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 Aufbruch ins globale Zeitalter

Die Handelswelt der Fugger und Welser


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Sie waren das, was heutzutage gerne als "Global Player" bezeichnet wird. Mit einem weit gespannten Handelsnetz überzogen sie den europäischen Kontinent und nutzten geschickt ihre Verbindungen in außereuropäische Gebiete. Die Rede ist von den beiden Handelshäusern der Fugger und Welser. Beide im schwäbischen Augsburg ansässig, schafften diese trotz ganz unterschiedlicher Voraussetzungen - die Fugger gehen auf eine Weberfamilie aus dem nahegelegenen Dorf Graben zurück, die Welser waren dagegen seit jeher eine angesehene Augsburger Patrizierfamilie - im 16. Jahrhundert ihren wirtschaftlichen Durchbruch. Während der Reichtum der Fugger vor allem auf den "Silber- und Kupferhandel in Europa und in Übersee" zurückging, war es bei den Welsern der "interkontinentale Gewürzhandel". Letztere stiegen zudem in den lukrativen Zuckerhandel ein, welcher sie bis nach Venezuela trieb. Die Fugger waren hingegen die "Bankiers der spanischen Krone", was ihnen die Pforten in die Bergbauschätze Amerikas öffnete. Am Ende gehörten beide mit ihrem weitverzweigten Handelsnetz zu den reichsten und einflussreichsten Familien des 16. Jahrhunderts.


Die Fugger und Welser spielten tatsächlich eine bedeutende Rolle im interkontinentalen Handel doch überzogene Behauptungen über angebliche Monopole, Flotten und weltweite Netzwerke von Stützpunkten ergeben ein Zerrbild, das der Realität der frühen Neuzeit in keiner Weise entspricht.


Zweifellos waren die wirtschaftlichen Aktivitäten der Fugger und Welser eine Erfolgsgeschichte und der Beginn eines global vernetzten Handels, welcher die wirtschaftlichen Aktionsradien massiv ausweitete. Doch bei all dem bewahrt der an der Universität Bamberg lehrende Mark Häberlein in dem vorliegenden Band einen kritischen Blick und verweist immer wieder auf den episodenhaften Charakter der fugger- und welserschen Unternehmungen etwa was die direkte Beteiligung der beiden Familien am Gewürzhandel in Asien anbelangt. Damit hebt er sich deutlich von früheren Publikationen zum Thema wie etwa "Die versunkenen Schätze der Bom Jesus" (Wolfgang Knabe/Dieter Noli, Nicolai Verlag) ab, welche die Rolle der beiden Handelshäuser in übertriebener Weise darstellen.

Trotz einer sehr unterschiedlichen Aktenlage - im Gegensatz zu den Fuggern liegen bei den Welser keine überlieferten Generalrechnungen als Quellen vor belegt Häberlein an vielen Stellen seine Ausführungen mit vielen harten Zahlen, um die Dimensionen der beiden Handelsimperien offenzulegen. Auch gelingt es ihm, typische Handlungsmuster herauszuarbeiten, beispielsweise wenn vom welserschen Vertriebssystem im Gewürzhandel die Rede ist. Überhaupt durchzieht Häberleins Buch eine weitreichende Perspektive, welche die Vermarktung, Geschäftsbeziehungen und Vertriebswege genauso in den Blick nimmt wie politische und kulturhistorische Aspekte. Im Kern geht es Häberlein jedoch um die globale Dimension im Handeln der beiden Familien, die wie oben bereits angedeutet stets vorhanden war, gleichzeitig in ihrer Bedeutung aber nicht überschätzt werden darf. Denn nicht immer waren deren Aktivitäten erfolgreich und bisweilen prägte deren Handeln - wie im Falle der Fugger in Südamerika - sogar eine gewisse Zurückhaltung. Wo es allerdings globale Zusammenhänge gibt, dort benennt Häberlein diese und macht deutlich, wie vernetzt bereits die Handelswelt des 16. Jahrhunderts war. Immer wieder führt dies den Leser zu der Stadt Antwerpen, die sich als Wiege des fugger- und welserschen Reichtums entpuppt.

Vernetzt sind auch die einzelnen Kapitel des Bandes, handeln sie doch die Aktivitäten der beiden Handelsfamilien nicht einzeln nebeneinander ab, sondern legen diese in einer vergleichend-integrativen Art und Weise dar. Dadurch gewinnt der Band enorm, da er so viele Zusammenhänge, aber auch Unterschiede im Wirken offenbart. Abgeschlossen wird der Band schließlich durch ein hilfreiches Orts- und Personenregister. Zudem durchziehen den Band einige Schwarz-Weiß-Abbildungen. Karten finden sich dagegen leider nur wenige, obwohl gerade diese sicherlich noch einmal die weitreichende räumliche Dimension des Handelgeschehens sowie deren Vernetztheit wiedergegeben hätten.

FAZIT: Ohne Überhöhung und mit viel Überblick schlüsselt Mark Häberlein in dem vorliegenden Band die Handelswelt der beiden Augsburger Kaufmannsfamilien Fugger und Welser auf und zeigt dabei auf, aus welch einem weitverzweigten Handelsnetz sich ihr Reichtum speiste.

Weitere Informationen sowie ein Blick ins Buch finden sich auf der Webseite des Verlags.

Matthias Jakob Schmid



Hardcover | Erschienen: 12. September 2016 | ISBN: 9783806233421 | Preis: 24,95 Euro | 256 Seiten | Sprache: Deutsch

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