlich überleben nur Ordo und ein weiteres Mädchen diese dunkle Zeit. Ihr Name ist Heba. Doch im Alter von 18 Jahren werden die beiden getrennt, und Ordo soll ihr erst sechs Jahre später wieder begegnen, als er den Auftrag erhält, Heba zu töten.

Der zweite Teil der Saga der Zwerge beleuchtet die dunklen Seiten der Händlergilde Talion. Der Protagonist Ordo erzählt, wie auch schon Redwin im ersten Band, seine Lebensgeschichte in Retrospektive. Und ebenso wie Redwin nicht so recht in den Orden der Schmiede passen wollte, lehnt auch Ordo, die Talion und die ihm zugedachte Aufgabe innerlich ab. Obwohl er ein gnadenloses Instrument des Todes sein sollte, zeigt er Zweifel, indem er etwa Kinder schont. Sein Leben ist geprägt von dem Hass auf die Männer, die ihn als Sechsjährigen aus seinem Elternhaus holten. Den ganzen Band über begleiten seine düsteren Gedanken den Leser. Dabei nutzt Autor Nicolas Jarry eine eigens kreierte Umgangssprache der Zwerge. Eine ganze Reihe Benennungen und Ausdrücke werden in einem Glossar im Anhang erläutert. Sie verbinden den zweiten Band mit dem ersten, die Zwerge der Talion mit jenen der Schmiede und erzeugen den stimmigen Eindruck einer gemeinsamen Kultur. An manchen Stellen hätte jedoch etwas Abwechslung in den Ausdrücken dem Stil gut getan. So kommt der Begriff "abnippeln" statt sterben doch reichlich häufig vor und hätte besser variiert werden können.
Handwerklich gut ausgeführt erzählt der Band eine recht klassische Heldengeschichte ohne große Überraschungen. Ein solider Spannungsbogen schafft es den Leser zu fesseln, interessante Charaktere sorgen zusätzlich für Dramatik. Anfänglich scheinbar nur daher gesagte Sätze erhalten am Ende der Geschichte doch Relevanz und schließen die Handlung in einen gut gesetzten Rahmen. Von der Handlung aus dem ersten Band der Saga der Zwerge ist jedoch nichts zu merken. Wie schon bei der Elfen-Reihe aus dem Splitter Verlag, präsentieren auch hier die Bände abgeschlossene Geschichten, die unterschiedliche Seiten einer gemeinsamen Welt zeigen, jedoch keine inhaltliche Verknüpfung haben.

Doch verbindet eine recht einheitliche Optik die Bände miteinander. Pierre-Denis Goux hat nicht nur den ersten Band gezeichnet, sondern auch ein grafisches Konzept für die weiteren erstellt. Den Zeichnungen von Stéphane Créty fehlt es jedoch im direkten Vergleich an Kraft. Während die Hintergründe detailliert gestaltet sind und geradezu hervorstechen, bleiben die Personen oft eher unauffällig. Vor allem die Gesichter sind stellenweise skizzenhaft, wenn die Figuren im Ganzen zusehen sind. Besonders auffällig sind dabei die Augen, die häufig einfach weiß sind und keine Pupillen haben. Sind die Figuren nur klein im Bild, fehlen sogar manchmal die groben Konturen, wie Nasen oder Münder. So treten die Akteure in einigen Bildern optisch zurück, während ihre Umgebung betont wird. An manchen Stellen passt dies gut zur Erzählung und führt zu wirklich beindruckenden großformatigen Szenenbildern. An anderen Stellen wirkt es jedoch eher lieblos, denn als bewusstes Stilmittel.
Begeistern kann dagegen die Kolorierung. Unterschiedliche Farbstimmungen schaffen es, verschiedene Zeitebenen im Band deutlich voneinander abzuheben. Auch haben die wechselnden Orte eine jeweils andere Farbigkeit. Gelungen ist hierbei auch die Abgrenzung der gesamten Erzählung vom Höhepunkt der Geschichte, dessen Panels statt des sonst verwendeten weißen Hintergrunds, auf Schwarz gesetzt sind. Gleichzeitig komplimentiert dieser Wechsel den Unterschied, der sonst hauptsächlich im Freien spielenden Handlung, zu den Szenen in den finsteren Gemäuern einer großen Feste.

"Ordo von den Talion" ist ein spannender und gut erzählter Comic. Die Innenschau des erzählenden Zwerges Ordo transportiert eine düstere Stimmung, die sich gut in den Bildern spiegelt. Eine tolle Farbgebung und detaillierte Hintergründe gleichen die vereinzelt verwaschenen und konturlosen Gesichter der Figuren aus. Der zweite Band der "Saga der Zwerge" reicht nicht an den ersten der Reihe heran, ist jedoch immer noch sehr gute Fantasy-Unterhaltung.

Eine Leseprobe gibt es auf der Website des Splitter Verlags.

Claudia Heinzelmann



Hardcover | Erschienen: 1. April 2016 | ISBN: 9783958392458 | Originaltitel: Nains 2: Ordo du Talion | Preis: 14,80 Euro | 56 Seiten | Sprache: Deutsch

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