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 MANIERA

Pontormo, Bronzino und das Florenz der Medici


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Gesamt +++++
Anspruch
Aufmachung
Bildqualität
Preis - Leistungs - Verhältnis
Nach dem Tod Raffaels bildete sich in Florenz ein Kunststil heraus, der sich von der Hochrenaissance unterschied durch die teils exzessive Ausschöpfung der technischen Möglichkeiten jener Zeit. Daraus entwickelten einzelne Maler einen ganz persönlichen Stil. Zu den Meistern dieser Epoche gehörten vor allem Pontormo, Bronzino, del Sarto, Rosso Fiorentino und Vasari, der später auch durch sein kunsthistorisches Werk berühmt werden sollte. Heute wird dieser Stil als "Manierismus", italienisch "Maniera", bezeichnet.

Im Frankfurter Städel war mehrere Monate lang eine Ausstellung mit dem Titel "Maniera" zu sehen, in der eine Fülle an Werken des Manierismus - Gemälde, Zeichnungen, Plastiken und mehr - präsentiert wurde. Der dazugehörige Katalog erschien im Prestel-Verlag. Er umfasst Essays über die Geschichte des Manierismus-Begriffs, der bekanntlich nicht nur positiv konnotiert ist, zum Florenz der Medici, in dem sich der Manierismus entfaltete, und über das künstlerische Thema des "Martyriums der Zehntausend" in den Werken der damaligen Künstler.

Als Hauptteil fungiert natürlich der eigentliche Katalog mit einer überwiegend chronologischen, doch auch themenbezogenen Einteilung; so gibt es einen "Seitenblick nach Rom", wo sich unter anderem die Päpste als Mäzene der zeitgenössischen Maler betätigten. Der Anhang enthält Angaben zur Literatur, das Impressum und den Abbildungsnachweis.

Schon die dem Katalogteil vorangestellten Essays, gehaltvoll und darüber hinaus großzügig mit Beispielen bebildert, könnten Verlockung genug sein, die Ausstellung zu besuchen. Wem dies vergönnt war - am besten an einem der ruhigeren Tage -, der findet darin eine ideale Nachbereitung, sofern er den Katalog nicht vorab erworben und zur Vorbereitung genutzt hat, wozu dieser sich gerade aufgrund der sorgfältig recherchierten und so umfassenden wie angenehm zu lesenden Essays perfekt eignet. Diese bieten einen interessanten Überblick sowohl über die Entwicklung des Stils selbst als auch seiner Rezeption, mit der die Bezeichnung "Manierismus" beziehungsweise "Maniera" in enger Verbindung steht. Darüber hinaus lernt der Leser die Epoche detailliert kennen, in der sich der Manierismus entfalten konnte. Das "Martyrium der Zehntausend" als Gegenüberstellung der Werke unterschiedlicher Künstler zum selben Thema bietet einen interessanten Einblick in verschiedene Herangehensweisen derselben Epoche.

Im Katalogteil finden sich großformatige Abbildungen der unterschiedlichen Exponate zusammen mit umfangreichen Erläuterungen dazu, ergänzende Bilder inklusive. Angesichts dieser ausführlichen Präsentation darf man sich über den für einen so hochwertigen Bildband geradezu günstigen Preis freuen - ein wirklich aufwändig vorbereiteter Katalog, der auch nicht zu jenen gehört, die der Kunstinteressierte letztlich doch eher nur durchblättert: Allein schon die qualitätsvollen Abbildungen laden dazu ein, sich genau mit den Hintergründen zu befassen, die im Text anschaulich geschildert werden; sind die Werke doch immer wieder verblüffend mit teils extravaganten Proportionen, Details und Gesamtkonzepten.

Selbstverständlich finden sich nicht nur Erläuterungen zu den Exponaten, sondern auch die üblichen Angaben zum Maler und dessen Lebenseckdaten, Entstehungsjahr des jeweiligen Werks, Material, Maßen, Eigentümer und so weiter.

Wer die Ausstellung nicht besuchen konnte, erhält hier einen hochwertigen Ersatz und ein Kunstbuch, das wohl kaum lediglich eine Zierde fürs Regal darstellen wird. Besser kann der besondere Stil des Manierismus vermutlich nicht vermittelt werden.

Einen Blick ins Buch bietet die Verlagsseite.

Regina Károlyi



Hardcover | Erschienen: 1. März 2016 | ISBN: 9783791355054 | Preis: 49,95 Euro | 304 Seiten | Sprache: Deutsch

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