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 Mond

Geschichten aus aller Welt

Herausgeber: Christine Brand
Verlag: Unionsverlag

Cover
Gesamt ++++-
Anspruch
Preis - Leistungs - Verhältnis
Als leuchtender Begleiter der Nacht, hat der Mond seit jeher eine große Anziehungskraft auf den Menschen, die soweit geht, dass eine Vollmondnacht bisweilen mystische Eigenschaften nachgesagt werden. Vielleicht ist es auch der in Zürich lebenden Journalistin Christine Brand so ergangen, als sie auf einem Campingplatz in der Atacama-Wüste den Vollmond zwischen den vom Wind getriebenen Wolken beobachtete. In jedem Fall war es jene Nacht, in der Brand ihre erste Mondgeschichte zu hören bekam: eine brasilianische Sage, in der die Menschen die Nacht und damit auch den Mond verloren hat. Seitdem hat sie zahlreiche Sagen, Legenden und Märchen aus aller Welt gesammelt und in der hier vorliegenden Anthologie veröffentlicht.


Der Mond kommt, wenn der Tag geht. Dann setzt er sich an den Himmel und wirft seinen Schein auf die Welt. Bis er sich am Morgen wieder schlafen legt. (Aus einem serbischen Märchen)


Mit diesem Band hebt Christine Brand den Mythenschatz, der sich um den Mond rankt. Denn egal ob in Afrika, Asien, Europa oder in einem noch so fernen Erdflecken, überall gibt es volkstümliche Geschichten über den Mond, mit denen sich die Menschen ihre eigenen Antworten auf das schufen, was sie täglich - oder besser gesagt "nächtlich" - am Himmel beobachten konnten. Auch wenn die Geschichten unterschiedlich sind, finden sich dennoch kulturübergreifend immer wieder ähnliche Grundkonstellationen. So wird nicht nur einmal der Sonne die Rolle des Mond-Partners zugestanden, treiben Ungeheuer oder Ungetüme ihr Unwesen oder wird die kosmische Ordnung durch eine List oder einen Täuschungsversuch verändert. Trotz dieser Ähnlichkeiten sind jedoch die Unterschiede mindestens genauso spannend, da diese auf unterschiedliche Weise auch etwas über die Kultur verraten, aus der die jeweiligen Geschichten entstammen.


Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass der Mond an unserem Himmel steht. Im Gegenteil, es ist ein großes Glück. Denn um ein Haar wäre der Mond für immer verloren gegangen. (Aus einer keltischen Sage)


Da es neben Märchen vor allem auch Sagen und Legenden sind, die Eingang in den Band gefunden haben, führen die Geschichten am Ende immer wieder, wenn auch bildhaft versteckt, auf ganz reale Eigenschaften des Mondes zurück, wie zum Beispiel, dass der Mond eben seine Heimat am Nachthimmel hat oder dass sich dieser vor der Sonne "versteckt". Und wer dazu noch ein bisschen Fantasie mitbringt, der wird bestimmt beim nächsten Blick in den Mond auch "die Silhouette einer Frau mit dem Wasserkübel" erkennen, deren Entführung - so eine Maori-Sage aus Neuseeland - dazu geführt hat, dass sich der Mond fortan höchstpersönlich um Ebbe und Flut kümmern muss.

Die Geschichten selbst werden von Christine Brand in loser Form präsentiert, also ohne thematisch oder geografisch orientierte Untergliederung. Das ist jedoch in diesem Fall nicht weiter störend, da der Band auf diese Weise immens an Abwechslung gewinnt und sehr unterhaltsam zu lesen ist. Für den zielgerichteten Leser wäre es jedoch sinnvoll gewesen, bereits im Inhaltsverzeichnis die Herkunft der Geschichten anzugeben. Denn damit wäre nicht nur dem Leser ein gezielteres Auswählen möglich, sondern auch noch deutlicher geworden, dass die von Christine Brand zusammengestellten Texten wirklich "Geschichten aus aller Welt" sind.

FAZIT: Eine gelungene Geschichtensammlung, die nicht nur für eine Vollmondnacht zu empfehlen ist.

Weitere Informationen zum Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Hardcover | Erschienen: 14. März 2016 | ISBN: 9783293004986 | Preis: 16,95 Euro | 187 Seiten | Sprache: Deutsch

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