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 Percy Pickwick und die Geisterfahrer

Serie: Percy Pickwick, Band 23
Autoren: Zidrou
Illustratoren: Turk
Übersetzer: Max Murmel
Verlag: Splitter Verlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Brutalität
Gefühl
Humor
Preis - Leistungs - Verhältnis
Spannung
London im Mai 1960: Das Britische Empire ist in seinen Grundfesten bedroht. Mehrere englische Bürger von untadeligem Ruf werden hinter dem Steuer ihres Wagens von dem Verlangen erfasst, auf die rechte Straßenseite zu wechseln. Nach acht dieser mysteriösen Vorfälle reicht es Lord Climber, dem Vorsitzenden der zuständigen Versicherungsgesellschaft, und er engagiert höchstpersönlich Percy Pickwick, der dem Spuk ein Ende bereiten soll. Doch der Fall erweist sich auch für Englands besten Detektiv seit Sherlock Holmes als harte Nuss, zumal er gerade mit einer ganz persönlichen Tragödie zu kämpfen hat: Seine Haushälterin Miss Partridge hat ihn verlassen ...

Acht Jahre nach Erscheinen des letzten Bandes "Irische Ballade" (in Band 5 der Gesamtausgabe enthalten) liegt ein neuer Fall für den Detektiv mit dem markanten blonden Schnauzer vor. Nachdem der Zeichenstil von Rodrigue bei den Fans nicht sonderlich gut ankam, darf der Leser mit Turk einen unerwarteten Rückkehrer an den Zeichenstift begrüßen, der maßgeblich an der Entwicklung des typischen Pickwick-Stils beteiligt war. Als Mitstreiter konnte zudem Zidrou gewonnen werden, der ebenfalls einen respektablen Backkatalog im Comic-Metier vorweisen kann.

Inhaltlich liegt mit "Percy Pickwick und die Geisterfahrer" einer der wohl britischsten aller Bände vor, was alleine schon eine beachtliche Leistung ist, da sich der Hauptcharakter wesentlich über seine "Britishness" definiert. Dennoch gelingt es Turk und Zidrou, die Darstellung englischer Eigenheiten hier auf die Spitze zu treiben und sich im Gegenzug auch ihre eigene - also die französische Kultur - gekonnt auf die Schippe zu nehmen.

Allerdings finden sich auch Kritikpunkte an dem neuen Pickwick-Band. So existiert die Reihe um den Detektiv nun seit 1959, also 57 Jahre. In diesem Zeitraum ist der Hauptcharakter zwar nicht in Realzeit gealtert, doch gerade unter der Ägide von Turk und de Groot wurden immer wieder zeitgemäße Themen verarbeitet, wie beispielsweise die Kritik am Computerzeitalter in "Sieben Tage Angst" (in Band 3 der Gesamtausgabe enthalten). Die neu erschienene Geschichte spielt im Mai 1960 und wirkt für einen Band aus dem Jahr 2016 ein bisschen "aus der Zeit" gefallen, da es keine Weiterentwicklung von Percy Pickwick aufzeigt.
Ein gutes Beispiel hierfür ist die anachronistische Darstellung eines schwarzen Chauffeurs, dessen Gesichtszüge sehr an die Kolonialsichtweise der Europäer erinnern. Unter Berücksichtigung heutiger Maßstäbe wirkt dies nicht nur klischeebeladen, sondern schlichtweg unangemessen.
Als dritter Kritikpunkt lässt sich der teilweise unglaubwürdige Plot anführen, der - ohne zu viel zu verraten - an James-Bond-Filme der Siebziger und Achtziger erinnert. Frühere Klassiker haben gezeigt, dass Pickwick meist dann am besten ist, wenn die Autoren ihn in ein glaubwürdiges Abenteuer schicken. Im vorliegenden Band dagegen wirkt der Plan des Bösewichts zu "comichaft", um realistisch zu sein.

"Percy Pickwick und die Geisterfahrer" macht eine abschließende Beurteilung nicht einfach. Die Rückkehr Turks und dessen Zusammenarbeit mit Zidrou haben der Reihe auf jeden Fall gut getan. Der alte Zeichenstil lässt, ebenso wie die "Britishness", die auf nahezu jeder Seite zelebriert wird, an die alten Klassiker aus Turks und de Groots Ägide denken. Leider gelingt es dem neuen Duo nicht, Percy Pickwick in das Jahr 2016 zu übertragen, Turk und Zidrou müssen sich eine gewisse Festgefahrenheit vorwerfen lassen. Dennoch sollte der Leser auf einen weiteren Band aus der Feder dieser beiden etablierten Künstler hoffen, denn die Grundlagen für weitere hochkarätige Bände über die Abenteuer des besten britischen Detektivs seit Sherlock Holmes sind auf jeden Fall vorhanden.

Auf der Website des toonfish-Verlags steht eine Leseprobe bereit.

Markus Goedecke



Hardcover | Erschienen: 1. Mai 2016 | ISBN: 978-3-95839-929-7 | Originaltitel: Clifton et les Gauchers Contrariés | Preis: 13,95 Euro | 56 Seiten | Sprache: Deutsch

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